Goslar vor dem Tag der Niedersachsen: Harzer Spezialitäten und die schöne Altstadt in Ruhe genießen

Knieste, Käse und viele Kaiser

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Der Markt in Goslar: Den Brunnen ziert ein goldener Reichsadler. 

Eine Stadt wie aus dem Bilderbuch. Oder auch wie aus einem Lehrbuch über die Anfänge des Deutschen Reichs: sagenhaft, spannend und amüsant. Deswegen wird in dieser Geschichte auch von legendären Kaisern und berühmten Künstlern die Rede sein. Eine freche Magd wird vorkommen und Bergleute, die noch immer hoch über dem Marktplatz ihre Runden drehen.

Fotogalerie: Goslar im Harz

Goslars Größe hat um das Jahr 1005, als im nahen Rammelsberg Silber und Erz gefunden wurden, mit Heinrich II. begonnen. Er ließ hier eine Pfalz bauen. Nacheinander waren es drei Kaiser, die alle Heinrich hießen, und von Goslar aus für knapp zwei Jahrhunderte den Ruhm und die Macht des Reiches mehrten.

Fast tausend Jahre später begann mit einem Heinrich aus England, dem großen Bildhauer Henry Moore, der Aufstieg der kleinen Provinzstadt zu einer Kunstenklave von überregionaler Bedeutung. Engagierte Bürger stifteten den Kaiserring, eine Auszeichnung, die erstmals 1975 verliehen wurde.

Aus einer Klappe im Giebel des ehemaligen Kämmereigebäudes am Markt, schieferverkleidet wie so viele Gebäude in Goslar, laufen viermal am Tag Bergleute im Kreis herum. Zu den Klängen des Steigerlieds erinnern sie an die Quelle des Aufstiegs dieser Stadt, die Schätze, die sie über tausend Jahre lang aus dem Rammelsberg geholt haben. Erst 1988 war Schicht im Schacht, die Grube wurde zum Museum und kam auf die Weltkulturerbe-Liste.

Dreimal Weltkulturerbe

Darauf ist Goslar mitsamt Umgebung gleich dreimal vertreten: Neben Rammelsberg und Altstadt darf sich seit zwei Jahren auch die Oberharzer Wasserwirtschaft mit dem Titel schmücken. Im Vorort Hahnenklee sind Teiche (Wasserregale) zu sehen, die den Bergbau und Goslars Wohlstand erst möglich gemacht haben.

Auf dem Markt, Goslars guter Stube, lassen sich die Besucher gern Fakten und noch lieber Geschichten erzählen. Allein für den holzgeschnitzten Dukatenscheißer am Kaiserworth-Haus haben sie ein Dutzend Versionen parat.

Auch die Story von der Butterhanne wird gern ausgeschmückt: Die derbe Figur einer Magd, die an der Fassade des „Brusttuchs“, eines alten Patrizierhauses, ihr Hinterteil zeigt. Ein Gast im gleichnamigen Hotel hat die Szene schon vor über hundert Jahren auf den Punkt gebracht: „Mit der linken Hand da buttert sie, die rechte am Gesäße, so macht man hierzuland‘ den guten Harzer Käse.“

Der schmeckt auch heute noch, ist aber hygienisch wie biologisch ganz einwandfrei. Und seit ein paar Jahren wird sogar das traditionsreiche Gose-Bier, benannt nach dem Fluss, der einst der Stadt den Namen gab, im Herzen dieser Stadt gebraut. Mit dem obergärigen Getränk, versetzt mit Salz und Koriander, lassen sich im Brauhaus und in anderen Lokalen die deftigen Spezialitäten der Region gut runterspülen: den Harzer Stinker, die Knieste – eine halbierte Ofenkartoffel – und Hackus, das würzige Schinkenmett.

Auf dem Markt und vor der Kaiserpfalz wird es demnächst eng: zum Tag der Niedersachsen werden vom 30. August bis 1. September 150 000 Gäste erwartet. Goslar wird sichauch dann von der besten Seite zeigen.

Hintergrund Tag der Niedersachsen

Zum ersten Mal werden mit den Städten Goslar, Vienenburg und dem Kloster Wöltingerode der Klosterkammer Hannover gleich drei Partner Gastgeber dieser traditionsreichen Veranstaltung sein. Hintergrund ist die Fusion von Goslar und Vienenburg zur Stadt Goslar, die ab 1. Januar 2014 wirksam wird. Das Niedersachsen-Fest wird an den drei Weltkulturerbe-Orten Altstadt, Rammelsberg und Oberharzer Wasserwirtschaft, aber auch in Wöltingerode mit seiner historischen Klosterbrennerei gefeiert. Farbenfroher und lautstarker Höhepunkt ist am Sonntag, 1. September, ein Trachtenumzug durch Goslar. Start zu diesem Spektakel mit über 3000 Teilnehmern wird um 15.30 Uhr auf dem großen Platz in der Nähe des Rosentors sein.

www.tdn-2013.de

Reisetipps: Welterbe-Trio und Kleinkunst

• Gut essen: Die deftigen Harzer Spezialitäten gibt es im rustikalen „Brauhaus“ oder, etwas gemütlicher, in der „Worthmühle“. Eine ambitionierte Küche bietet das „Trüffel“ und „Achtermann“.

• Sehenswert: Neben dem Welterbe-Trio (Kaiserpfalz, Altstadt, Wasserwirtschaft) das Rathaus aus dem 15. Jahrhundert, der Schuhhof (schönste Fachwerkhäuser-Reihe); Mönchehaus-Museum (moderne Kunst), Zinnfiguren-Museum in der 500 Jahre alten Lohmühle.

• Kleinkunst vom Feinsten: Live-Musik, Kabarett, Comedy und Theater im Kulturkraftwerk. www.kulturkraftwerk.de

• Auskunft: Goslar Marketing GmbH, Markt 7, T 0 53 21 / 7 80 60, www.goslar.de

von Bernd Schiller

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