Norwegens Hauptstadt lockt mit spannender Architektur und flippigen Szene-Vierteln

Kunst-Genuss in Oslo

Ibsen in Gold: Der Nationaldichter ist in einer Statue in der Prachtstraße Johan Gate verewigt.

Nordische Hauptstadt mit vier Buchstaben? Nicht schwer zu raten. Wie aber muss man sich die Stadt vorstellen, die viele nur aus dem Kreuzworträtsel kennen? Ein bisschen wie Stockholm – viel Wasser, viel Wald ringsherum? Naja, aber dann doch wieder ganz anders. Wie das Paris des Nordens – viel Glamour, viel Prunk? Ganz kalt. Eine Mischung aus Kopenhagen und Venedig – noch mehr daneben geht gar nicht.

Oslo, die Unbekannte also: Da unten liegt sie uns zu Füßen. Rot und weiß zieht sie sich am Fjord entlang, strahlt, glitzert, blinkt. Wie ein großes Dorf in einer typischen Nordlandschaft, so wirkt die kleine Metropole an einem Frühlingstag von der Terrasse des Holmenkollen-Hotels aus. An die Tragöde vom Sommer 2011, als bei zwei Attentaten 77 Menschen starben, erinnern jeden Tag frische Blumen vor der Domkirche und an den Orten des Schreckens.

Die Stadt hat weder vergessen noch verdrängt, ist aber äußerlich zu der freundlichen Gelassenheit zurückgekehrt, die sie immer ausgezeichnet hat. Das Schloss und das Parlament, Monarch und Volk, sind durch einen Boulevard verbunden, den man prächtig nennen darf. Das ist die Karl Johan Gate, an der ganz viel an Henrik Ibsen erinnert. Und da sind wir schon mittendrin in der Geschichte des Landes, seiner Hauptstadt und seines größten Dichtes, der plötzlich vor uns steht, goldglänzend und augenzwinkernd.

Anderswo mimen Straßenkünstler einen Clown oder eine Witzfigur. In Oslo hingegen malen sich Studenten gülden an, verkleiden sich in den Nationalpoeten, der zum Ruhm der Stadt und aller Norweger beigetragen hat, stellen sich auf ein Podest, bewegen über Stunden allenfalls die Wimpern und freuen sich, wenn Kinder ganz genau hinschauen – und zu guter Letzt ein paar Kronen in den Hut werfen.

Jazzbands im Park

Oslo lächelt, viel mehr als das übrige Land, jetzt und noch mehr im Juni und Juli, an den langen Tagen und in den hellen Nächten des nordischen Sommers. Jeder noch so kleine Park, jeder Hinterhof wird zum Picknick genutzt, begleitet von Jazzbands und, gar nicht selten, von sanfter Klassik, zum Beispiel aus der Feder von Edvard Grieg, dem norwegischen Haus- und Hofkomponisten.

Ein paar Minuten mit der Straßenbahn ins Grønland-Viertel – und schon sehen die Geschäfte aus, als seien sie allesamt nach Mekka ausgerichtet. Einen richtigen Basar gibt es da und die Kneipen heißen „Ali Baba“ und „Bagdad-Café“. Wiederum zehn Minuten weiter und das nächsten Szeneviertel ist erreicht: Grünaløkka. Dort lockt die neue Markthalle in einem alten Fabrikgebäude hippes Publikum und Alteingesessene an.

Muss-Ziele in Hafennähe sind das Shoppingquartier Aker Brygge und das neue Kunst- und In-Viertel Tjuvholmen. Die weiße Oper, ein atemberaubender Bau von einer Leuchtkraft, die sich mit der Oper in Sydney messen kann, ist dort Auftakt zu einer Kunstmeile mit Galerien und dem spektakulären Astrup-Fearnley-Museum, das Kunst und Architektur vereint.

Aber niemand in Oslo fürchtet, dass die kleine Hauptstadt irgendwann abheben wird, sich womöglich doch mit Paris oder Venedig vergleichen will. Man bleibt nordisch-distanziert, aber auch überraschend. Wer hätte etwa gedacht, dass es in Oslo – und nur in Oslo – ein Miniaturflaschenmuseum gibt? Und ein Kinderkunstmuseum und Norwegens kleinstes Museum, das ganz den magischen Künsten gewidmet ist?

Von Bernd Schiller

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