Klassische Konzerte in der Scheune

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Gutsherrin: Obwohl Alla von Maltzahn den Stammsitz der Familie erst in den 90er-Jahren kennenlernte, fühlt sie sich ganz verwachsen mit diesem schönen Fleckchen Erde. Foto: Howest

Nach der Wende erwarben die Maltzahns den alten Adelssitz der Familie in Mecklenburg-Vorpommern zurück und bauten ihn in zwei Etappen wieder auf. Entstanden ist ein Schlosshotel in malerischer Landschaft. Hier schlägt zugleich das musikalische Herz der Festspiele Mecklenburg Vorpommerns.

Selbst Yehudi Menuhin schwärmte in hohen Tönen“, sagt Alla von Malzahn, die Gutsherrin. „Von der tollen Akustik in der ehemaligen Feldsteinscheune, dem heutigen Konzertsaal.“ Er habe sein erstes Konzert im Jahr 1995 dirigiert und dann jedes Jahr bis zu seinem Tod 1999, erinnert sich Alla von Maltzahn. Dass ein solch berühmter Mann in ein kleines Dorf im Norden kam, sei ein wichtiger Antrieb gewesen. Und er kam nicht nur der Musik wegen. Er liebte die mecklenburgische Landschaft mit ihren Seen und Schlössern – und ihrer Abgeschiedenheit. Von den ersten Proben bis heute hat sich viel getan im knapp über dreißig Einwohner zählenden Ulrichshusen. Entstanden ist ein begehrter Festspielort, den jährlich 50 000 Besucher aus nah und fern ansteuern.

Ganz die Gutsherrin, empfängt Alla von Maltzahn ihre Besucher auf der Terrasse des Restaurants „Am Burggraben“, dem ehemaligen Pferdestall mit seinen Boxen. Von hier blickt man auf das Schloss am angrenzenden Ulrichshusener See und spürt die Jahrhunderte. „Mit uns hat die Geschichte einen Riesensprung gemacht“, erzählt Alla von Maltzahn voller Stolz über den Start der acht Jahre währenden Restaurierungsarbeiten im Jahr 1993. Damit hat die Adelsfamilie an eine lange Geschichte angeknüpft. Die Familienbücher belegen: Das Anwesen lässt sich bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen. Seither habe es sich gegen alle politischen und wirtschaftlichen Strömungen behauptet.

Angefangen hat alles mit Ulrich von Maltzahn, er baute das Wasserschloss im Jahr 1562 – „das Hus von Ulrich“, liefert die Besitzerin mit einem freundlichen Lächeln die plausible Namensgebung. Als Vater von zwölf Kindern suchte er einen neuen Familiensitz. Und als Anhänger von Burgen, schwebte ihm die Idee eines wehrhaften Hauses auf einem natürlichen Hügel vor. Den hatte er hier gefunden. Ähnlich mag die Geschichte der rund 2000 weiteren Schlösser, Guts- oder Herrenhäuser verlaufen sein, die die Landschaft im Nordosten der Republik prägen. Eine Dichte, die ihresgleichen in Europa sucht.

Von der Ruine zum Schmuckstück

Zeugen der schicksalhaften Geschichte wurden die von Maltzahns, als sie zur Wendezeit von ihrem damaligen Wohnort Frankfurt am Main in die Mecklenburgische Schweiz reisten, um auf den Spuren ihrer Vorfahren zu wandeln. „Als wir kamen“, berichtet die Hausherrin, „war das Schloss bis auf die Grundmauern niedergebrannt.“ Geschehen im Februar 1987, Ursache ungeklärt. Trotz der Ruine überwog der Tatendrang – 1993 erwarben sie das Anwesen inklusive der Wirtschaftsgebäude von der Gemeinde.

Heute bietet der restaurierte Festsaal gut 200 Gästen für feierliche Anlässe Platz. Im dritten Hauptgeschoss sowie den zwei Dachetagen logieren die Hotelgäste. Blickfang des Renaissance-Schlosses ist die Glaskuppel im Turmhaus – hier frühstücken die Besucher. Und blicken von dort auf die Konzertscheune, wo sie am Abend zuvor noch den Klängen der Violinistin Julia Fischer oder den Berliner Philharmonikern gelauscht haben. Bis zu 24 klassische Konzerte mit namhaften Orchestern und Solisten locken im Sommer und zur Adventszeit in das ehemalige Wirtschaftsgebäude. Die Entwicklung der Festspiele bezeichnet Alla von Maltzahn, die früher Gymnasiallehrerin war, als Beginn einer „glücklichen Ehe“ und als „Glücksfall“ für Ulrichshusen. Stolz flaniert die Gutsherrin über ihr kulturelles Kleinod auf neuem Fundament und fühlt sich ganz verwachsen mit diesem Fleckchen Erde.

Das ganze Jahr über Konzerte

Adresse: Schloss Ulrichshusen, Seestraße 14, 17194 Ulrichshusen, Tel.:03 99 53 / 79 00, www.ulrichshusen.de, Doppelzimmer inkl. Frühstück: € 80,– bis 130,–
Anfahrt: Ulrichshusen liegt nahe der B108 zwischen Teterow und Waren/Müritz.

Allgemeine Informationen: Tourismusverband Mecklenburg Vorpommern e.V., Platz der Freundschaft 1, 18059 Rostock, Tel.: 03 81 40 / 30-550, www.auf-nach-mv.de

Festspiele: Das Festspielprogramm ist über das ganze Jahr und über ganz Mecklenburg-Vorpommern verteilt. Infos und Karten gibt es unter www.festspiele-mv.de, kartenservice@festspiele-mv.de, Tel.:03 85 / 5 91 85 85
Auf Schloss Ulrichshusen finden verschiedene Veranstaltungen statt. Darunter „20 Jahre Festspiele MV – Die Preisträger gratulieren!“ am 24. Juli. Beim Wandelkonzert durch drei Spielstätten – die Festspielscheune, das Schloss und ein Konzertzelt – sind neben Daniel Hope auch Gábor Boldoczki, Viviane Hagner, Veronika Eberle, Nikolay Borchev, das Fauré Quartett, Peter Sadlo und das Kungsbacka Piano Trio mit von der Partie.

Von Markus Howest

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