Im Winter kommen die Skifahrer, doch im Sommer gilt das spanische Arantal noch immer als Geheimtipp

Käse, Kaviar und heiße Quellen

Einsames Wanderparadies: Der alte Königsweg verbindet auf 150 Kilometern 22 Dörfer des Tals.

Buenos Dias“, murmelt der alte Mann. Kurz blickt er unter der Schirmmütze hervor, um den Fremden zu grüßen, bevor er, auf seinen Wanderstock gestützt, seinen Weg fortsetzt. Von Zeit zu Zeit bleibt er stehen und schaut versonnen in die Ferne, als könne er sich nicht satt sehen an dem Bergpanorama seines Heimattales: Die Wiesen des Val d‘Aran sind von duftenden Blumen übersät, die bis dicht an die bewaldeten Berge heranreichen.

Umgeben von mächtigen Dreitausendern liegt das Tal rund 300 Kilometer von Barcelona entfernt, verborgen im äußersten Zipfel Kataloniens. Statt spanischer Hitze herrscht hier auf der Nordseite der Pyrenäen ein atlantisch geprägtes Klima, was dem Tal milde Jahreszeiten beschert und eine üppige Vegetation.

Den besonderen Charme des Val d´Aran hat auch Juan Carlos schon vor vielen Jahren für sich entdeckt. Die königliche Familie bewohnt seit Eröffnung des Skiressorts Baqueira-Beret im Jahr 1964 ein Haus in Baqueira. Aber wo im Winter die Skifahrer über die Pisten preschen, hört man jetzt nur das Plätschern des Wassers. Im Sommer gilt das Arantal noch immer als Geheimtipp für Romantiker und Genießer, Mountainbiker und Wanderer.

Einer der vielen Rad- und Wanderwege ist der „Camin Reiau“, der Königsweg aus den Römerzeiten. Auf 150 Kilometern verbindet er 22 Dörfer des Tals. Dazu gehört auch das Bergdorf Bagerque. Die Häuser sind mit Schiefer gedeckt, Geranien quellen aus den Blumenkästen. Auch vor dem Fenster der „Era Hormatgeria Tarrau“. Und auch wer kein Spanisch versteht, riecht beim Betreten des kleinen Ladens sofort, worum es hier geht: um Käse.

José Antonio Tarrau ist der Chef des kleinen Produktionsbetriebes. Die Beine lässig gekreuzt lehnt er am Verkaufstisch und begrüßt die Besucher zum Rundgang: „Früher war ich Skilehrer, auch wenn man das heute kaum noch glaubt“, erzählt der 35-Jährige lachend und streicht über seinen beachtlichen Bauch.

Heute produziert er in der einzigen Käserei im Tal täglich 35 Kilo Käse. Für ihren „Hermatge dera Val d´Aran“ und den „Blue de Bagerque,“ einen kräftigen Blauschimmelkäse mit Armangnac, erhielten sie zum zweiten Mal die „Medalla de Plata“, die Silbermedaille.

Störe lieben das Gebirgswasser

Es rauscht, sprudelt und plätschert. Von überall strömt das Wasser in das Tal. Beliebt ist das klare Gebirgswasser auch bei den sibirischen Stören. Seit einigen Jahr tummeln sich die Fische des Baikalsees im Val d´Aran, und zwar in den Becken von „Caviar Nacarii“ im Örtchen Les. „Die Qualität des Wassers ist die wichtigste Voraussetzung für die Kaviar-Produktion“, erzählt Franzisco Bernaldez seinen Gästen auf dem Rundgang durch die kleine Fabrik. 800 Kilo des „Schwarzen Goldes“ produziert der Biologe jährlich mit seinem Team. Ein Großteil davon wird im Tal angeboten.

Es gibt viele Arten, den Kaviar zu genießen. Nicht nur mit einem Spritzer Zitrone, sondern auch sanft einmassiert. Zum Beispiel bei einer Gesichtsbehandlung mit frischem Kaviar in einem der Thermalbäder. Schon die Römer räkelten sich in den warmen Heilquellen des Val d´ Aran. Und auch wenn ihnen die verjüngende Wirkung der Kaviar-Kosmetik noch nicht bekannt war, wussten sie schon damals um die wohltuende und heilende Wirkung des Schwefel-Wassers, das aus mehr als 300 Metern Tiefe sprudelt.

Wer sich auf den Weg macht, das Tal zu entdecken, wird schnell verstehen, warum die Römer ihre ersten Häuser an den Quellen in Les, Tedós und Arties errichteten.

Von Adrienne Friedlaender

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