Am noblen Gutshaus Stolpe in Vorpommern fließt die Peene vorbei – Führungen per Kanu oder Fahrrad

Ein Juwel am Amazonas des Nordens

Wie zum Entspannen gemacht: Das Gutshaus Stolpe mit seinem großen Park. Fotos: Gödecke

Die Einheimischen nennen sie auch stolz den Amazonas des Nordens: die Peene. Und das hat seinen Grund: Über fast 85 Kilometer mäandert der Fluss durch Feuchtwiesen, Quellmoore und Bruchwälder vom Kummerower See bis zur Mündung in den Peenestrom an der Insel Usedom. Das letzte noch unverbaute Flusstal Westeuropas ist zugleich Lebensraum für eine Fülle an Tieren und Pflanzen.

Im 200-Seelen-Dörfchen Stolpe, wo das Besucherzentrum für den 2011 gegründeten Naturpark „Flusslandschaft Peenetal“ entsteht, fließt die Peene gemächlich am Park des Gutshauses Stolpe vorbei. Die denkmalgeschützte Gutsanlage beherbergt heute das aufwändig restaurierte Gutshaus als Relais & Chateaux Hotel Gäste, die individuellen Urlaubsgenuss inmitten dieser wunderbaren Naturlandschaft schätzen.

„Die Menschen kommen hauptsächlich wegen des Hotels her und nicht unbedingt wegen der Peene, das ist sehr schade“, sagt Hoteldirektor Alexander Stiller. Natürlich sieht es der Hotelmanager nur zu gern, wenn seine Gäste am Bootssteg dem Fließen des Wassers zuschauen, ein Bad im Fluss nehmen, in der nagelneuen Wellnesslounge saunieren, auf dem Liegestuhl unter uralten Kastanien den Tag genießen oder sich abends kulinarisch von Sternekoch André Münch verwöhnen lassen. Doch die Landschaft sei einfach zu schön, um nicht erkundet zu werden.

Biber und Seeadler

Wer die Gegend kennenlernen will, borgt sich im Hotel ein Fahrrad und lässt sich mit der kleinen Personen-Fähre ans Nordufer der Peene übersetzen. Den Fährmann fordert man im alten Fährkrug an, der ebenfalls zum Gutshaus Stolpe gehört. Besonders eindrucksvoll ist die Wasserlandschaft aber auch vom Boot aus zu erleben, entweder per Motor- oder Ruderboot, das man sich im Hotel leihen kann oder bei einer geführten Wasserwanderung im Kanu.

Nicht weniger aufregend ist eine Radtour mit dem Naturpark-Ranger. Steffen Päßler ist einer von ihnen. Er kennt nicht nur den Weg entlang des schilfbewachsenen Ufers ins geschützte Anklamer Stadtbruch zwischen Peene und Stettiner Haff. Er weiß auch, wo Biber ihre Burgen bauen oder seltene Orchideen wachsen. „Eigentlich müssten wir hier auch den Seeadler sehen“, sagt er, als er an einem überschwemmten Waldstück stoppt und nach dem Feldstecher greift. Das Erlebnis lässt nicht lange auf sich warten: Gleich drei Exemplare erheben sich aus den Wipfeln und kreisen über uns davon.

Beim Radeln über den alten Damm der Vorkriegsbahnstrecke Berlin-Usedom kommt der Ranger schon mal ins Schwärmen über die Schönheiten seines Reviers, zu dem auch die Hubbrücke Karnin gehört. Sie war einst Bestandteil der ehemaligen Eisenbahnlinie Ducherow–Swinemünde. Das Hubteil der kurz vor Kriegsende von der Wehrmacht gesprengten Brücke steht als unverändertes Fragment und technisches Denkmal mitten im Peenestrom und bildet wie die Tier- und Pflanzenwelt drumherum ein willkommenes Fotomotiv.

Preisgekrönter Tourismus

Infos über Angebote des Naturparks und des Netzwerkes „Abenteuer Flusslandschaft“, in dem sich über 25 touristische Akteure des Peenetales zusammengeschlossen haben und das 2010 mit dem EDEN-Award, dem europäischen Preis für nachhaltigen und naturverträglichen Tourismus, ausgezeichnet wurde, sind an der Rezeption des Gutshofes Stolpe, dem Hoteljuwel an der Peene, zu haben.

Von Axel Gödecke

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.