Mit Marylou zur Spreewald-Gurke

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Maßarbeit: Für die Schleuße in Kummersdorf ist die Marylou eigentlich zu groß. Mit gutem Willen und Augenmaß geht es aber doch.

Der Schleusenwärter weist die Marylou präzise ein. Koch Sven ist aus der Kombüse gekommen und passt mit auf. Es ist wirklich Millimeterarbeit, denn eigentlich ist das Schiff für die Schleuse Kummersdorf ein wenig zu lang. „Vieles geht, wenn man nur will“, lacht Skipper Claas. Einem größeren Schiff werden seine Passagiere von nun an jedenfalls nicht begegnen.

Die MS Marylou ist ein umgebauter holländischer Frachtkahn. Mit acht Kabinen, Restaurant- und Salonbereich und viel Platz auf dem Oberdeck ist sie wie maßgeschneidert für eine Tour durch die verzweigte Brandenburger Seen- und Flusslandschaft.Von Berlin-Spandau geht es im Sommer jede Woche über Havel, Spree und Dahme, durch Seen und Kanäle in Richtung Spreewald. Für jeden Mitreisenden ist ein Fahrrad an Bord. Denn tagsüber sind die Passagiere auf Landpartie. In Potsdam etwa gibt es einen Reiseleiter, der nach Sanssouci, durchs Holländische Viertel, zur Russen-Siedlung Alexandrowka voranradelt.

Danach sind die Radler dann auf sich selbst gestellt. Der Skipper teilt Tourenbeschreibungen für die einzelnen Tagesetappen aus. Während Claas die Marylou zum nächsten Liegeplatz steuert, strampeln seine Passagiere durch Brandenburg, an Seen und Flüssen entlang, häufig durch Kiefernwälder. Natürlich wird ohne jeden Gruppenzwang geradelt.

Von den Berliner Gewässern ins Brandenburgische

Von Berlin-Spandau ging es zunächst über Havel und Wannsee. Unter der Glienicker Brücke, auf der während des Kalten Krieges so wunderbar filmgerecht die Agenten ausgetauscht wurden, fährt die Marylou ins Land Brandenburg ein.

Inzwischen kennt man sich: Claas, ehemaliger Seeoffizier und Lotse, wechselt sich im unruhigen Ruhestand auf der Marylou mit seinem Kollegen Gernt ab, Koch Sven und Brigitte als Seele vom Ganzen sind immer dabei. Über den Teltowkanal geht es noch einmal in Berliner Gewässer. Mal eben kann man dem Hauptmann von Köpenick vor dem Rathaus auf die Schulter klopfen.

Einmal rund um den Scharmützelsee

Dann werden die Radler losgelassen. Am Müggelsee vorbei geht es bis zum Anleger Neue Mühle bei Königs Wusterhausen mit schönem Schloss. Die nächste Etappe führt entlang der Dahme von See zu See bis Storkow. Am nächsten Tag wird Brandenburgs größtes Gewässer, der Scharmützelsee, umradelt.

Im Spreewald wird in den Kahn umgestiegen

Bis ganz ins Filigran der Fließe und Kanäle des Spreewaldes kann selbst Kapitän Claas mit seiner Marylou nicht vordringen. Also werden Radler und Räder mit Kleinbussen abgeholt zur Tour ab Lübben durch den Spreewald, der mit dem Gurkenradweg und herrlichen Abschnitten wie der Birkenallee zwischen Lehde und Leipe eine der allerschönsten Radwandergegenden Deutschlands ist. Wer mag, macht zwischendurch eine Kahnpartie mit. Welch ein Kontrast zum letzten Tag. Da legt die Marylou am Spreeufer in Berlin-Mitte an, gar nicht weit vom Kanzleramt. Einige brechen noch einmal zur City-Radtour auf, andere gehen ins nahe Bode-Museum oder flanieren einfach mal Unter den Linden.

Reisetipps

Reisezeit: Die Marylou fährt von Ende April bis Ende September zwischen Berlin und dem Spreewald.
Anreise: Autobahn Berlin-Hamburg bis Abfahrt Spandau. Mit dem ICE bis Berlin-Spandau.
Lesetipps: DuMont-Reisetaschenbuch, HB-Bildatlas „Brandenburg“. Angebot: Die Reise wurde gebucht bei Dertour, Katalog Sport- und Aktivurlaub. Die kombinierte Rad- und Schiffstour kostet bei 7 Übernachtungen in einer Zwei-Bett-Kabine mit Vollpension ab 830 Euro (www.dertour.de).

Von Klaus Thiele

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