Privatgärten auf der vom Golfstrom verwöhnten Kanalinsel Jersey öffnen ihre Pforten für Besucher

Ladies mit grünem Daumen

Shirley Edwards im Garten ihres Anwesens Lande A Geon: Das Anwesen ist seit über sechzig Jahren im Familienbesitz. Im Vordergrund blühen blaue Flammenblumen, auch als Phlox bekannt. Fotos: Thomas Fluegge

Zum Anwesen Les Aix führt eine Allee, gesäumt von blauen Hortensien. Das Gutshaus aus Granit mit Sprossenfenstern stammt in seinem ältesten Teil aus dem 13. Jahrhundert. Für Historienfilme wäre es die perfekte Kulisse. „Aber ein Filmteam kommt mir nicht aufs Grundstück.“ Ariel Whatmore (72) lacht in gespielter Entrüstung. „Ich lasse mir doch nicht meine Rabatten zertrampeln!“

Wie oft sie ihren Garten gemalt hat, kann sie nicht sagen. Zahllose Skizzen lagern in ihrem Studio, Aquarelle zieren das Haus. Ariel ist in England eine gefragte Gartenmalerin, nebenher arbeitet sie als Buchautorin. Auch wie groß Les Aix ist, weiß Ariel nicht genau: „Etwa 20 000 Quadratmeter.“ Mit gleicher Lässigkeit handhabt sie die Pflege ihres Gartens. Im Vorbeigehen zupft sie welke Blüten ab oder wirft trockene Zweige hinters Gebüsch.

Grüne Zimmer gewähren Ein- und Ausblicke

Doch das Grün fügt sich einer Ordnung: Geometrisch gestutzt ist die Buchshecke vorm Portal. Entlang der Gebäude gedeihen Iris, Lupinen und Funkien. Durch einen Torbogen betritt man den Kräutergarten. Teile ihres Gartens hat Ariel wie grüne Zimmer angelegt. Eingefasst von Hecken, deren offene Bögen Einblicke in die Räume dahinter gewähren. Aus Tausenden Buchs- und Eiben-Stecklingen legte sie ein Labyrinth an.

Wenn es um Projekte des National Trusts geht, berät sich dessen Präsident Prinz Charles gern mit dem Architektur- und Gartenexperten Marcus Binney (66). In Kolumnen berät dieser die Leser der „Times“ und schreibt Bücher. Auf seinem Landsitz Domaine des Vaux gestaltet er mit seiner Frau Anne (56) die Landschaft. Auf einem Hügel versteckt sich das Farmhaus aus dem 19. Jahrhundert, davor breitet sich ein italienischer Ziergarten aus. Ein von Sträuchern gesäumter Rasen mündet in ein Amphitheater, dem Schauplatz alljährlicher Freiluftopern.

Im Winter wird der Schnee von den Kamilien geschüttelt

Dahinter fällt das Land ab in ein Tal mit Rhododendren, Magnolien und Zypressen, die das Paar von seinen Flitterwochen in Südfrankreich mitbrachte. Der ganze Stolz sind die Kamelien in 40 verschiedenen Arten, die ein Dickicht im Tal bilden, durch das romantische Pfade führen. „Bei Schnee stapfen wir hinunter und schütteln ihn von den frühen Blüten, um Bruch zu vermeiden“ erzählt Marcus.

Im Garten Lande A Geon von Shirley Edwards (71) gedeihen neben sechs Meter hohen Bambussen auch Bananenstauden. Beides brachte sie von einer Indonesien-Reise mit: „Grüne Souvenirs sind mir die liebsten“ verrät Shirley und zeigt einen Judasbaum aus China, der pinkfarbene Blüten aus dem Stamm treibt. Eine Silberakazie kam aus Australien, Agaven aus Mexiko.

Viele Pflanzen und Samen tauscht Shirley, die früher in einem Buchverlag arbeitete, mit Nachbarn. Die ältesten Azaleen stammen von 1948, als Shirleys Vater das Anwesen kaufte. 16 000 Quadratmeter sind um das stilvolle Granithaus von 1905 terrassenförmig angelegt. Der Erbauer nannte es in Jersey-Französisch „Lande A Geon“, Ginsterland, was es damals war. Fragt man Shirley nach Pflegetricks, verweist sie auf ihren Gärtner Manuel: „Der kennt sich mit prätentiösen Pflanzen aus. Mit mir weiß er ja auch umzugehen.“

Von Heike Weichler

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