Die Ardennen – das andere Frankreich: Die Region an der Grenze zu Belgien ist ein Paradies für Sportler, die den Kick suchen

Zu Land, zu Wasser und in der Luft

Mut gehört dazu: Wer genug davon hat, erlebt einen unvergesslichen Flug über die Maas. Vorher wird erstmal die Haltung geübt (rechts). Fotos: Christian Schreiber

Dieser Blick. Einzigartig. Die Wälder reichen bis zum Horizont und die Baumspitzen strecken sich in den hellblauen Himmel. Auf der anderen Seite ist ein riesiges Schachbrett zu erkennen, Mais- und Weizenfelder wechseln sich ab, durchzogen von kleinen Sträßchen, die sich hier und da durch die kleinen französischen Ardennen-Dörfer schlängeln. Und unten im Tal recken die Bäume ihre Arme gen Fluss, als wollten sie sagen: Bis hierher und nicht weiter. Und die Maas scheint der Aufforderung zu folgen und macht einen weiten Bogen.

Absprung. „Das ist doch wunderbar, wie fliegen“, ruft einer der Guides hinterher. Dieses Gefühl. Furchtbar. Der Magen presst das Mittagessen zusammen, lange kann es nicht mehr dauern, dann explodiert er. Mit mehr als 100 Stundenkilometern sausen wir an einem 1,2 Kilometer langen Seil in Richtung Tal. Bäuchlings. Blick nach unten, Gebet nach oben. Die Fahrt ist rasant, die Zeit bleibt stehen. 25 Sekunden Herzrasen, Gedankenflut, pochende Schläfen, glühende Wangen. Dann haben sich Körper und Kopf daran gewöhnt. Dann ist es wunderbar. Wie Fliegen.

Die Seilschwinge „Fantasticable“ im Norden der Ardennen ist wahrlich der Höhepunkt dieses einzigartigen Natur-Funparks. Klettern, Wandern, Kanu fahren, Orientierungslauf, Mountainbiken, Hochseilgärten – die Region bietet Outdoor-Vergnügen bis in den letzten Winkel.

Die Ardennen sind das andere Frankreich. Hier wird kein Wein angebaut, in die bauchigen Gläser fließt meist Bier. Etwa ein Dutzend kleine Brauereien sind in jüngster Zeit auferstanden, manchmal ist es nur eine kleine Brasserie, die ein paar Stahltanks im Gastraum platziert hat und zwei, drei Mal im Jahr die Bügelflaschen voll laufen lässt. Kein einziger Sternekoch stellt in den französischen Ardennen seine Töpfe auf den Herd, keine Herberge schmückt sich mit mehr als drei Sternen. Bis in die späten 80er-Jahre hat man den Tourismus verschlafen. Herrlich.

Anspruchsvolle Trails

Die Ardennen sind auch ein Geheimtipp für Fahrradfahrer: 400 Kilometer Mountainbike-Wege haben die Franzosen durch eine ihrer grünsten Regionen gespurt. Auf jedem dritten Quadratmeter der französischen Ardennen wurzeln Eiche, Buche und Co. Im Norden beträgt die Waldquote gar 70 Prozent. Das Mittelgebirge erreicht immerhin Höhen von knapp 500 Metern und die schwarzen Routen für Mountainbiker sind technisch so anspruchsvoll wie manche Fahrt auf einem Alpen-Trail. Und in Sachen Komfort haben die Franzosen sogar die Nase vorn: In sieben Stationen werden die sportlichen Radfahrer mit Dusche und Werkstatt empfangen.

Die Herbergen sind entweder einfach oder sie haben einen hohen Abenteuer-Faktor wie das Jurten-Dorf im Süden. Alain Montigny wohnt mit seiner Familie seit Jahren in den mongolischen Zelten und vermietet sie an Touristen. „Hier kannst du die Natur richtig schmecken und fühlen“, sagt er. Das können wir auch behaupten, als wir unser Nachtquartier im Hochseilgarten in Signy-l’Abbaye beziehen – 16 Meter über dem Waldboden. Hier riecht es viel intensiver nach Harz und Moos. Eichhörnchen huschen über die schmalen Äste, die Blätter wippen im Takt des Windes, der in Bodennähe längst seine Kraft verloren hat. So macht es auch Spaß, sich in luftiger Höhe zu bewegen. Es muss nicht immer die „“Fantasticable“ sein.

Von Christian Schreiber

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