In Panama dreht sich alles um den gleichnamigen Kanal, viele Naturschätze sind dagegen noch unbekannt

Vom Kanal in den Wolkenwald

Vielbefahrene Wasserstraße: Rund 14 000 Schiffe befahren jedes Jahr den Panamakanal. Trotzdem reicht der Urwald bis an die Ufer des Kanals. Fotos: Heinke

Weder das moderne Flughafengebäude noch die Skyline der Wolkenkratzer können darüber hinwegtäuschen, dass man sich in Panama-Stadt mitten im Dschungel befindet. Der Weg vom Airport in die City führt durch tropischen Regenwald. Pelikane schweben über der Autobahn. Dahinter liegt der Pazifik, voll von Containerschiffen, die auf die Durchfahrt durch den Panamakanal warten.

Mit jährlich 14 000 Schiffen zählt die 82 Kilometer lange künstliche Wasserstraße zwischen Nord- und Südamerika, die Atlantik und Pazifik miteinander verbindet, zu den wichtigsten der Welt. Für Panama ist der im Jahr 1914 eröffnete Kanal die Haupteinnahmequelle. Die Gebühren für die etwa 15-stündige Reise werden nach Art und Größe des Schiffes, Anzahl der Container und Passagierbetten berechnet. Unterm Strich kann so ein Ticket schnell mal 400 000 US-Dollar kosten.

Dass der Panamakanal ein Touristenmagnet ist, wird besonders auf den gut besuchten Aussichtsplattformen an den Schleusen deutlich. In Miraflores del Canal, unweit der Hauptstadt, lässt sich aus nächster Nähe beobachten, wie Ozeanriesen in Millimeterarbeit durch ein Nadelöhr bugsiert werden, um einen Höhenunterschied zwischen 13 und 20 Meter zu überwinden.

Kaum weniger spannend ist es, im Boot selber auf dem Kanal zu fahren, oft bei erheblichem Wellengang – dank der vorbeiziehenden Schiffe. Trotz regen Verkehrs hat die Natur von dem künstlichen Fluss und seinen Ufern Besitz ergriffen.

Nach einer Tour durch Panama-Citys malerische Altstadt Casco Viejo mit ihren alten Kolonialbauten, Kirchen und dem Präsidentenpalast, in dem weiße Reiher wohnen, fliegen wir nach David. Mit meist über 30 Grad gilt diese Stadt im Westen als heißeste in Panama. Auf dem Vulkan Barú, der sich 60 Kilometer weiter 3475 Meter in den Himmel erhebt, ist es deutlich kälter.

Der Weg zum höchsten Punkt des Landes führt durch den Wolkenwald. Und er ist verdammt steinig. Unglaublich, wie es Versorgungsfahrzeuge schaffen, den steilen Pfad, der stellenweise kaum als solcher zu erkennen ist, zu bewältigen. Wegen mehrerer technischer Pannen, die auf dieser Strecke offenbar normal sind, sind wir als Fußgänger fast schneller.

Früh um fünf geht es los – zunächst per Jeep nach Bajo Boquete. Der für seinen Kaffee und seine Blumen berühmte Touristenort ist dank milden Klimas und malerischer Lage ein beliebtes Domizil für Aussteiger aus aller Welt.

Gipfelblick auf zwei Meere

Einige der 400 hier beheimateten Vogelarten bekommen wir zu hören und zu sehen, darunter mehrere Kolibris sowie einen Quetzal, der mit seinen grellgrün-roten Federn an einen Papagei erinnert. Von Stachelschweinen, Wassermäusen, den waschbärähnlichen bunten Hasen oder einer der fünf Katzenarten keine Spur.

Doch da – ein seltsames Schreien. Ein Puma? Könnte sein. „Die melden sich nur, wenn sie Lust auf Liebe haben“, erklärt Gilberto, unser Guide. Und er weiß auch: „Menschen gehen die scheuen Katzen in der Regel aus dem Weg.

Nach einer endlosen Regennacht im lecken Zelt im Basislager geht es vor Sonnenaufgang hinauf zum Gipfel des Barú. Ganz oben sind Nässe, Kälte und Muskelkater schnell vergessen, denn das große Naturtheater beginnt: Bevor sich neue Wolken darauf legen, erscheint am östlichen Horizont für wenige Minuten der Atlantik – genauer die Karibik. Zugleich kann man im Westen den Pazifik sehen. Ein Gipfelblick auf zwei Ozeane! Gefühle von Freiheit und Unendlichkeit. Etwa so muss es wohl im Himmel sein.

Von Carsten Heinke

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