Wanderung ins Murnauer Moos – Sonderausstellung zum 50. Todestag von Gabriele Münter

Im Land der blauen Berge

Das Münterhaus in Murnau: Hier lebte die Malerin gemeinsam mit Wassily Kandinsky von 1909 bis 1914.

Der Wecker klingelt um fünf. Wer die blauen Berge im blauen Land sehen will, muss früh aufstehen. Im Gasthof schlafen die Gäste noch. Auf Zehenspitzen geht’s durch die Flure, draußen vorbei an der prallen Reiterin, einer Bronzestatue von Fernando Botero und im Garten an dem riesigen Nashorn von Johannes Brus.

Dahinter führt eine kleine Straße direkt ins Murnauer Moos, welches sich auf einer Fläche von mehr als dreiundzwanzig Quadratkilometern erstreckt. Ein wahres Kleinod im bayerischen Voralpenland. Mit seiner Geschlossenheit und der seltenen Tier- und Pflanzenwelt ist es einmalig in Mitteleuropa. Gut ein Drittel der in Deutschland unter Naturschutz stehenden Pflanzen und Tiere kommen hier vor.

Es ist still, sogar die Vögel schlafen noch. Die Berge gleichen schwarzen Scherenschnitten. Eine Weile braucht es noch bis die Sonne die ersten Gipfel erklimmt, doch vorher beginnt ein unvergleichliches Farbenspiel von Rosarot über Violett bis hin zu allen Schattierungen der Farbe Blau. Hinter den flachen Wiesen sind die Berge gut zu erkennen. Wie Kulissen im Theater sind die einzelnen Berggruppen hintereinander geschoben. Ihre Farben wechseln nun von Minute zu Minute.

Malerische Inspiration

Man kann sich gut vorstellen, dass diese Landschaft die Maler des Expressionismus begeistert hat. Gabriele Münter kam 1908 das erste Mal mit Wassily Kandinsky zu einem Malausflug nach Murnau. Bis dahin arbeitete sie gegenständlich, malte direkt von der Natur ab. Hier begann sie ihre Bilder zu erfühlen, die Inhalte zu ab-strahieren.

Wärme und Intensität

Diese gefühlten Bilder ihrer blauen Berge wirken heute auf den Betrachter schlicht – fast wie Kinderzeichnungen. Mit dicken schwarzen Strichen trennte sie die großen Flächen. Trotzdem berühren ihre Bilder den Betrachter, sie strahlen Wärme, Intensität und tiefe Heimatliebe aus.

Die Luft ist jetzt klar und frisch, so gesund, dass man sie am liebsten eintüten und mit nach Hause nehmen möchte. Rechts rauscht der Bach, links leuchten die Berge, davor Schilf indem es lebt – Gequake, Gezirpe, Geraschel. Die Sonne flirrt bald intensiv übers Moos, überall duftet es nach frisch gemähtem Heu, sonst ist es wunderbar still.

Jetzt geht’s zum Staffelsee mit seinen sieben Inseln, von denen die Insel Wörth die größte ist.

Ludwig II. liebte die Gegend und das Omelette

Ludwig II. wollte die Insel einst kaufen und darauf ein Versaille-Schloss errichten, aber der Münchner Löwenbräu-Besitzer Ludwig Brey, verkaufte sie nicht. Der König soll darüber sehr erbost gewesen sein, ja er zog die Vorhänge seiner Kutsche zu, als er danach am See vorbeifuhr. Immer in Eile stieg er trotzdem im Hotel „Zur Post“ in Murnau aus, wo er von der hübschen Wirtin stets ein Omelette verlangte. Die Murnauer setzten ihrem König ein überlebensgroßes Denkmal und feiern seinen Geburtstag am 25. August immer noch mit einem Festumzug.

Am südlichen Ende des Sees führt ein schön gestalteter Wanderweg bis zum ehemaligen Wohnhaus von Gabriele Münter in der Kottmüllerallee 6. Das Haus mit den blauen Fensterläden und dem kleinen Gärtchen davor ist heute ein Museum, innen und außen fast wieder originalgetreu hergestellt. Hier lebte die Malerin gemeinsam mit Wassily Kandinsky von 1909 bis 1914. Bekannte Maler, Dichter und Komponisten des Expressionismus waren in den Sommermonaten zu Gast, ein Treffpunkt der Avantgarde. Hier entwickelten sie die gegenstandlose Kunst und Kandinsky entwarf gemeinsam mit Franz Marc das Almanach „Der Blaue Reiter“.

Von Dolores Kummer

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