Graubünden in der Schweiz: Im oberen Rheintal sind aktive Familien goldrichtig

Klare Quellen, Gold und Kristalle

Nur noch über den letzten Bergkamm klettern, dann liegt er uns zu Füßen: Wie ein großer Spiegel blinkt der Tomasee in der Mittagssonne. Rundum wachsen felsige Berghänge in den Himmel. Hier, mittendrin in den Schweizer Alpen, entspringt er, der Rhein. Der Strom, auf dem hunderte Kilometer weiter große Kähne schippern, ist hier noch ein Bach. An der Quelle ist sein Wasser so sauber, dass die durstigen Wanderer es mit der Hand schöpfen und trinken.

„Wer traut sich zu baden?“, fragt Bergführerin Marta, die uns auf dem Weg hierher vom Oberalppass mit dem skurrilen roten Mini-Leuchtturm – dem kleinen Bruder des Turms, der an der Mündung des Rheins in Hoek van Holland steht – die Augen geöffnet hat für scheue Murmeltiere, Hänge voller Alpenrosen, dunkelgelben Enzian und zarte Vergissmeinnicht. Das lassen sich die Kinder nicht zweimal sagen. Blitzschnell sind die kleinen Wanderschuhe ausgezogen und Anna und Lasse stehen bis zu den Knien im Quellwasser. Aber genauso schnell sind sie wieder draußen – der See ist aber auch wirklich eiskalt.

Goldflitter und Bergblütenkäse

Am nächsten Tag später stehen die Kinder schon wieder im Rhein. Diesmal umspült er unterhalb von Disentis ihre Gummistiefel, während vom Ufer aus Gold-Gusti den Greenhorns erklärt, wie das Goldwaschen funktioniert. Bald schwenken alle ihre grünen Plastikteller eifrig rhythmisch im Kreis, bis schließlich zwar keine dicken Nuggets, aber immerhin ein, zwei winzige Goldflitter zwischen den Sandkörnern blinken. Die müssen dann nur noch vorsichtig in das kleine Mini-Plastikgefäß umgefüllt werden, das jeder zu Beginn erhalten hat – fertig!

Lasse ist begeistert. Später gehen wir auf dem Rückweg noch Käse kosten in der neuen Sennaria Surselva. Seit gut zwei Jahren entsteht in dem kargen Betonbau aus der Milch des lokalen Braunviehs sagenhafter Käse in Bio-Qualität. Der Bergblütenkäse ist unschlagbar würzig und der Bündner Käse wird inzwischen sogar bis nach Kanada exportiert.

Mit Hammer und Meißel Bergkristalle suchen

Der Höhepunkt des Schweizer Familienurlaubs ist für die Kids dann aber die Kristallsuche, „Strahlen“ genannt: Hoch in den Alpengipfeln, zwischen Schneefeldern und umgeben von kargem Fels ohne Baum und Strauch, füllt ein stetiges Pling-Pling die klare Luft. Mit Hammer und Meißel klopfen Eltern und Kinder unermüdlich auf dem Fels herum, während Bergführer Otti Flepp wie eine Gemse von einer Gruppe zur nächsten klettert und allen Hobby-Strahlern hilft.

„Ich hab einen!“, ruft Anna und hält einen braunen Erdklumpen hoch. Mitten in der erdigen Kugel lässt sich tatsächlich ein Kristall mit seinen typisch glatten Flächen ausmachen. Anna klopft ihn heraus und wischt den Fund an ihrem Pullover sauber. Dann verschwindet er schnell in der Hosentasche.

Als die Kristallsucher später mit der Kabinenbahn den Berg hinab schweben, klimpern in jeder Hose ein paar Bergkristalle. Ihre Schätze zeigt die Sechsjährige am Abend stolz den anderen Kindern auf dem Spielplatz im Feriendorf.

Von Anke Benstem

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