Ägypten: El Gouna an Roten Meer sieht sich als urbanes Modell für zukünftige Freizeitgesellschaften

Leben wie es sein sollte

G Einheitliche Architektur: Hotels in El Gouna, hier das Steigenberger Golf Hotel, sind im nubischen oder andalusischen Stil erbaut. F Lecker: nicht nur beim Tiq Marina Festival haben in El Gouna Feinschmecker die Qual der Wahl. E Geduldig: Golflehrer Dany bringt selbst Anfänger zur Platzreife. Fotos: Kregel

Ohne Gras kein Spaß!“ behauptet Golflehrer Dany mit verschmitztem Lächeln. Und spricht dabei wohl aus Erfahrung. Denn so lernt schon der Anfänger, dass nur der richtige Rasen den präzisen Abschlag erlaubt, der den kleinen weißen Ball in eine berechenbare Bahn nach oben treibt.

Dany ist ein Golflehrer der geduldigen Art. Mit Nachsicht und Humor breitet er vor blutigen Anfängern den grünen Teppich aus, um ihnen in tagelanger Fleißarbeit die Platzreife zu vermitteln. Genauer: die Platzerlaubnis für den „Steigenberger El Gouna Golf Course“ am Roten Meer. Eine Ausbildung, die nicht nur die unterschiedlichen Schlagtechniken und Spieltheorien umfasst, sondern dazu auch – Golfspieler sind höfliche Menschen – die richtige Platzetikette.

Von dem geografisch begründeten Windkanal zwischen der Wüsten-Gebirgskette im Westen und der Sinai-Halbinsel im Osten, der den Golfern das Leben häufig unnötig erschwert, profitieren vor allem die Sportskollegen an den ausgedehnten Sandstränden El Gounas. Neben den Surfern sind es vor allem die Kiter, die hier eine kräftige Luftunterstützung geradezu abonniert haben, die sie spielerisch-elegant auf über zehn Meter in die Lüfte hinauf trägt.

Doch begründen diese sportlichen Voraussetzungen, flankiert von den sprichwörtlichen 365 Sonnentagen im Jahr, schon den Anspruch auf Perfektion? „Leben wie es sein sollte“, versprechen heute die Planer und Organisatoren, die sich vor nicht allzu langer Zeit daran machten, diesen Teil der ägyptischen Wüste in eine wohnliche Oasenstadt zu verwandeln. Mit einem Modell, das zugleich an Nachhaltigkeit und Naturschutz orientiert ist und mit dem Ziel, die Stadt so gut wie möglich eigenständig aus sich selbst heraus zu versorgen.

Dieses Projekt stößt auf eine große Zustimmung bei der Bevölkerung, die sich in einer beschwingt-unbeschwerten Lebenseinstellung äußert. Es wird gelebt und gefeiert, etwa beim regelmäßig stattfindenden Marina Street Festival an der Tiq Marina. Die ganze Hafenkante ist voll gestellt mit weiß gedeckten Tischen. Und während bei hereinbrechender Dunkelheit kulinarische Köstlichkeiten aufgetischt werden, agiert von einer Bühne herab, einfallsreich kostümiert, eine Art „Cirque de Soleil“ auf hohem künstlerischen Niveau.

Denn längst weiß man, was man an El Gouna hat. Schon seit Jahren herrschen in der Stadt die erträumten Verhältnisse, wie man sie andernorts erst erkämpfen muss. El Gouna sieht sich gern als ein gelungenes Beispiel für das Miteinander in modernen Freizeitgesellschaften. Ob das tatsächlich so ist, wird die Zukunft zeigen.

Von Bernd Kregel

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.