Hier treibt man es ziemlich bunt

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Willemstad auf Curaçao

Nach den langen, zumeist grauen Wintertagen kommt jetzt endlich der Frühling mit Macht. Überall blüht es, die Natur treibt es bunt und bringt uns die Farben zurück.

Weil nicht alle Menschen die Geduld aufbringen, um auf das Ende der kalten Jahreszeit zu warten, oder weil es an vielen Gegenden auf der Welt grundsätzlich eher braun oder grau aussieht, helfen sie sich selbst und streichen einfach ihre Häuser bunt an. Manchmal hat es auch andere Gründe für das bunte Treiben – wir haben einige Orte auf der ganzen Erde ausgewählt, die für ihr farbenfrohes Treiben bekannt sind.

Gebaut aus dem Blech alter Schiffe

Der Stadtteil La Boca der argentinischen Hauptstadt ist bekannt wegen seines Fußballclubs Boca Juniors, in dem auch schon Maradona spielte. Touristen besuchen das Künstlerviertel jedoch vor allem wegen der bunten Häuser, die aus dem Blech abgewrackter Schiffe gebaut und entsprechend farbenfroh angemalt wurden.

Farbenfrohe Orte auf der ganzen Welt

Farbenfrohe Orte auf der ganzen Welt

Pastelltöne am Kap 

Die im 18. Jahrhundert am Fuß des Signal Hill entstandene Wohngegend Bo-Kaap (auch Malayenviertel) wurde überwiegend von sogenannten Kapmalayen gestaltet, Nachkommen jener Sklaven, die seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts aus Asien kamen. In Pastellfarben gestrichene kleine Häuser und Minarette prägen das Bild des Viertels, das sich in den letztem Jahren zu einem sehr begehrten Wohngebiet in Kapstadt entwickelt hat.

 

Alles andere als geizig 

Tobermory auf der Isle of Mull

Man mag den Schotten ja in vielen Bereichen eine extrem sparsame Einstellung nachsagen. In dem kleinen Ort Tobermory auf der Isle of Mull haben sie zumindest an Farben nicht gespart: Die Häuser am Hafen sind knallig bunt. Ob es etwas damit zu tun hat, dass in der Tobermory Distillery seit 1798 Whiskey gebrannt wird?

Von der Einsiedelei zum Künstlerdorf

Vor etwa 100 Jahren kamen Künstler – unter ihnen auch August Macke und Paul Klee – in das kleine Dorf Sidi Bou Said oberhalb der Ruinen von Karthago. Und mit ihnen kam die Farbe. Der von Tunis etwa 20 Kilometer entfernte Ort wandelte sich von einer Zuflucht für Einsiedler in einen Treffpunkt für Maler und Musiker – und das ist er heute noch, auch wenn hauptsächlich Touristen die kleinen Straßen bevölkern.

Brasiliens erste Hauptstadt

Pelourinho

In einem Teil der Altstadt von Salvador da Bahia war früher der Sklavenmarkt sowie der Schandpfahl, wonach Pelourinho benannt ist. Das ist Vergangenheit – heute ist dieser Teil der ersten Hauptstadt Brasiliens mit seinen bunten, pastellfarbenen Häuserreihen, Kirchen, Klöstern, Cafés, Bars, Restaurants und Kleinkunstmärkten eine der Hauptattraktionen Salvadors.

Das Dorf der Schlümpfe

 

Erst war es nur eine verrückte Idee einer Film-Produktionsfirma: Das Dorf Júzcar in Spanien wurde für einen Werbespot zur Premiere des 3-D-Films „Die Schlümpfe“ am 16. Juni 2011 komplett blau angemalt. Der Mehrzahl der Bewohner gefiel die Farbe, nicht zuletzt, weil auf einmal eine Menge Touristen in das andalusische Dorf kamen. Die Einwohner haben nun entschieden, dass Júzcar dauerhaft blau bleiben soll – als erstes Schlumpfdorf der Welt. Charakter hoch über der Küste In den fünf bunten Dörfern der Cinque Terre, die an der steilen Küste der ligurischen Riviera kleben, ist die Zeit zwar nicht ganz stehen geblieben, sie haben sich aber ihren ursprünglichen Charakter weitgehend bewahrt. Bis heute ist Manarola, der älteste der fünf Orte, nur über schmale Serpentinenstraßen erreichbar.

