In Santa Catarina entdeckt man das besondere Brasilien

Klein, aber oho

Frischer geht es nicht: Die Austernfischer in Santo Antônio de Lisboa verkaufen das Duzent für umgerechnet etwa zwei Euro. Ein wirklich preiswerter Hochgenuss.

Mit seinem Wanderstab zeigt der Geologe Adnir Ramos auf eine Tafel an der Conceição Lagune. Auf ihr sind geheimnisvolle Steine verzeichnet, „Findlinge“ auf der Ilha de Santa Catarina, einer Insel vor dem gleichnamigen brasilianischem Bundesstaat. Diese will er den Besuchern zeigen. So stapft er bergan durch den Regenwald. Nach einer Stunde ist der Gipfel erreicht, weit unten schimmert der Atlantik. Eine exponierte Stelle. Hier stellten Menschen vor 5000 Jahren Felsbrocken auf, die vermutlich als Observatorium und auch als Kultstätte dienten. Doch woher die mystischen Steine stammen, ist noch immer ein Rätsel. Auf einen klettert Ramos und breitet die Arme aus, um sich mit Energie aufzuladen. Auch die Wanderer spüren etwas von der magischen Kraft des Ortes.

Energie können alle brauchen, aber nicht, weil Santa Catarina so groß oder schwierig zu bereisen wäre. Nur 95,4 Quadratkilometer misst dieser Bundesstaat, das sind 1,12 Prozent der Fläche Brasiliens. Wegen der reichen Natur und des guten Klimas ist er jedoch „klein, aber oho“. Und fast ohne Kriminalität. Daher können Besucher auch angstfrei durchs Zentrum durch die Hauptstadt Florianópolis streifen.

Dort verbirgt sich die Kathedrale – eine der ältesten Südamerikas – zwischen Wolkenkratzern, und auch die Markthalle ist eine Erkundung wert. Morgens kaufen dort viele ein, nachmittags strömen alle ans Meer. Allein diese Insel besitzt fast 100 Strände, darunter den von Campeche, ein Revier für Kitesurfer.

Überdies ist das Wasser zwischen der Insel und dem Festland so klar, dass in Santo Antônio de Lisboa 90 Prozent der brasilianischen Austern gezüchtet werden. „Nur in natürlichem Wasser und ohne Medikamente,“ betont ein Fischer. Sechs Real, etwa zwei Euro, kostet das Duzent. Ein preiswerter Hochgenuss.

Genüsse anderer Art gibt’s für Abenteurer: Surfen auf Wellen oder Sanddünen, Tauchen, Kajaktouren und Rafting. Wanderer und Reiter werden in den Bergen, der Serra Catarinense, glücklich. Der Larangeiras-Canyon erlaubt aber nicht immer einen Blick in die Tiefe. Die Wanderung auf dem morastigen Puma-pfad, vorbei an einem Wasserfall, erfolgt in Gummistiefeln. Rennen muss damit niemand, kein Puma schleicht sich an.

An der Atlantikküste gehört die Praya do Rosa nahe Imbituba zu den schönsten Stränden. Auch dort wird fleißig gesurft, geflirtet und flaniert. Mit Enrique Alfredo Litman, Chef des „Vida, Sol e Mar Eco Resort“, schleichen sich nun die Gäste an: nämlich an die Glattwale, die hier ihre Jungen gebären.

Die Boote starten in Garopaba. „Ali, ali!“ (da, dort) jubeln die Kinder, wenn ein schwarzer Rücken oder eine Schwanzflosse aus dem Wasser auftaucht. Bei 100 Metern Entfernung muss der Skipper den Motor abstellen, um die Tiere nicht zu stören. Die aber sehen das nicht so eng. Plötzlich schwimmt solch ein Koloss auf ein Boot zu. Als er darunter durchtaucht, schwankt es heftig. Doch alles wird gut, in Santa Catarina sind selbst die Wale friedlich.

Von Ursula Wiegand

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