In der Kasseler Innenstadt landen und starten nur noch wenige Fernreisende

Bahnhof Kassel: Kein echter Hauptbahnhof

Der Neubau: Hier fahren die Regio-Trams ein. Unter dem Bahnhofsvorplatz hindurch geht es dann Richtung Innenstadt. Fotos: Camrath

Kassel. Entgegen seiner Bezeichnung ist der Kasseler Bahnhof schon lange kein Hauptbahnhof mehr. Wer eintritt, den erwartet vor allem eins: große Leere.

Während rechts das Bali-Kino und der Offene Kanal Kassel der Umwandlung in einen Kulturbahnhof Rechnung tragen, kann man auf der linken Seite eine Stecknadel fallen hören. Dorthin verirrt sich nur, wer am City-Counter sein Gepäck einchecken will oder auf der Suche nach einem Geld-, Foto- oder Zigarettenautomat ist. Ein nicht funktionstüchtiges Telefon fügt sich harmonisch in die verstaubte Atmosphäre. Selbst das Bahnhofsrestaurant, das Gleis 1, macht lieber Betriebsferien und hat dicke Vorhänge vor die Fenster gezogen.

Müllsäcke: Wie hier im Bahnhofsgebäude werden täglich auch an den Gleisen die Mülleimer geleert.

Wer weitergeht, den erwartet ein etwas freundlicheres Bild. Ein Café, ein Bahn-Fahrkartenverkauf mit ausreichend langen Öffnungszeiten, selbst ein Frisör mit Handtaschen- und Parfümverkauf finden sich im Kasseler Hauptbahnhof. Eine Toilette (50 Cent), Schließfächer (2 bis 3 Euro Gebühr pro Tag), aber auch Sitzmöglichkeiten und Fahrradständer direkt am Gleis sind Service am Kunden. Der kann an vier Automaten seine Fahrkarten mit Bargeld oder Karte bezahlen und sich an ausreichend ausgehängten Fahrplänen über seine Abfahrtzeiten informieren.

Marode Bauten

Mülleimer an den Gleisen und saubere Gehwege täuschen ein wenig über die teilweise maroden Bahnhofsbauten hinweg. An den hölzernen Überdachungen der Bahnsteige blättert die Farbe ab, Uhren gehen nach und Unkraut wächst an den Gleisen.

Wer das Bahnhofsgebäude durch den Haupteingang verlässt, der sieht grün. Eine weite, gefärbte Fläche, der Bahnhofsvorplatz, breitet sich vor einem aus. Etwas verloren mag man sich fühlen, ist von einer Innenstadt mit Einkaufsmöglichkeiten kaum etwas zu sehen. Stattdessen begrüßen ein Kasino, das Haus der Wirtschaft und ein öder, grauer Häuserkomplex die Reisenden. Im Schatten vor dem Bahnhofseingang tummeln sich Billigbier-Trinker um einen Briefkasten.

Wessen Reise noch nicht zu Ende ist, der kann auf die Taxen zurückgreifen, die am Bahnhofsvorplatz, der seit kurzem Rainer-Dierichs-Platz heißt, warten. Ein paar Schritte weiter fahren Busse diverser Linien viele Orte in Kassel an. Ein Innenstadtplan und Hinweise auf in der Nähe liegende Sehenswürdigkeiten und Parkplätze sind ebenfalls vorhanden.

Bahn und Regio-Tram

Fernverkehr findet am Kasseler Hauptbahnhof kaum noch statt. Um 4.01 Uhr verlässt die erste Bahn den Hauptbahnhof in Richtung Frankfurt (Main). Die erste Gelegenheit, nach Göttingen zu kommen, ist ein Cantus um 4.16 Uhr. Weitere Ziele der am Hauptbahnhof abfahrenden Züge sind Fulda, Treysa, Erfurt, Bad Hersfeld, Neheim-Hüsten, Bad Wildungen, Bebra, Weimar (Kreis Kassel), Halle (Saale) und Kassel-Wilhelmshöhe.

Die letzte Bahn verlässt werktags um 23.45 Uhr den Bahnhof in Richtung Weimar (Kreis Kassel). Außerdem fahren vom Hauptbahnhof viele Regio-Trams ab.

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Von Jörgen Camrath

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