Karibische Einflüsse in Kolumbien

 

Cartagena

Es dürfte der Einfluss der Karibik sein, der dafür sorgte, dass die Altstadt von Cartagena in Kolumbien auch heute noch so farbenprächtig erstrahlt. Die von den Spaniern gegründete Stadt gilt als eine der schönsten Kolonialstädte in Südamerika und ist heute bekannt für ihr pulsierendes karibisches Nachtleben.

Was nach dem Kupferabbau übrig bleibt

Nach Allihies im äußersten Südwesten Irlands verirrt sich recht selten jemand. Früher wurde hier Kupfer abgebaut, doch seit vor 50 Jahren die letzte Mine für immer schloss, verfiel der Ort in einen Dornröschenschlaf. In puncto Farbenfreude sind die Bewohner aber sehr aufgeweckt und haben die paar Häuser entlang der Dorfstraße bunt angemalt, so dass immer mehr Touristen alleine deswegen kommen.

Unbekannte Kanaren öffentlich gemacht 

Die bunten Häuschen am Risco de San Juan, einem Höhenzug oberhalb des Hafens von Las Palmas de Gran Canaria, finden sich nur selten in Reiseführern abgebildet.

Die bunten Häuschen am Risco de San Juan, einem Höhenzug oberhalb des Hafens von Las Palmas de Gran Canaria, finden sich nur selten in Reiseführern abgebildet. Touristen bleiben eher in der Altstadt oder besuchen gleich die Strände der drittgrößten Kanareninsel. Ein Glück, dass Tony Hernandez diesen Stadtteil fotografiert hat und seine Aufnahme nun im Nikon-Kalender 2012 die schönen Farben öffentlich macht.

Farbe gegen das Grau des Regens

Bergen

Die norwegische Hafenstadt Bergen hat den wenig schmeichelhaften Titel, die „regenreichste Großstadt in Europa“ zu sein. Besonders im Hafenviertel Bryggen, wo die traditionellen bunten Holzhäuser stehen, kann man dem Grau jedoch bei jedem Wetter entkommen. Die etwa 60 Gebäude im Hanse-Viertel stehen seit 1979 auf der Liste des Welterbes der Unesco.

Blau als Hilfe gegen böse Geister 

Chefchaouen

Viele der weißen Häuser in den engen, verwinkelten Gassen in Chefchaouen im Nordosten Marokkos sind zusätzlich noch blau angestrichen – diese Farbe soll Geister abhalten.

Weltkulturerbe statt Hauptstadt

Den Titel als Hauptstadt der Niederländischen Antillen hat Willemstad auf Curaçao zwar im Oktober 2010 verloren, dafür darf sich die größte Stadt der niederländischen Gebiete in der Karibik (125.000 Einwohner) schon seit 1997 damit schmücken, auf der Liste der Unesco-Weltkulturgüter zu stehen – wozu nicht zuletzt die farbenbunte Häuserzeile am Hafen beitrug.

Zur Abwehr der Mücken

Jodhpur im Bundesstaat Rajasthan ist wegen der Farbe ihrer Häuser auch bekannt als die „Blaue Stadt“. Traditionell kennzeichnete die Farbe Blau die Zugehörigkeit der Bewohner zur Kaste der Brahmanen, allerdings haben heute auch Nicht-Brahmanen diesen Brauch übernommen. Man sagt der Farbe nach, dass sie ein effektives Mittel zur Abwehr von Moskitos sei.

Volker Pfau

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