Tipp für Familien: Mit der MS Adler V durch den Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer

Knurrhähne und Steinpicker

Allerlei Meeresgetier: Gespannt drängen sich die Kinder um den Fang, der mit einem Netz an Bord gezogen wurde.

Die Sonne meint es besonders gut an diesem Vormittag. Der Wind auch. Es weht nur eine schwache Brise. Seekrankheit? Ausgeschlossen!

Punkt elf Uhr heißt es Leinen los im kleinen Hafen von Strucklahnungshörn auf der Halbinsel Nordstrand nördlich von Husum. „Ahoi“, ruft Dennis. Ausgerüstet mit Papas Fernglas und riesiger Sonnenbrille kniet der Sechsjährige auf einer Bank auf dem Oberdeck und beobachtet den Horizont. Die 1979 gebaute „Adler V“ nimmt Kurs auf die Seehundbänke. Klaus und Rolf, die beiden Ranger vom Nationalpark-Service, greifen zum Mikrofon und informieren ihre Gäste über alles, was es an Steuerbord und an Backbord zu sehen gibt.

Nach einer halben Stunde nähert sich die MS Adler V den Seehundbänken. Langsam fahrende Schiffe im ausreichenden Abstand bedeuten für die Seehunde keine Störung. Erfreulicherweise räkeln sich an diesem Tag an die 400 Tiere auf der Sandbank. Auch ohne Fernglas lassen sie sich sehr gut erkennen. Platsch – wieder ist eines in die kühlen Nordseewellen abgetaucht. „Die maximale Tauchtiefe beträgt 90 Meter. Die längste Tauchdauer 30 Minuten“, dröhnt Rolfs Stimme über das Deck: „Insgesamt gibt es sechstausend Seehunde im Schleswig-Holsteinischen Wattenmeer.“

Halligen haben keine Deiche

Am Horizont erscheinen die vier Warften der Hallig Nordstrandischmoor. „Im Gegensatz zu Inseln sind Halligen nicht von Deichen umgeben, die sie vor Überflutungen schützen“, schallt es aus den Lautsprechern: „Halligen haben 30 bis 60 mal im Jahr Land unter“. Dann ragen nur noch die aufgeworfenen Erdhügel, die Warften, mit den Häusern der Bewohner aus dem Meer heraus.

Flundern sind richtig platt

Dann kommt der Höhepunkt für Dennis und die anderen kleinen Gäste an Bord: Der Seetierfang. Vom Unterdeck wirft ein Reedereimitarbeiter ein grünes Netz ins Wasser. Bei langsamer Fahrt schleppt das Schiff das Netz einige Zeit mit. Dann wird es eingezogen und an Bord gehievt.

Erwartungsfroh drängen sich die kleinen Passagiere um einen Tisch, in dessen Mitte sich ein Salzwasser-Bassin befindet. Die beiden Ranger schütten den Fang hinein. Klaus zieht ein Tier nach dem anderen aus dem Becken und hält es hoch, so dass auch vom Oberdeck bestaunt werden kann, wer in den Tiefen der Nordsee zu Hause ist „Die sind aber platt“, bemerkt Dennis. „Es handelt sich auch um Flundern und Plattfische“, erklärt der Ranger. „Ziemlich glitschig“, meint die siebenjährige Rebecca und rümpft die Nase als eine Hand voll Seegras und Algen vor ihren Augen auftaucht. Steinpicker, Garnelen, Krabben, Seesterne, Knurrhähne, Querläufer, Einsiedlerkrebse und Seeskorpione sind weitere Meeresbewohner, die sich im Becken tummeln. Zu jedem Lebewesen gibt es eine kurze Erläuterung. Danach werden alle wieder ins Meer entlassen.

Die See glitzert in der Nachmittagssonne. Wie Blattgold schimmern die Sonnenstrahlen auf der blauen Oberfläche. Die MS Adler V steuert ihrem Heimathafen entgegen. Niemand ist seekrank, aber alle sind beim Anblick von so viel Meeresgetier richtig hungrig geworden. Brötchen, dick belegt mit frischen Nordseekrabben, sind der Renner im Hafen von Strucklahnungshörn.

Von Dagmar Krappe

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