Handgeschmiedete Schellen von Philipp Trenkle aus Pfronten im Allgäu liefern den Sound dazu

Konzert auf der Kuhweide

Kühe können musikalisch sein. Wenn sie die richtigen Instrumente am Hals hängen haben. Für die sorgt Philipp Trenkle in Pfronten, der ein seltenes Handwerk pflegt: Er schmiedet Kuhschellen nach uralter Tradition.

Philipp Trenkle ist eine Institution in Pfronten. Als langjähriger zweiter Bürgermeister kennt ihn in dem kleinen Ort im Allgäu jeder. Und als Kunstschmied und Spezialist für Brauchtum und Handwerk ist er weit über Pfronten hinaus bekannt. Was ihn so populär gemacht hat, das sind seine Kuhschellen, die er von Hand fertigt und die im Allgäu auf vielen Almen und Kuhweiden im Einsatz sind. „Das Schellenmachen ist eine reine Spinnerei, kein Geschäft sondern eine Herzensangelegenheit“, sagt er selbst. Übernommen hat Trenkle diese „Herzensangelegenheit“ von seinem Vater.

Die handwerkliche Tradition ist den Pfrontenern heilig, versichert Philipp Trenkle. „Der Pfrontener an sich ist ja nicht kommod sondern toll eigenwillig“. Dazu passt auch die Idee von Trenkle senior, die Schellen aus Sägeblättern zu schmieden. Warum gerade Sägeblätter? „Nicht weil sie schön sind sondern weil sie einen ganz besonders guten Klang ergeben“, klärt Trenkle auf. Und der Vater war ein musikalischer Mensch und ein bekannter Sänger.

„Der Pfrontener an sich ist ja nicht kommod sondern toll eigenwillig.“

Philipp Trenkle

Kuhglocken kennt ja jeder, aber was sind Kuhschellen und wie unterscheiden sie sich? „Schellen werden aus Blech geschmiedet und Glocken werden aus Bronze gegossen“, verrät der Experte. Ob man nun Glocken oder Schellen verwendet, das ist gar nicht so sehr die Frage. Es geht um das Zusammenspiel. „Eine reine Glockenherde am Vieh ist nett, aber mit ein paar Schellen wird es perfekt, wie ein mehrstimmiger Chor“, sagt Trenkle.

Doch wie wird nun aus einem Sägeblatt eine Kuhschelle? Das erfährt man am besten, wenn man Trenkle in seiner alten Schmiede am Ortsrand von Pfronten über die Schulter schaut. Wenn er am Feuer steht, das glühende Blech mit gezielten Hammerschlägen bearbeitet, Einzelteile zu einer rundlichen Form zusammen schweißt, dann spürt auch der Laie, dass hier jeder Handgriff sitzt und der Schmied sein Handwerk versteht.

Welcher Ton dann am Ende raus kommt, weiß man vorher nie genau. Das hängt vom Material ab, ob Stahlblech, Eisenblech oder Sägeblätter verwendet werden, und wie die Spannung und die Dicke des Materials ausfallen. Eilig sollte man es als Kunde nicht haben. Trenkles Kuhschellen kommen nicht aus der Fabrik. Sie sind handgemachte Einzelanfertigungen und das braucht eben etwas Zeit. (nh) † Weitere Infos: www.bayern.by

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