Oberpfälzer Wald

Im Land der Teiche und Karpfen

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Dreieinhalb Jahre bis zum Kochtopf: Wenn die Karpfen eineinhalb Kilo erreicht haben, werden sie geangelt.

Zander, Hecht und Karpfen - Schon im Mittelalter gab es in der Region rund um Tirschenreuth um die 10.000 Fischteiche. Im Spätsommer ist Karpfensaison.

Rund 4700 Teiche gibt es im Oberpfälzer Wald.

Bei Rudis Tour an den Teichen von Tirschenreuth kommen die Gäste ins Staunen. „Um das Jahr 1000 gab es hier schon die ersten Fischteiche“, erklärt er. „Später haben die Mönche des Zisterzienserklosters Waldsassen die Aufzucht von Karpfen und Forellen gefördert. Damit gelten wir als eines der ältesten Fischzuchtgebiete Europas“, sagt Rudolf Ehstand, wie der Gästeführer mit vollem Namen heißt. Von April bis Oktober geht er mehrmals im Monat mit Gästen auf Teich-Tour. Jetzt im Spätsommer ist Hochsaison an den Teichen.

Ziel für fromme Pilger: die Wallfahrtskirche Kappl.

Im Mittelalter gab es rund 10.000 Fischteiche im Land um Tirschenreuth. Fischzüchter waren in jenen Jahren wohlhabende Zeitgenossen. Den Überlieferungen nach brachte Fisch damals den achtfachen Preis von Rind- und den zwölffachen von Schweinefleisch. Doch zu Beginn des 19. Jahrhunderts gaben viele Bauern ihre Fischzucht auf und stiegen um auf die Haltung von Kühen und Schweinen. Viele Teiche verlandeten und wurden Acker- und Sumpfland. Mit dem Bau der ersten Eisenbahnstrecken in der Oberpfalz ab dem Jahr 1864 erlebte die Fischwirtschaft im Land um Tirschenreuth eine neue Blüte.

Heute gibt es wieder 4700 Teiche im Oberpfälzer Wald. Daraus stammen 15 Prozent der 6000 Tonnen pro Jahr in Bayern verspeisten Karpfen. Die Flossentiere wachsen drei Jahre lang in den Gewässern heran, bis sie als Speisefisch das ideale Gewicht von eineinhalb Kilo erreicht haben.

Allein im hügeligen Waldland zwischen Tirschenreuth, Mitterteich, Wiesau und Friedenfels links und rechts der Autobahn 93 liegen 2500 Fischteiche. Große Teichpfanne nennen die Tirschenreuther dieses wasserreiche Gebiet; eine weitere Teichzone breitet sich etwas weiter westlich bei Kemnath aus.

Hochsaison an den Teichen: Rudolf Ehstand (M) weiht Touristen in die Geheimnisse der Karpfenzucht ein.

Am Wegesrand sind umgestürzte Baumstämme zu entdecken. Gefräßige Biber haben die Birken mit ihren scharfen Schneidezähnen zu Fall gebracht. Die scheuen Nager gelten als Feinde der Teichwirte, da sie Dämme und Absperrungen untergraben. „Noch mehr fürchten wir Kormorane, die in Schwärmen einfallen und sich jede Menge Fisch aus unseren Gewässern schnappen“, berichtet Thomas Beer beim Rundgang entlang seiner Teiche in der Kleinsterzer Talsenke. Zwischen April und Oktober führt der Fischwirtschaftsmeister Besuchergruppen durch die Zuchtanlage. Karpfen, Zander, Hecht, Schleie, Rotaugen und Moderlieschen wachsen in Beers Gewässern heran.

Geschichte der Karpfenzucht: Das Fischereimuseum in Tirschenreuth.

Im Spätsommer zieht es vor allem Fischliebhaber zur Karpfensaison ins Land der 1000 Teiche. Während der Erlebniswochen Fisch im September und Oktober dreht sich dort alles um die schmackhaften Flossentiere. Bei Kirchweihfesten wird in den vielen Dörfern der Fisch gefeiert. „Nur in den Monaten mit R - also von September bis April kommt in den guten Restaurants unserer Region frischer Karpfen den Tisch“, erklärt Tourismusreferent Peter Knott. Unter dem Motto „Fisch frisch vom Teichwirt“ stehen in 25 Gasthäusern Karpfen auf den Speisekarten.

Von Bernd F. Meier, dpa

DIE REISE INFOS ZUM OBERPFÄLZER WALD

ANREISE: Tirschenreuth liegt direkt an der Autobahn A93, nur wenige Kilometer von der tschechischen Grenze entfernt. Nächster Bahnhof in der Region ist Wiesau.

BESTE REISEZEIT: Im Spätsommer ist bei den Karpfen Hochsaison.

MEHR INFOS: Tourismuszentrum Oberpfälzer Wald, Mähringer Straße 7, 95643 Tirschenreuth (Tel.: 09631/882 23, E-Mail: tourismus@tirschenreuth.de).

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