Der Leuchtturm von Lindesnes steht am südlichsten Zipfel Norwegens

Licht am Ende der Welt

Raue Gegend mit häufigem Nebel: Am Kap Lindesnes, dem südlichsten Punkt Norwegens, kann man die Einsamkeit des Lebens am Meer hautnah kennenlernen. Foto: Kungel/dpa

Seit einer halben Stunde ist uns kein Auto mehr begegnet. Die Straße führt durch Birkenwälder, vorbei an längst verlassenen Holzhäusern. Sie endet schließlich am Kap Lindesnes, dem südlichsten Punkt Norwegens. Nur zögerlich schiebt sich die kleine Halbinsel in das Meer hinein, das seinerseits unablässig gegen den Störenfried anrennt.

Auf dem Hügel am äußersten Ende erhebt sich ein seltsames, sechseckiges weißes Gebäude, das aus der Entfernung am ehesten wie einen kleiner griechischer Tempel aussieht. Es sind nur zwanzig Treppenstufen dort hinauf, aber man muss sich mit aller Kraft festhalten, um nicht vom Wind hinunter geweht zu werden.

Von dort oben aus geht der Blick zum Festland zurück über eine Gesteinswüste, die mit einem dünnen Teppich aus braunem Gras bedeckt ist. Dahinter öffnen sich zahllose, unübersichtliche Schären mit schroffen Felsen. Ein Schiff, das sich dort hinein verirrt, findet niemals wieder heil heraus, sondern muss hoffnungslos an einem Riff zerschellen. Genau deshalb steht an dieser stelle seit dem Jahr 1655 der älteste Leuchtturm Norwegens.

Es war ein Leuchtfeuer im wahren Sinn. Ein nie erlöschendes offenes Feuer warnte die Schiffe weithin vor dem unberechenbaren Festland. Erst im Jahr 1822 wurde das Kohlenfeuer durch eine Mauer und eine Glaswand gegen Wind und Regen geschützt.

Nach 260 Jahren ununterbrochener Leuchtarbeit wurde das Feuer ausrangiert und nur wenige Meter entfernt ein moderner Leuchtturm gebaut. Rot-weiß steht er da, wie ein Bubenspielzeug, ein klassisches Postkartenmotiv. Daneben duckt sich das Holzhaus des Leuchtturmwärters im Wind. Ein Fenster steht offen und blickt auf das unendliche Meer hinaus.

Der Alltag am Leuchtturm war hart. Ab 1920 waren insgesamt drei Bedienstete damit beschäftigt, das Feuer in Betrieb zu halten. Weil undurchdringlicher Nebel und dichtes Schneetreiben nur zu oft selbst den mächtigen Scheinwerfer blind machten, installierte man 1954 ein Diaphon, die stärkste überhaupt existierende Nebelsirene, die bis 1988 in Betrieb war.

Es muss ein gruseliges Konzert gewesen sein, wenn sich das Pfeifen des Sturmes mit dem Tosen der Wellen mischte, regelmäßig übertönt vom durchdringenden, klagenden Dröhnen des Nebelhorns.

Bis zum Bau der Straße wurde der Leuchtturm auf dem Seeweg versorgt. Auf provisorischen Schienen transportierte man Lebensmittel und Baumate-rial vom Landesteg zum Leuchtturm. Besucher waren die Ausnahme.

Noch heute finden nur wenige Touristen nach Lindesnes. Umso ungestörter kann man ein paar Tage wandern, Vögel beobachten oder einfach nur aufs Meer hinaus schauen. Für Übernachtungen ist im Haus des Leuchtturmwärters eine Wohnung mit insgesamt sechs Schlafgelegenheiten zu vermieten.

† kontakt: Lindesnes Fyr, 4521 Spangereid, Norwegen. u 00 47 - 38 25 88 51 www.lindesnesfyr.no

Von Martin Glauert

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