Mit dem See-Kajak durch die kanadische Inselwelt

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Das aufregende Erlebnis mit Schwertwalen zu paddeln: In der Johnstone-Straße zwischen Vancouver Island und dem kanadischen Festland kommt die Gruppe den Orcas ganz nah.

Das aufregende Erlebnis mit Schwertwalen zu paddeln erlebte Hans-Gerhard Pfaff aus Kaufungen in Kanada. Hier sein Erfahrungsbericht.

Direkt vor unseren Augen tauchen in einem Dschungel aus schwimmenden Seetang die schwarz-glänzenden Körper von drei Schwertwalen auf. Nahezu ehrfürchtig verharren wir in unseren See-Kajaks, wir sind starr vor Schreck. „Keine Angst, es kann euch nichts passieren, paddelt einfach ganz normal weiter“, beruhigt uns der Paddel-Guide Toni Buston. In diesem Moment taucht links neben unserer kleinen Gruppe mit vier Kajaks noch ein weiterer Wal auf. Es ist ein mächtiger Bulle mit einer großen, schwertartigen Rückenfinne. Der Sprühnebel aus seinem Blasloch kommt uns so nah, dass wir den starken Fischgeruch der Wasserfontäne nicht nur riechen, sondern sogar auf der Haut spüren. Kaum ist die Formation auf Tauchstation gegangen, hören wir direkt hinter uns ein weiteres Prusten und ein paar Sekunden lang erhebt sich ein rund acht Meter langer und tonnenschwerer Koloss aus dem Wasser. Jetzt wird es doch langsam unheimlich. So dicht wollten wir nun doch nicht den Orca erleben, der im deutschen Sprachgebrauch ja auch Killer- oder Mörderwal genannt wird. Diese Bezeichnung hat er bekommen, weil man in gestrandeten oder toten Schwertwalen unglaubliche Mengen an verschlungenen Tieren gefunden hat. Außerdem gehört der Orca auch zu den Zahnwalen und verfügt über ein durchaus furchteinflößendes Gebiss, das aus vierzig kräftigen, dichtstehenden Zähnen besteht.

Wir paddeln in der Johnstone Strait, der Meerenge zwischen dem kanadischen Festland im Westen und Vancouver Island, einer 400 km langen Insel. Hier befindet sich eine der weltweit besten Plätze um Orcas, die zur Gattung der Delfine gehören, in ihrem natürlichen Lebensraum zu beobachten. Die Küstengewässer der kanadischen Provinz British Columbia sind die Heimat von etwa 300 dort ständig lebenden Orcas, die sich in den Sommermonaten im südlichen Queen Charlotte Sound und der Johnstone Strait sammeln.

Seit vier Tagen sind wir an der wilden, von der Brandung geformten Küste mit seinen tausend Jahre alten Zedern und Sitka-Fichten unterwegs. Mit jedem Paddelschlag entfernten wir uns mehr von der Hektik des Alltags und die verborgene Inselwelt zog uns ganz in ihren Bann. Doch diese hautnahe Begegnung mit dem „Killerwal“ war ohne Zweifel der Höhepunkt unserer Kajak-Expedition.

