Am Großglockner

Im Bann des schwarzen Berges

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Blick vom Lucknerhaus ins Ködnitztal: Im Hintergrund hüllt sich der Großglockner in Wolken.

Kals am Großglockner ist bekannt geworden als Bergsteigerdorf. Bei Touristen ist das Tal im Süden des höchsten Berges Österreichs durch seine Naturbelassenheit und Ruhe beliebt. Der angrenzende Nationalpark Hohe Tauern trägt auch zur Attraktivität bei.

Mehrfach hintereinander pfeift es von einer nahen Almwiese. Ein Murmeltier warnt mit seinen Schreien die Artgenossen: Vorsichtig, Wanderer mit Hund im Anmarsch. Hätte das Murmeltier nur einen schrillen Schrei ausgestoßen, es hätte vor dem Steinadler gewarnt. Doch der kreist, gerade noch mit bloßem Auge zu erkennen, über einer Bergspitze hoch über dem Dorfertal. Auch eine Gämse klettert unbeeindruckt am steil abfallenden Felsen auf der anderen Seite des Kalser Dorferbaches, wo die mehr wilde als romantische Dabaklamm beginnt. Hier, im von Dreitausendern umgebenen Kessel von Kals, dem Bergsteigerdorf am Großglockner in Osttirol und an der Südgrenze des Nationalparks Hohe Tauern, spürt man die Natur. Viel mehr gibt es auch kaum, aber will man denn mehr als Natur pur? Hier, so sagt die geprüfte Tiroler Wanderführerin und Bergkräuter-Expertin Irmgard Wibmer, kann man Urlaub machen im Einklang mit der Natur. Und Kraft tanken. Das Energiezentrum ist für sie der Großglockner, Österreichs höchster Berg mit 3798 Metern. Rund um den Berg gebe es viele besondere Plätze – Kraftplätze. Einer heißt Gradonna, ein vorspringender Felsen, in den die Kapelle zur Rosenkranzkönigin hineingesprengt wurde. Mehrere tausend Jahre zuvor legten dort Menschen, so berichtet Ortschronist Sepp Haidenberger, 70 Steinbockschädel ringförmig nieder – Hinweis auf eine alte Kultstätte.

Gradonna – Kraftplatz mit besonderer (Aus-)Strahlung

Auch Schamanen und sogar Wissenschaftler sollen Gradonna eine besondere (Aus-) Strahlung bescheinigt haben. Die Felsenkapelle liegt am Talrundweg von Kals, der den Kessel auf knapp 20 Kilometer Länge umrundet. Er ist auch in Etappen begehbar. Am spektakulärsten ist sicherlich der Abschnitt mit der 52 Meter langen und 29 Meter hohen Hängebrücke im Ködnitztal. Unterwegs auf dem Rundweg kann man oft im Tal die St.-Georg-Kapelle sehen. Das älteste kirchliche Bauwerk im Kalser Tal steht allein auf grüner Wiese. Von ihm soll besonders viel Kraft ausgehen. Ein anderer, auch nicht anstrengender Wanderweg beginnt am Lucknerhaus (1920 m), das den Endpunkt der Glocknerstraße von Kals her markiert. Im Blick voraus ist stets der Großglockner und links die Glocknerwand, beziehungsweise das, das die Lücken in den Wolken gerade preisgeben. Es geht gemütlich bergan Richtung Lucknerhütte (2241 m) – wenn man nicht auf dem prämierten Nationalpark-Lehrweg „Glocknerspur – Berge Denken“ viel Wissenswertes ideenreich dargeboten über Flora, Fauna und Geologie begreifen und fühlen will. Wer sich am späten Nachmittag noch etwas höher in Richtung Stüdlhütte (2802 m) traut, kann mit etwas Glück sich balgende Steinböcke beobachten und sogar fast über Murmeltiere direkt neben dem Weg stolpern. Die putzigen Fellknäuel hören nahe dem rauschenden Ködnitzbach nämlich nichts und erschrecken sich erst, wenn sie den Wanderer direkt vor Augen haben.

Rund um den Großglockner

Bilder vom Großglockner

Das Wetter spielt – auch südlich des Alpenhauptkammes – nicht immer mit. Der geplante Aufstieg auf den Großglockner binnen zwei Tagen wird von den Kalser Bergführern abgesagt, sogar im August fällt da oben manchmal Schnee. Die Glockner-Runde, alpines Trekking rund um den Berg, klingt als Alternative reizvoll – dauert aber sieben Tage.

Schau mit Mineralien im Wert von 260 000 Euro

Da bleibt, will man den „schwarzen Berg“ näher kennenlernen, nur der Besuch des liebevoll eingerichteten, völlig überladenen Heimatmuseums in Kals. Und im Kalser Glocknerhaus gegenüber ist die Dauerausstellung gerade erst um Mineralien aus der Glocknerwand im Wert von 260 000 Euro bereichert worden. Insbesondere Steine und Kristalle, das spürte nicht erst Hildegard von Bingen, haben heilende Kräfte. „Die Wirkung“, gibt uns Irmgard Wibmer noch mit auf den Weg, „muss jeder selber spüren.“

Service

Anreise:  Kals ist von Kassel knapp 700 Kilometer entfernt. Über die Autobahn geht es bis München und weiter über die Inntal-Autobahn bis Kufstein, danach über St. Johann in Tirol und Kitzbühel durch den Felbertauerntunnel (10 Euro Maut) in Richtung Lienz. Die Autobahnvignette für Österreich auf dieser Route ist nicht erforderlich.

Sehenswertes und Hütten:

 • Am Dorferbach wurden die letzten sechs Stockmühlen, die älteste Form der Wassermühle, in ganz Tirol erhalten. Jeden Donnerstag (Juni bis September) gibt es in einer Mühle nahe der Brücke nach Kals-Großdorf eine Mahlvorführung und es wird nach alter Tradition Brot gebacken.

• Heimatmuseum Kals in der ehemaligen Schule: geöffnet jeden Freitag 16 bis 18 Uhr.

• Ausstellung „Im Banne des Großglockners“ im Kalser Glocknerhaus: montags, mittwochs, freitags 15 bis 18 Uhr.

• Nationalpark Hohe Tauern: www.hohetauern.at

• Lucknerhaus (am Endpunkt der Kalser Glocknerstraße): offen von Anfang Februar bis Ende Oktober; www.lucknerhaus.at

• Lucknerhütte: offen von Ende Mai bis Mitte Oktober; www.lucknerhuette.at

• Kalser Bergführer: www.bergfuehrer-kals.at

Allgemeine Auskunft: Tourist-Info der Gemeinde Kals am Großglockner, T 00 43 / 50 21 25 40, www.kals.at

Von Stefan Forbert

Übernachten:  Kräfte tanken am Kraftort

 Kein Wunder, dass das Vier-Sterne-Superior-Mountain-Resort gegenüber der Gradonna den Namen nach diesem Kraftplatz bekam. Auch in der noch keine zwei Jahre alten – und auf Natürlichkeit und Nachhaltigkeit ausgerichteten – Anlage mit 130 Zimmern und 42 Chalets geht es um Kraft: Die Gäste sollen sie (wieder-) finden – ob beim Wandern 

draußen oder bei der Wellness drinnen.

Mountain-Resort Gradonna:

Doppelzimmer im Sommer ab 98 Euro pro Person/Nacht inklusive Halbpension, in der Wintersaison (beginnt am 6. 12.) ab 132 Euro pro Person. Burg 24, 9981 Kals am Großglockner, T 00 43 / 48 76 / 8 20 00, E-mail: info@gradonna.at, www.gradonna.at

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