Tempeltrekking in Ladakh: Einmalige Eindrücke vom Dach der Welt

Make-up für den Buddha

G Der Buddha strahlt: Dieser Buddha der Zukunft“ begrüßt Gläubige und Besucher vor dem Kloster Likir. H Freundliche Gastgeberin: Diskit Chondol bereitet für ihre Besucher Momos, köstliche Teigtaschen mit Gemüse, zu.

Auf Strümpfen rutschen die Besucher über den kalten Steinfußboden im Tempel in Tingmosgang. Vor ihnen sitzt Maitreya – der Buddha der Zukunft. Sieben Meter ist er hoch. Die Haut schimmert golden. An seinen Waden klebt ein Gerüst und drei Männer krabbeln wie Ameisen auf einem Bettlaken in seinem Schoß herum. Einer von ihnen tunkt seinen haardünnen Pinsel in einen Topf mit Farbe, reckt den Arm in Richtung Wand und zieht mit ruhiger Hand den Lidstrich vom Bildnis Tsongkhapas nach, dem Gründer des Gelbmützen-Ordens.

Tsetsan ist Tempelmaler. Er schminkt die Schutzgötter, restauriert Lidschatten und Lippenkontur, färbt Wangen rot und tupft an Augenbrauen auf den jahrhundertealten Wandgemälden.

Die Tempeltrekkingtour führt durch Ladakh, dem nördlichen Zipfel Indiens. Doch das ehemalige buddhistische Königreich am Rande des Himalaya hat fast nichts mit Indien gemeinsam. Es gibt keinen Monsun, keine Überbevölkerung, kein Kastensystem, und den roten Punkt malen ladakhische Frauen nicht auf ihre Stirn, sondern auf die Häuser – um böse Geister zu vertreiben. Unzählige Klöster sprenkeln die Landschaft und nahezu auf jedem Haus flattern Gebetsfahnen. Hier ist alles eher pastellfarben, nicht so knallig wie im Rest von Indien, vom Make-up des Buddha Maitreya einmal abgesehen.

Am nächsten Tag führt eine Wanderung durch die Mondlandschaft von Lamaruyu und weiter nach Wanla. Die Berge schimmern mal gelb, mal lila dann wieder blau. Hin und wieder zieht der Duft frischen Thymians in die Nase.

Am Gipfelpass des Prikit La auf 3726 Metern ist Frühstückspause. Guide Tashi und seine Helfer verteilen frische Mangoscheiben. Überall sieht man kleine, von Menschenhand geschmückte Steinhaufen. Darin wohnen die Geister, sagen die Einheimischen.

Buttertee ist nicht Jedermanns Sache

Mit einem fröhlichen „Juleeee“ begrüßen Diskit und Riksey Chondol in der Hauptstadt Leh die Gruppe am nächsten Tag vor dem Eingang ihres Gästehauses. Das Wohnzimmer schmücken Topfgeranien und bunt bemalte Tischchen. Riksey schenkt Buttertee ein. Für dessen leicht ranzigen Geschmack kann sich kaum ein Europäer erwärmen. Aber Jasmin- und Milchtee sind köstlich. In der Küche zeigt Diskit den Gästen wie man die Teig-Enden der Momos um das Gemüse wickelt, damit beim Dämpfen nichts herausfällt. Riksey rollt den Teig geschickt durch die Maschine. Sein Name bedeutet „Weisheit“, erzählt er und Diskit heißt „Glück“. Ihre Heirat vor 25 Jahren wurde, wie üblich, von den Eltern arrangiert. Offenbar ein Treffer, denn seine Augen leuchten noch wie am Hochzeitstag.

Wenig später rollt der Bus an Berghängen entlang durch eine grandiose Steinwüste. Am Nubra-Fluss erfrischen Oasen mit saftigen Pappeln und Weiden das Auge. Im Frühjahr blühen hier sogar Aprikosenbäume – 3500 Meter über dem Meeresspiegel. In der Abendsonne treibt ein Hirte seine Pashmina-Ziegen durch die staubigen Gassen zurück in den Stall. Aus ihrem Bauchfell wird die weltweit begehrte Kashmirwolle gesponnen. Echte Kashmirschals kann man in einem der vielen Geschäfte in Leh kaufen. „Sie kosten mindestens 100 Euro, ansonsten sind sie mit Schafwolle gestreckt“, warnt Tashi. Da greifen die Reisenden lieber zu einem anderen Souvenir: einem kleinen quietschfarbenen Buddha mit goldenem Bauch. Er sieht aus, als wäre er kürzlich im Tempel in Tingmosgang gewesen und hätte sich von Tsetan farbrenovieren lassen.

Von Monika Hippe

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