Oberösterreich: Den Zauber der k.u.k. Monarchie in Bad Ischl erleben

Kaiserliche Sommerfrische

Feine Adresse: Ischls Flaniermeile, die Esplanade, liegt direkt an der Traun. Fotos: Kothe

Hier wurde 1853 eine große Liebe besiegelt, die eigentlich nicht sein sollte und die von so vielen Mythen begleitet wird wie kaum eine andere: Das Seeauerhaus, eine gelbe, mit weißem Stuck verzierte Villa, schmiegt sich unauffällig an die Esplanade, Bad Ischls Prachtpromenade. Dort traf Kaiser Franz Joseph I. am 18. August 1853 auf die junge Prinzessin Elisabeth, besser bekannt als Sisi. Verzaubert von ihrem Liebreiz verlobte er sich noch am selben Abend mit ihr – und die Ischler standen vor dem heutigen Museum der Stadt Kopf.

Franz Joseph und Sisi schätzten ein Leben lang die Vorzüge der Sommerfrische in Ischl, die sie in ihrer Kaiservilla verlebten. Der herzliche Ort im Salzkammergut war für sie „der Himmel auf Erden“, wie der Kaiser zu sagen pflegte. Sie liebten es, abseits der starren Hofrituale die Zeit an den Seen und in den Bergen rund um Ischl, bei Spaziergängen entlang der Traun oder durch den idyllischen Kurpark zu verbringen. Die kaiserliche Sommerfrische hat bis heute nichts von ihrem Charme verloren und lockt Jahr für Jahr viele Gäste nach Oberösterreich.

Der Kaiser verlebte seit 1849 in Ischl nicht weniger als 82 Sommer und feierte dort 81 Geburtstage. Schon dass er das Licht der Welt erblickte, ist der Legende nach Ischl zu verdanken. Als seine Mutter Prinzessin Sophie mehrere Fehlgeburten erlitt, riet ihr Leibarzt zu einer Sole-Kur in Ischl. Der phänomenale Kurerfolg sorgte für einen Aufschwung. Ischl wurde zum angesagten Modebad der kaiserlichen und königlichen – kurz: k.u.k. – Monarchie, wo die Sommerfrische fortan ein gesellschaftliches Muss war.

Die Kaiservilla kann besichtigt werden

In der Kaiservilla, die von einem weitläufigen Park umgeben ist, leben noch heute die Nachkommen von Franz Joseph und Sisi, die Familie Habsburg. Die Villa hat ihren privaten und persönlichen Charakter bewahrt. Wirft man einen Blick in die originalen Gemächer, mutet es an, als ob Sisi allein am Fenster stünde oder Franz Joseph grübelnd an seinem Sekretär säße. Wie zu Kaisers Zeiten ist die Villa nicht täglich geöffnet und nur mit Führungen zu besichtigen.

Die von hohen Bäumen gesäumte Esplanade, die entlang der Traun führt, lädt zum Schlendern ein. An ihren Ufern reihen sich noble Villen, darunter die von Franz Lehár. Er war einer von vielen Künstlern, die die Nähe des Hofstaates suchten. Bis zu seinem Tod im Jahr 1948 verbrachte der Komponist fast alle Sommer in Ischl, auch um zu arbeiten: „In Ischl habe ich immer die besten Ideen...“. Sein privates Reich ist heute ein Museum. Die Lehár-Villa wurde so belassen, wie er sie einst eingerichtet hat. Das Haus beherbergt eine einzigartige Kunstsammlung aus wertvollen Gemälden, Möbeln und Erinnerungsstücken.

Köstliches unter freiem Himmel

Lehàr vertändelte auch gerne Zeit in einen verwunschenen Garten an der Traun: dem Zauner Grand-Café Esplanade, wo süße Pralinen, Gebäck, Kuchen und Torten in den Auslagen verführen. Berühmt ist der Original Zaunerstollen. Das feine Gebäck aus Nougat, Oblaten, Haselnüssen und Schokolade brachte der Wiener Zuckerbäcker Johann Zauner 1832 mit nach Ischl. Seine Konditorkünste waren so legendär, dass er zum k.u.k. Hoflieferanten berufen wurde. Und auch in Ischl zählte das Kaiserpaar zu den Stammgästen in dem wohl elegantesten Salon unter freiem Himmel.

Von Helga Kristina Kothe

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