Chaos im Luftverkehr

Lufthansa & Co.: Was Fluggäste jetzt zum Verdi-Warnstreik wissen müssen

Warnstreik im öffentlichen Dienst: An deutschen Flughäfen fallen Hunderte Flüge aus. Es kommt zu Verspätungen. Welche Rechte haben betroffene Passagiere?


Berlin - Die Warnstreiks im öffentlichen Dienst treffen am Dienstag (10. April) den Luftverkehr in Deutschland. An den Flughäfen Frankfurt, München, Köln und Bremen wurden Hunderte Flüge gestrichen.

Reisende müssen sich auf erhebliche Verspätungen einstellen. Die wichtigsten Fragen und Antworten hierzu im Überblick:

Wo finde ich heraus, ob mein Flug betroffen ist?

Die Flughäfen Frankfurt, München und Köln/Bonn informieren auf ihren Webseiten über den Status der Flüge. Dort sehen Reisende, ob ihr Flug annulliert wurde. Der Frankfurter Flughafen und der Airport Bremen raten Passagieren, sich mit der jeweiligen Fluggesellschaft in Verbindung zu setzen.

Bei Lufthansa und Eurowings können sich Kunden ebenfalls online darüber informieren, ob ihr Flug vom Streik betroffen ist. Wer seine Handynummer angibt, bekommt von den Airlines automatisch Updates auf das Telefon.

Bekomme ich eine Entschädigung?

Ein Streik des Flughafenpersonals ist laut Rechtssprechung des Bundesgerichtshofs ein Fall von höherer Gewalt. Reisenden steht keine Entschädigung nach der EU-Fluggastrechte-Verordnung zu, wenn ihr Flug streikbedingt ausfällt oder sich um mehr als drei Stunden verspätet. Das gilt aber nur unter der Bedingung, dass die Fluggesellschaft alles in ihrer Macht Stehende unternimmt, um die Folgen des Streiks zu minimieren.

Ist eine Entschädigung auch bei höherer Gewalt möglich?

Dr. Philipp Kadelbach vom Portal Flightright erklärt zu den aktuellen Streikfällen in Deutschland die Möglichkeiten für geschädigte Fluggäste. Denn auch wenn der Streik selbst als "außergewöhnlicher Umstand" gilt, so sollten Fluggäste beachten, welche Ansprüche sie auf eine Ersatzbeförderung haben oder wann doch eine Entschädigung durch die Airline gezahlt werden muss.

"Streikfälle gelten in der Regel als 'außergewöhnlicher Umstand', bei dem Fluggesellschaften ihren Kunden nach EU-Recht keine Entschädigung zahlen müssen. Spannend wird es aber bei den Flugausfällen oder -verspätungen, die nicht in die direkte, offizielle Streikphase fallen", so Dr. Kadelbach. "Wenn eine Airline beispielsweise Flüge überbucht, um die Streikausfälle zu kompensieren und dadurch andere Fluggäste gegen ihren Willen nicht befördert werden, dann haben sie einen Entschädigungsanspruch von bis zu 600 Euro pro Person."

Darüber hinaus gelte grundsätzlich, dass die Fluggesellschaften in der Pflicht seien, ihre Kunden frühestmöglich über Ausfälle zu informieren und ihnen eine Ersatzbeförderung zum nächstmöglichen Zeitpunkt bieten müssten. "Das muss nicht immer auch ein Flug sein: Am Ticketschalter der Fluggesellschaft können Kunden ihr Flugticket auch gegen eine Fahrkarte (z.B. mit der Deutschen Bahn) eintauschen", erklärt Dr. Kadelbach. "Von Umbuchungen auf eigene Faust raten wir ab, auch sollten die Verbraucher alle Unterlagen der Reise aufbewahren, um Ansprüche und Entschädigungen jeglicher Art später geltend machen zu können."

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Wie komme ich trotzdem ans Ziel?

Die Fluggesellschaft muss eine alternative Beförderung ermöglichen. Die Lufthansa zum Beispiel bietet kostenlose Umbuchungen an. Das Ticket muss spätestens am 9. April ausgestellt worden sein. Das neue Reisedatum muss zwischen 9. und 17. April 2018 liegen. Wer eine innerdeutsche Lufthansa-Verbindung gebucht hatte, kann sein Ticket online in eine Bahnkarte umwandeln lassen. Wer dazu keine Zeit hat, kann selbst ein Zugticket kaufen - für die Erstattung wird der Wert des nicht genutzten Flugtickets zugrunde gelegt, so Lufthansa.

Der Reiserechtler Paul Degott aus Hannover rät dazu, der Airline eine Frist für die Beschaffung einer alternativen Beförderung zu setzen, am besten schriftlich per E-Mail. Kommt das Unternehmen dem nicht nach, kann der Flugreisende sich selbst einen Ersatz beschaffen und die Kosten hinterher der Airline in Rechnung stellen.

