Andere Länder, andere Sitten: Die Nager gelten in Ecuador und Peru als Delikatesse, schmecken aber nicht jedem

Meerschwein zum Mittagessen

Der Eingang zum Straßenrestaurant auf dem Vieh- und Gemüsemarkt in Saquisili ist so klein, dass ich mich bücken muss. Auf dem Grill liegt es dann: das knusprig gegrillte Meerschwein. Meine Begleitung bestellt zwei Portionen. Drei Dollar kostet die ecuadorianische Delikatesse.

Eine ältere Frau mit indianischen Gesichtszügen, Hut und langen Leinenkleidern lächelt mich sympathisch mit Zahnlücke an. Sie weiß genau: Gleich wird der „gringo alto blanco“ (der große, weiße Ausländer) zum ersten Mal Meerschwein essen. Ich probiere vorsichtig die etwas ledrige Haut und das hühnchenähnlich Fleisch – ok, das habe ich mir besser vorgestellt. Der Geschmack bleibt etwas fremd. Ich beschließe, dass der Nager beim nächsten Essen mehr Schwein hat und von mir verschont bleibt.

Mit dem typischen blauen Bus geht es zurück durch das bergige Land der 2800 Metern hoch gelegenen Stadt Quito. Der beruhigende Rhythmus der Bachata-Musik, die in fast jedem der Busse und Taxis läuft, schläfert mich ein – gut so. Denn der Busfahrer überholt waghalsig und selbst in den kleinsten Serpetinen. Alle machen das hier so. Aber ich verschlafe die waghalsigen Manöver lieber.

In einer rostigen Gondel über dem Regenwald

Nächster Stop: Mindo. Noch nie habe ich mir ein deutsches TÜV-Siegel so sehr gewünscht wie an diesem Tag. Mindo ist eine kleines Dorf, rund 100 Kilometer von Quito entfernt, unweit des Regenwaldes. Tolle Wasserfälle gibt es hier zu sehen, in denen man sich abkühlen kann. Fünf liegen allein auf einem Weg im Regenwald.

Doch der Weg ist nicht ohne. Eine offene Gondel für vier Personen bringt die Touristen auf die andere Seite des Waldes. In abenteuerlicher Höhe schwebt man ratternd in dieser gelben, rostigen Gondel, nur an einem Drahtseil befestigt, über die Bäume, die, aus der Höhe betrachtet, wie kleine Broccoliröschen aussehen. Am anderen Ende erwarten die Besucher nicht nur die wunderschönen Wasserfälle, sondern auch große Erleichterung, nicht abgestürzt zu sein.

Ohne Spanisch-Kenntnisse kommt man in Quito nicht so weit. In Restaurants, Hotels und auf der Straße sprechen nur ganz wenige Englisch. Bis auf die unzähligen Touristen aus der Schweiz. Die haben als Bergsteigervolk zumindest einen Vorteil, nämlich mit der Höhe. Wer in Quito landet, hat ein paar Tage mit der dünnen Luft in 2800 Metern Höhe zu kämpfen. Kopfweh und Müdigkeit sind die Folge.

Das ganze Jahr Frühling

Auch wer absolute Hitze erwartet, der täuscht sich. Das Wetter ist besonders in Quito das ganze Jahr frühlingshaft. Doch der Schein trügt. Wer sich nicht mit Sonnencreme versorgt, und am besten Lichtschutzfaktor 50 wählt, verbrennt sich ganz schnell.

Von Max Holscher

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