Die Insel Frauenchiemsee ist ein beliebtes Ausflugsziel im bayerischen Meer

Kraftorte, der König und japanische Touristen

Bayerisches Meer: Berufsfischer und Freizeitangler teilen sich das fischreiche Gewässer des größten bayerischen Sees (oben).

Am schönsten ist Frauenchiemsee nach 18 Uhr. Dann, wenn die letzten Rundfahrtboote die Insel in Richtung Prien verlassen und die Insulaner und die wenigen Übernachtungsgäste die Insel für sich alleine haben. Wer auf dem beschaulichen Uferweg entlang geht, hört dann nicht länger das aufgeregte Plappern von Touristen, sondern allenfalls den Abendgesang einer Amsel.

Wie die meisten Chiemseebewohner schwärmt auch die Geomantin Martina Glatt von der Insel und vor allem von den heilenden Kräften die angeblich von ihr ausgehen. „Wer krankt ist oder vor Sorgen geplagt wird, dem empfehle ich einen Tag auf der Insel zu verbringen“, sagt Glatt. „Das öffnet die Seele und gibt in vielen Situationen neue Kraft.“

Alte Wege neu entdecken

Kraftorte sind denn auch die „Spezialität“ der gebürtigen Münchnerin, die schon seit vielen Jahren in Aschau in der Nähe des Chiemsees lebt. Von dort führt sie Exkursionen unter dem Motto „alte Wege neu entdecken“ durch. Auf ihnen lernen ihre Gäste nicht nur die Heilwirkung vieler Kräuter kennen, sondern können auch das Wünschelrutengehen ausprobieren.

Auf den Berg und um den See

Von Glatts Wohnort Aschau aus führt die Bergbahn in nur 14 Minuten hinauf zur Kampenwand. Die kleinen roten und gelben Gondeln aus den fünfziger Jahren erinnern ein bisschen an schwebende Zuckerdrops. Sie zeigen auf charmante Weise, dass der Massentourismus bislang einen Bogen um die Kampenwand gemacht hat. Was nicht heißt, dass es dort nichts zu sehen gäbe.

Gleich hinter der Bergstation können sich Mutige zusammen mit einem Gleitschirmprofi in die Tiefe stürzen. Die meisten aber genießen die Aussicht bei einer leichten Wanderung auf dem Panoramahöhenweg oder machen sich auf den etwa zweistündigen Abstieg hinab zur Talstation der Bahn.

In Aschau kann man aber nicht nur fliegen, sondern auch fliegen lassen – einen Falken zum Beispiel. Auf der Burg Aschau, erbaut im letzten Drittel des 12. Jahrhunderts, lässt Falkner Hannes Lenhart zweimal täglich seine Vögel in den Himmel steigen.

Zurück am See ist der Chiemseerundweg der ideale Parcours fürs Spaziergänger und Fahrradfahrer. Die gut sechzig Kilometer lange Strecke kann man mit dem Rad leicht an einem Tag bewältigen. Wer mehr Zeit in den zahlreichen Cafés und Biergärten am Seeufer verbringen will, radelt am besten von Prien die halbe Strecke um den See bis Chieming, gibt dort die Mieträder ab und fährt mit dem Schiff zurück.

Mit Irmingard über den See

Der Chiemsee ist nach dem Bodensee und der Müritz der drittgrößte See Deutschlands. Die Einheimischen nennen ihn stolz das bayerische Meer. Josef, Barbara, Berta oder Irmingard heißen die Rundfahrtschiffe der Chiemsee-Schifffahrt. Nur die Ludwig Fessler, benannt nach dem Begründer der Personenschifffahrt auf dem See, darf sich auch mit einem Nachnamen schmücken. Und das völlig zu Recht: Respekt steht dem Senior unter den Rundfahrtschiffen durchaus zu. Der Schaufelraddampfer wurde bereits im Jahr 1926 erbaut, versieht bis zum heutigen Tag seinen Dienst und bringt die Gäste hinüber zum „Kini“ – dem König – nach Herrenchiemsee.

Dort ließ der Bayernkönig Ludwig II. ab 1876 ein Schloss errichten, das an Luxus und Aussehen ans französische Versailles angelehnt war. Allerdings ging dem prunksüchtigen König bald das Geld aus, sodass nur zwanzig der ursprünglich geplanten siebzig Räume fertig gestellt werden konnten. Doch die sind schon eindrucksvoll genug und deswegen ist Schloss Herrenchiemsee auch das Hauptreiseziel der Region. Selbst japanische Königsfans pilgern immer wieder dorthin. Für die übrigen Sehenswürdigkeiten des Sees haben die reisefreudigen Asiaten allerdings keine Zeit – für sie ist das Königsschloss nur eine Station auf einer Siebenmeilenstiefelreise durch Europa. Schade eigentlich – sie verpassen viel.

Von Rasso Knoller

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