Das Bergell als Anziehungspunkt: Urlauber wie Kunstschaffende fühlen sich zuhause

Von Künstlern und Bergen

Er war in der Welt zuhause und kam doch immer wieder zurück. Seine Kunstwerke gehören zu den weltweit teuersten, doch richtig aufgehoben fühlte er sich nur in Stampa, seinem Geburtsort. Alberto Giacometti, der selbst weniger Kunstinteressierten durch seine einzigartigen Bronzeskulpturen ein Begriff ist, kehrte regelmäßig zurück ins Bergell, besuchte dort seine Familie und sog die besondere Luft ein, die dafür sorgte, dass sich viele Künstler in diesem kleinen und ursprünglich armen Tal heimisch fühlten.

Neben der Familie Giacometti mit Alberto, zweifellos dem berühmtesten Sohn dieses Tals, lebten und arbeiteten dort auch die bekannten Maler Giovanni Segantini und Varlin.

Beschauliches Tal mit Anziehungskraft

Warum gerade in diesem Tal, in dem das harte und von Entbehrungen gezeichnete Leben armer Bauern seine Spuren hinterlassen hat, bis heute so viele Künstler ein Zuhause finden, mag verwundern. Die Einwohner erklären sich die Anziehungskraft des Bergells mit der beeindruckenden Landschaft: „Unser Tal hat ihn geprägt, der Granit unserer Berge“, sagte die Cousine Alberto Giacomettis, Sina Dolfi-Giacometti, einst über ihren berühmten Verwandten.

Die Landschaft und das besondere Flair sind es, die heute Wanderer, Bergsteiger und Kletterer in das beschauliche Tal ziehen. Nicht weit vom Luxusort St. Moritz entfernt, finden Urlauber im Bergell ein paradiesisches Fleckchen Erde, in dem die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Dicht an dicht stehen handwerklich geschickt hergestellte Holzhäuser mit Ziegeln aus Granit. Sie prägen seit Jahrhunderten das Gesicht dieses Tals. Inbegriff aller Schönheit des Bergells ist Soglio, mehr Museum als Ort. Segantini beschrieb Soglio als Tür zum Paradies. Erreicht man das malerische Dörfchen zu Fuß von der Via Bregaglia kommend, einem nicht zu unterschätzenden Panorama-Wanderweg, kann man ihm nur begeistert zustimmen. Das perfekte kleine Bergdorf liegt mit seinen granitbehüteten Häuschen in der Sonne und bietet erschöpften Wanderern durch das einzigartige Flair eine Quelle der Erfrischung.

„Unser Tal hat ihn geprägt, der Granit unserer Berge.“

Sina Dolfi-Giacometti

Ein weiterer Grund, warum sich viele Kunstschaffende im Bergell wohl fühlen, sind die Bergeller selbst. „Sie haben die Künstler immer willkommen geheißen“, sagt Tobias Guggenheim. Er und seine Frau Patrizia, die Tochter Varlins, verwalten das Erbe des Malers und fühlen sich mit ihren Kindern ebenfalls sehr wohl dort. Genau wie Urlauber. Sie fühlen sich aufgehoben in dem ruhigen Tal ohne Bauboom. Dem „Geheimtipp nicht nur für Engadiner“ wie es Michael Kirchner, Tourismusdirektor des Bergells, beschreibt.

† online-Bildergalerie: Mehr Impressionen aus dem Bergell gibt es unter www.hna.de/reise.

Von Carolin Blumenstein

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