Abgeschlagene Hände und historischen Schätze – in Prenzlau in der Uckermark gibt es viel zu entdecken

Wo die Kartoffeln Nudeln heißen

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St. Marien: In dem bedeutenden norddeutschen Backsteinbau wurde im Jahr 1632 der gefallene Schwedenkönig Gustav Adolf aufgebahrt. 

Abgeschlagene Hände und historischen Schätze – in Prenzlau in der Uckermark gibt es viel zu entdecken

Ob Du reisen sollst, reisen in die Mark? ...Wag es getrost, und Du wirst es nicht bereuen.“ Was schon Theodor Fontane vor mehr als einhundert Jahren in seinen „Wanderungen“ empfahl, hat bis heute nichts von seinem Reiz verloren. Die Uckermark ein idyllischer Landstrich entlang der unteren Oder. Urwüchsige Wälder, Moore, Seen und Flüsse prägen ihren unverwechselbaren Charakter. Die Uckermärker selbst „schätzen starke Getränke und feste Speisen, sollen bei mühsamen und anhaltenden Arbeiten geschickt sein und ansonsten keinen Hang zur Weichlichkeit und üppigen Verschwendung haben“. Das stellte Simon Herz fest, der um 1790 Arzt im märkischen Prenzlau war.

Die Stadt gilt als der Mittelpunkt der Uckermark. Wohin man schaut: Gemütlich geht es zu. In diesem Jahr sogar in blumiger Farbenpracht. Die Landesgartenschau lässt in Parks und am Seeufer, mehr als 600 000 Blumen blühen und eine dreißig Meter hohe Fontäne mitten im Uckersee sprudeln.

Manchmal sprechen die Leute hier sogar platt. Auf dem Markt vor St. Marien verkaufen die Bauern aus dem Umland dienstags und freitags neben allerlei Schmackhaftem vor allem sackweise ihre „Nudeln“. So heißen hier die Kartoffeln. Und gleich noch eine Kostprobe aus dem Wortschatz der Prenzlauer: Wer Ehm Welks „Heiden von Kummerow“ gelesen hat, weiß um die Bedeutung des Begriffs „Kalit“. Der typisch uckermärkische Picknickkorb kann heute als Souvenir in der Stadtinformation am Marktberg erworben werden.

Bismarck liebte den Prenzlauer Baumkuchen

Im ehemaligen Dominikanderkloster ist heute das Kulturhistorische Museum untergebracht. Einst stritten hier die Pommern mit den Brandenburgern um die Uckermark. Heute plaudert man hier gern über Persönlichkeiten, die Prenzlau über die Grenzen der Region hinaus bekannt machten.

Kanzler Otto Fürst von Bismarck soll es der hiesige Baumkuchen angetan haben, Ehm Welk erlebte seine Kindheit im Areal von St. Marien und Goethes Zeichenlehrer, Jacob Philipp Hackert, stammte aus Prenzlau. In einem der Klostergemächer kann man seine klassizistischen Landschaftsgemälde bewundern. Prunkstücke der musealen Sammlung sind vor allem die vorreformatorischen Gewänder. „Aber unser berühmtestes Ausstellungsstück ist ein Knochenhäufchen im Glaskasten“ erklärt Dr. Katrin Frey. „Es sind die abgeschlagenen Schwurhände der Prenzlauer Bürgermeister Klaus Beltz und Zabel Grieben. Beide hatten die Brandenburgische Stadt im Jahr 1425 an die Pommern verraten. Als die Brandenburger ein Jahr später den Ort zurück eroberten, hackten sie den Kollaborateuren zur Strafe vor der Enthauptung die rechten Hände ab“, erfährt man bei einem Rundgang von der Museumsführerin.

Von ihr stammt auch der Tipp, die herrliche Gegend mal vom Wasser aus zu erkunden. Die beste Gelegenheit dazu bietet sich bei einer großen Rundfahrt auf dem Fahrgastschiff „Onkel Albert“.

Informationen:

Auskunft: Stadtinformation, Marktberg 11, 17291 Prenzlau, T 0 39 84 / 83 39 52, www.prenzlau.eu
Kulturhistorisches Museum,  www.dominikanerkloster-prenzlau.de
Fahrgastschiff „Onkel Albert“, www.uckerseeschiff.de
Landesgartenschau noch bis 6. Oktober 2013, www.laga-prenzlau2013.de

Von Hans-Joachim Schlichtholz

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