Kreta punktet in der Krise mit Öko

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Malerisch: In vielen Orten Kretas bekommen Reisende den Eindruck, der Rest der Welt sei außen vor. Das Leben ist einfacher und idyllischer. Ausflüge mit dem Auto – vor allem in die kleinen Orte der Insel – lohnen sich besonders, da es dort kaum Touristen gibt.

Besser könnte es nicht laufen für Ioannis Papadakis. Es ist Sommer auf Kreta, die Sonne scheint vom wolkenlosen Himmel, im Garten zirpen Grillen. Papadakis steht auf der Terrasse seines Landhotels in den Hügeln der Insel und schaut zu seinen Gästen hinab, die gemeinsam mit dem Küchenpersonal das Essen zubereiten. Auf dem griechischen Festland sprechen die Menschen von der Krise. Papadakis spürt davon nichts.

Während im Fernsehen Bilder der Schuldenkrise, von Generalstreiks, Massendemonstrationen und Randale zu sehen sind, geht das Leben auf Kreta seinen gewohnten Gang. Dort scheint die Zeit stehen und schlechte Nachrichten außen vor geblieben zu sein. Mitten in den Hügeln der größten griechischen Insel ist alles etwas ursprünglicher, idyllischer, ruhiger.

Zurück zu den Wurzeln

Für Ioannis Papadakis der Grund, warum er seine Arbeit als Manager eines großen Getränkeherstellers in Athen aufgab und zu seinen Wurzeln zurückkehrte. Nach Axos im Landesinneren von Kreta. Dort baute er ein Hotel, setzte auf Ökotourismus. Heute wirbt er mit Käuterwanderungen, gemeinsamen Essen mit Dorfbewohnern und Käseherstellung. Das kommt gut an, Öko ist in. „Da kann auch die Krise nichts machen“, sagt Papadakis mit einem Lächeln.

Das sah für ganz Griechenland zwischenzeitlich anders aus. Zwar hatte die Berichterstattung über die Staatskrise zunächst keine Auswirkung auf die Buchungszahlen, das änderte sich mit Bildern von gewaltsamen Demonstrationen allerdings – zumindest kurzzeitig. „Die Bilder im Fernsehen haben einige Leute verunsichert, auch wenn es dafür keinen Grund gibt“, sagt Romana Voet, Pressesprecherin bei Tui. Das haben auch die Reisewilligen erkannt. Mittlerweile sehen die Zahlen wieder gut aus. Auch, weil die Hoteliers zahlreiche Rabatte gewähren. Urlaub in Griechenland sei daher günstig wie lange nicht mehr, sagt Voet.

Vielleicht liegt es daran, dass sich die Kreter etwas haben einfallen lassen. „Kretische Diät“ heißt das Zauberwort. Bei dieser traditionell kretischen Art zu Essen steht die gesunde Ernährung mit ökologisch angebauten Produkten im Mittelpunkt. Nicht unbedingt das Abnehmen. Denn der Ruf der Griechen und ihre gerühmte Gastfreundlichkeit hat nicht gelitten. Spontane Einladungen zu Raki und Lamm bekommen Reisende in vielen Orten.

Das typisch kretische Leben

So wie einige Kilometer von Papadakis’ Landhotel entfernt. Wenige Autominuten von Rethymnon liegt die AgrecoFarm der griechischen Hotelkette Grecotel – eine Naturfarm die sich den vergangenen Zeiten widmet. Dort erfahren Besucher, wie die Kreter einst Olivenöl und Brot herstellten, können selbst aktiv werden und sich in der farmeigenen Küche bewirten lassen.

Freilich auch dort existiert die Krise in den Köpfen der Menschen. „Die Kreter reden darüber“, sagt Panos Demetriou, der für Tui auf der Insel arbeitet. Auswirkungen habe sie jedoch nicht. „Wir haben Glück und mehr Geld als auf dem Festland, weil viele Menschen zum Arbeiten hierher kommen.“ Deshalb redeten die Menschen auch bewusst von einer Staatskrise, nicht von einer Krise der Leute.

In kleinen Dörfern wie Anogeia im Inneren des Landes ist nicht einmal das Thema. Dort findet man nach wie vor das typisch kretische Leben. Ein Ausflug mit dem Auto lohnt sich. Die Menschen sind gastfreundlich, Touristen gibt es kaum, man kann gut essen. Und sollte sich auf Verständigung mit Händen und Füßen einstellen – denn Englisch spricht hier fast niemand.

Informationen:

Reiseziel: Landhotel Enagron nahe Axos mitten in den Bergen Kretas. Die Anlage ist ideal für Wanderer, Naturfreunde und Menschen, die einen Einblick in das ländliche Leben der Kreter bekommen möchten.
Preise: Für Studio (max. drei Personen) und Apartment (max. vier Personen) zwischen 18 und 34 Euro pro Person und Nacht.
Vor Ort: Ein Mietwagen wird empfohlen. Reisen in die umliegenden Dörfer lohnen, ebenso in die größeren Städte. Nach Réthymnon sind es etwa 42 Kilometer, die Inselhauptstadt Heráklion ist 44 Kilometer entfernt.

Weitere Infos: www.tui.de und
www.enagron.gr

Von Marie Klement

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