Joachim Clausen bietet in Boltenhagen an der Ostsee besondere Ausflugsfahrten an

Knattern an der Küste

Joachim Clausen steht neben der Anlasskurbel seines 93 Jahre alten Ford-TT- Schulbusses. „Ein solches Gefährt gibt es an der Ostseeküste kein zweites Mal“, schwärmt er – bevor er den 20-PS-Motor des holzvertäfelten Oldtimers mit einem gekonnten Ruck an der Kurbel zum Knattern bringt.

„Das ist reine Übungssache“, sagt Joachim Clausen. Denn der Boltenhagener benutzt den altertümlichen Kleinbus „Baujahr 1919“ schon seit 2005 für Ausflugsfahrten an der mecklenburgischen Ostseeküste, um Urlaubern die schönsten Winkel zu zeigen – und ihnen nebenbei das Locomobile zu erklären. „Schauen Sie mal hier auf diesen kleinen Hebel am Lenkrad: Damit gebe ich Gas“, verrät er bei einer Boltenhagen-Tour.

28 Stundenkilometer

Ganz gemütlich knattert Joachim Clausen mit seinem Locomobile durch das zweitälteste Ostseebad Mecklenburgs: Erst geht es die 20 Meter hohe Steilküste von Redewisch hinauf. Dann kommen die Strandkörbe und Volleyballnetze der kilometerlangen Badebucht in Sicht. Und keine fünf Minuten später rattert das Locomobile bereits an den Jugendstilhäusern der Boltenhagener Mittelpromenade entlang. Märchenhaft schön reihen sie sich mit ihren gewölbten Ziegeldächern, Sprossenfenstern und herausgeputzten Fassaden vor dem Kurpark auf. „Mit maximal 28 Stundenkilometern sind wir natürlich nicht die Schnellsten“, sagt Joachim Clausen. „Aber dafür sind wir bei jedem Stau immer ganz weit vorne“, scherzt er kurz vor der Weißen Wiek.

Den großen Yachthafen am östlichen Rand von Boltenhagen gibt es erst seit April 2008. Er ist eine weitere Augenweide des Ortes – flankiert von schneeweißen Hotelgebäuden, breiten Uferpromenaden und mehreren Café-Terrassen. Zwölf Ostseefischer sorgen dort neben vielen Segelyachten für maritime Atmosphäre.

„Sie legen jeden Morgen mit ihren Kuttern an der Mole an, um den frischen Fang vom Boot aus zu verkaufen“, erzählt Joachim Clausen bei einem Fotostopp.

20 Liter Sprit verbraucht der pochende Vier-Zylinder-Motor seines Locomobiles auf hundert Kilometern. „Und die Auspuffhupe funktioniert nur, wenn ich Vollgas gebe“, erklärt der Oldtimer-Fan auf dem Weg zur Boltenhagener Seebrücke. Mit 290 Metern gehört sie zu den längsten Seebrücken an der deutschen Ostseeküste. „Und sie ist eine der beliebtesten“, ergänzt Jo-achim Clausen.

15 000 Tagesgäste kommen an manchen Wochenenden nach Boltenhagen – nicht nur um sich am viereinhalb Kilometer langen Badestrand zu entspannen. Für Unterhaltung sorgen Kurpark-Konzerte, Seebrückenfeste und Strand-Derbys. Beliebt sind auch kurze Schiffsausflüge nach Wismar, Travemünde und zur Insel Poel.

„In Boltenhagen gibt es viele stille Winkel, um sich zu erholen“, sagt Joachim Clausen. „Aber wenn ich mit dem Locomobile vorbeikomme, kann es kurzfristig etwas lauter werden.“

Von Martin Seger

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