Wenn ein Flug definitiv ausfällt oder sich um mehr als fünf Stunden verspätet, kann der Kunde grundsätzlich auch sein Ticket zurückgeben. Er bekommt das Geld dann zurück.

Was muss die Fluggesellschaft noch für mich tun?

Bei einem Streik mit langen Wartezeiten muss die Fluggesellschaft Reisende am Flughafen betreuen. So ist die Airline verpflichtet, Betroffene je nach Flugstrecke nach zwei bis vier Stunden kostenlos mit Essen und Trinken versorgen. Dafür können Gutscheine ausgeteilt werden. Passagieren dürfen außerdem unentgeltlich telefonieren oder E-Mails verschicken. Verschiebt sich der Flug auf den nächsten Tag, hat die Airline die Übernachtung in einem Hotel zu zahlen.

Lesen Sie hier: Sicherheit auf Reisen: Lufthansa testet Gesichtserkennung.

Was gilt, wenn mein Flug Teil einer Pauschalreise ist?

Dann ist nicht die Airline, sondern der Reiseveranstalter in der Verantwortung. Dieser muss eine alternative Beförderung organisieren. Verspätet sich dadurch die Ankunft am Urlaubsort, darf der Urlauber nachträglich den Reisepreis anteilig mindern. Verkürzt sich ein Kurzurlaub durch den Streik erheblich, kann der Gast die Reise auch stornieren. Er bekommt dann den Reisepreis zurück.

Auch interessant: Diese Dinge wussten Sie über Flugzeug-Essen bestimmt noch nicht.

sca / dpa/tmn

Diese Fehler bei der Reiserücktrittsversicherung sollten Sie dringend vermeiden

Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt
1. Tod oder unerwartete, schwere Erkrankung der versicherten Person oder einer Risikoperson (z.B. Angehörige oder Mitreisende). © dpa
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2. Unerwartete Impfunverträglichkeit. © dpa
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3. Schwangerschaft der versicherten Person oder einer Risikoperson. © dpa
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4. Erheblicher Schaden am Eigentum durch Feuer, ein Elementarereignis oder die Straftat eines Dritten (z.B. Einbruch). © dpa
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5. Verlust des Arbeitsplatzes aufgrund einer unerwarteten betriebsbedingten Kündigung durch den Arbeitgeber. © dpa
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6. Konjunkturbedingte Kurzarbeit über einen bestimmten Zeitraum mit Reduzierung des Bruttoeinkommens (mindestens 35 Prozent). © dpa
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7. Aufnahme eines Arbeitsverhältnisses, falls die Person bei Reisebuchung arbeitslos war und das Arbeitsamt der Reise zugestimmt hatte. © dpa
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8. Arbeitsplatzwechsel, vorausgesetzt die Reise wurde vor Kenntnis des Wechsels gebucht und die Probezeit fällt in den Reisezeitraum. © dpa
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9. Wiederholung von nicht bestandenen Prüfungen an einer Schule oder Universität. © dpa
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10. Nichtversetzung eines Schülers (z.T. mit der Einschränkung: falls es sich um eine Schul- oder Klassenfahrt handelt). © dpa
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11. Bruch von Prothesen oder unerwartete Lockerung von Implantaten. © dpa
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12. Trennung (Nachweis der Ummelde-Bescheinigung) oder Einreichung der Scheidungsklage. © dpa
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13. Unerwartete gerichtliche Ladung, sofern das Gericht einer Verscheibung des Termins nicht zustimmt. © dpa
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14. Unerwartete schwere Erkrankung, schwerer Unfall oder Impfunverträglichkeit eines zur Reise angemeldeten Hundes. © dpa
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15. Einladung als Trauzeuge zu einer Hochzeit, wenn der Termin in der Zeit des lange vorausgeplanten Urlaubs liegt. © dpa
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16. Ausfall der Urlaubsvertretung eines Selbständigen, z.B. wegen Krankheit. © dpa
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17. Überraschende Qualifikation einer Sportmannschaft für das Bundesfinale, bei der die Teilnahme der Person (des Kindes) unverzichtbar ist. © dpa
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18. Unerwartete Verlegung eines Fußballderbys auf den Urlaubsbeginn des Dauerkartenbesitzers. © dpa
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19. Notwendiger Beistand einer schwer erkrankten Freundin bei einer unvorhersehbaren Verschlechterung der Krankheit. Hier ist eine Nennung von Zeugen notwendig, die das innige Freundschaftsverhältnis bestätigen. © dpa
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20. Unerwarteter Termin zur Spende von Organen oder Geweben (z.B. Knochenmark). © dpa

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