Das Paddel-Abenteuer begann in Port McNeill an der Nordküste der Insel. Hier ist auch Bill Mckay angesiedelt, einer besten „Whale Watcher“ der Region. Er hat schon vor über 30 Jahren das Beobachten der Orcas mit einem Ausflugsboot ins Leben gerufen und zählt heute zu den profunden Kennern der maritimen Tierwelt an der Küste von Vancouver Island. Mit seinem Wassertaxi erreichten wir nach über einer Stunde Fahrt unser Basiscamp am Rande der Michael Biggs/Robson Bight. Eine streng geschützte Bucht, benannt nach einem Walforscher, die nicht nur zu Wasser, sondern auch vom Land aus nicht betreten werden darf. Hier schrubben und rubbeln sich die Meeressäuger an den Kieselsteinen im flachen Wasser den Rücken. Unser Orca Camp liegt unmittelbar am Rand dieses Schutzgebietes und bietet Platz für acht bis zehn Personen. Die nötige Bootsausrüstung und auch eine entsprechende Kajakerfahrung ist nicht erforderlich, dafür hatten wir einen Guide mit Assistenten, der uns alles Wissenswerte für eine Kajaktour im offenen Meer beibrachte. Geschlafen wird ganz rustikal in Zelten, die auf Holzplattformen relativ nah am Ufer im Regenwald stehen. Die Küche mit Gaskocher ist mit einer Plane überdacht und die Toilettenartikel muss man wegen der ständigen Bärengefahr in einem vorbereiteten Stahlschrank deponieren. Im Gegensatz zum Rest der Gruppe hatten meine Frau und ich überhaupt gar keine Paddelerfahrung. Die anderen Mitglieder waren alles Profis, die schon die wildesten Paddelreviere der Welt bewältigt haben. Tommy aus Dänemark hatte allein den Sambesi bewältigt und Dennis aus der Schweiz kam gerade mit seinem Sohn von einer Tour auf dem Yukon zurück. Am abendlichen Lagerfeuer mit Lachs vom Grill berichtete dann jeder von seinem ganz persönlichen Kajak-Abenteuer. Oft saßen wir bis weit nach Sonnenuntergang am Strand zusammen und lauschten dem Schnauben der Buckelwale, die unmittelbar an unserem Camp vorbeizogen.

Im Kajak zu den Killerwalen

Paddeln mit den Orcas

Für das Frühstück konnten wir uns Zeit lassen. Denn mit der Flut kam auch der Seenebel und mit der Abkühlung Wind und Wellengang. Doch später mit der wärmenden Sonne konnten wir dann die Schönheit der ursprünglichen Landschaft genießen und die Tide bestimmte lediglich die Fahrtrichtung zu den kleinen Buchten. Oft wurden wir bei diesen gemütlichen Paddeltouren von Weißstreifendelfinen (Pacific White Sided Dolphins) begleitet. Da wir aber keine Bugwelle erzeugten und sie nicht mit uns Wellenreiten konnten, verloren die intellligenten Tiere schnell die Lust an uns.

Am vorletzten Tag kam dann für mich als „Greenhorn“ eine echte Herausforderung. Wir überquerten die Johnston Strait im dichten Schiffsverkehr der Kreuzfahrer bis hinüber nach Hanson Island. Über zehn Kilometer hatten wir Gegenwind, hinzu kamen noch die sogenannten Tide Rips der Blackney Passage, wo es wegen der Strudel schon gefährlich hätte werden können. Toni, unser zertifizierter Guide, hatte aber das Nachlassen unser Kräfte schnell erkannt und brach dann letztendlich diese für uns gefährliche Exkursion ab. An diesem Tag sahen wir auch schon Orcas, aber wir waren mit dem Paddeln so beschäftigt, dass wir noch nicht einmal zum Fotografieren kamen. Doch am nächsten Tag hatten wir dann unser besonderes Erlebnis mit den Orcas, dass uns noch sehr lange in Erinnerung bleiben wird.

Von Hans-Gerhard Pfaff

Service

Beste Jahreszeit ab Mitte Juni bis Ende August. Anreise über Vancouver und Weiterflug nach Port Hardy. Übernachtung in Port McNeill, Haida Way Motor Inn.

Anbieter von Kajaktouren: Eco Summer Expeditions P.O. Box 177, Clearwater,
British Columbia
 Canada
V0E 1N0 Website: www.ecosummer.com Der Besitzer Andy Schwaiger stammt ursprünglich aus Österreich.

North Island Kayak Box 213, Telegraph Cove, British Columbia, Canada, V0P 1R0 Website:www.kayakbc.ca

SK-Touristik GmbH Im Südfeld 96 48308 Senden-Bösensell Website: www.sktouristik.de

Literatur: Bild-Text Band von H.-G. Pfaff „British Columbia, vom Pazifik zu den Rockies“ Badenia Verlag, nur über Antiquariat

NG Verlag Taschenbuch von D. Kreutzkamp „Die Spur der Wale: Im Kajak von Alaska durch die Inside Passage“

H. und A. Walter „Vancouver Island: Reiseführer zur schönsten Insel im Pazifik“. Eigenverlag.

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