Weihnachtsmarkt, Designer-Läden, Kaffeehäuser – drei Gründe, für ein Dezember-Wochenende in Budapest

Kunsthandwerk und Krautwickel

Weihnachtliche Spezialität: Kürtöskalács, Zimt-Hefespindeln, die über glühenden Kohlen kross gebacken werden, gibt es auf dem Weihnachtsmarkt Karácsonyi Vásár. Foto: Krappe

Ihm ist es egal, ob es neblig ist oder die Sonne scheint. Er muss sie überprüfen. Zweimal pro Tag. Janos Fazekas ist Kontrolleur von Budapests bekanntester Brücke – der Kettenbrücke. Davon bekommen die Touristen in der Straßenbahnlinie 2, die am Donau-Ufer entlang rattert, nichts mit. Heute sowieso nicht. Das andere Ufer, also Buda mit Burgpalast, Matthiaskirche und Fischerbastei, hüllt sich in einen dicken Nebelmantel. Aber die Touristen sind auch nicht zum Sightseeing gekommen. Wer jetzt nach Budapest reist, der stöbert durch Boutiquen, gönnt sich in einem der Kaffeehäuser eine Dobos- oder Esterhazy-Torte und schlendert über den Weihnachtsmarkt am Vörösmarty Platz.

Kitsch ist verpönt

Haltestelle an der Freiheitsbrücke: Die Touristen steigen aus, ziehen den Schal etwas enger um den Hals, die Mütze etwas tiefer ins Gesicht und bummeln durch die Fußgängerzone Váci utca. Vorbei an Designerläden, Boutiquen und den üblichen Ladenketten. Gut „behütet“ gegen die Kälte werden sie bei „V50 Hat & Fashion“. In der Nyáry Pál utca bieten zwölf Textil- und Schmuckdesignerinnen in der „Eventuell-Galerie“ ihre Waren an. Szilvia Szigeti zeigt Ikat-Stoffe, Vorhänge, handgewebte Schals, Mützen, ausgefallene Ringe aus Papier und Katzenhaaren. Seit fast 20 Jahren lebe man von Touristen und einer gewissen Stammkundschaft, meint Szilvia: „Es gab gute und schlechte Jahre. Leider überwiegen derzeit letztere.“

Schließlich zieht es die Touristen auf den Weihnachtsmarkt, den Karácsonyi Vásár. Es duftet nicht nur aus alten, urigen Töpfen nach Glühwein, sondern in der Mitte des Platzes reiht sich ein Essstand mit ungarischen Spezialitäten an den anderen. Hier gibt es Lángos, einen Brotfladen aus Kartoffelteig, der in Öl ausgebacken und mit Sauerrahm und Käse belegt ist. Dort köcheln Paprika-Gulasch und Krautwickel mit Schweinebraten. Ein typisches Weihnachtsgebäck sind Kürtöskalács: Zimt-Hefespindeln, die über glühenden Kohlen kross gebacken werden.

Nicht wegen seiner Größe, aber wegen seines Kunsthandwerks wurde der Markt am Vörösmarty Platz als einer der schönsten Europas ausgezeichnet. Kitsch und Industriewaren sind verpönt. Simon Kriszta bastelt Teddybären: „Die Herstellung eines Petzes dauert je nach Größe zirka acht Stunden.“ Reißenden Absatz findet natürlicher Dekoschmuck bei Peter Sziffer: „Ab August trocknen wir Paprika, Orangenscheiben und Lorbeerblätter und formen daraus zusammen mit Zimtstangen Tischverzierung und Wandbehänge.“

Schon über zehn Jahre hat Maria Kovács während der Adventswochen ihren Blaufärber-Stand geöffnet. „Ungardeutsche brachten diese Technik ins Land“, sagt die Unternehmerin, die flussabwärts im Künstlerort Szentendre eine Firma besitzt: „Seit 1878 stellt unser Familienbetrieb mit Indigo gefärbte Stoffe her und näht daraus Tischdecken, Schürzen und Kleider.“

Langsam wird es dunkel. Was wäre ein Tag in Budapest ohne einen musikalischen Ausklang? In der im Neorenaissance-Stil erbauten Staatsoper finden allabendlich Konzert-, Ballet- oder Opernaufführungen statt. Weihnachtliche Musikdarbietungen gibt es in der Matthias-Kirche im Burgviertel in Buda oder in der größten Kirche der Stadt, der Sankt-Stephans-Basilika.

Von Dagmar Krappe

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