Am Laga d’Idro in der norditalienischen Lombardei ist die Welt noch in Ordnung

Multikulturelles EM-Erlebnis

G Gut gelaunte Fußballfans: Internationale Atmosphäre beim Public Viewing im Holland Restaurant am Idrosee.

Rückblende: Mittwoch, 13. Juni 2012, 20.45 Uhr, am Südhang des Idrosees im „Holland Restaurant“ von Danielle und Peter Voss: Der Schiri des EM-Spiels Deutschland gegen Holland hat gerade die Partie der beiden Erzrivalen angepfiffen. Auf der großen Freiterrasse mit traumhaften Seeblick verfolgen niederländische Gäste, Einheimische, Nordhessen, Iren und die aparte Halbperuanerin und Chefkellnerin Jessica, die mit großer Spannung erwartete fußballerische Auseinandersetzung. Die Atmosphäre ist während der 90 Minuten überaus angenehm, die humorvollen Frotzeleien zwischen den verschiedenen Fangruppen sorgen immer wieder für allgemeines Gelächter.

Deutschland gewinnt am Ende mit 2:1. Die Holländer, allen voran Danielle und Peter, verdrücken heimlich ein paar Tränchen, doch insgesamt wird das gemeinsame sportliche Fernseherlebnis, trotz des Endergebnisses, für alle Beteiligten unvergesslich bleiben.

Der Idrosee, für viele Besucher der Gardasee im Kleinformat, ist jedoch nicht nur im „Restaurant Holland“ multikulti. In der alpinen Ferienregion mit mediterranem Ambiente kann man mit leicht ausgeprägter Kontaktfreudigkeit viele interessante und überaus freundliche Menschen kennenlernen. Wer seine persönliche Hemmschwelle überwindet und sich traut seine – in diesem Falle wenigen – italienischen Vokabeln, in die Waagschale zu werfen, der findet bei den Einheimischen stets ein offenes Ohr und die latente Bereitschaft in einem bunten Mix aus Halbitalienisch, Englisch, und der Zuhilfenahme von Händen und Füßen zu kommunizieren.

Der Barbier vom Idrosee

Auf diese Weise schaffte es der Autor im „Idro-Hair Center“ von Babriere (Barbier) Costantino tatsächlich, das Kürzen seines inzwischen rund 38 Jahre alten Ursprungbartes und die nachfolgende Nassrasur ohne Betriebsunfall zu überstehen. Allerdings musste der „Campiogne de Babiere“ (frei übersetzt „Meister des des Rasiermessers“) zuvor mit einer Tasse Kaffee bestochen werden, damit entgegen der eigentlichen Geschäftsbedingungen (nur Vollangebot mit Waschen, Haarschneiden, Fönen für 18 Euro möglich), das Bart-Prozedere für den Sonderpreis von fünf Euro tatsächlich auch realisiert werden konnte.

Unweit des Salons vom Meister Costantino traf der Autor dieses Reiseberichtes kurz darauf im benachbarten Café auf eine fünfköpfige Motorradgruppe aus Passau. Die Biker Sepp, Jonny, Maik, Walter und Charly legten hier gerade auf ihrer Tour, die unter anderem auf die über 2000 hohe Passstrasse des Monte Baldos und zum Ort der Olympischen Winterspiele Madonna di Campilio führte, eine Rast ein. Anschließend bestiegen die Motorrad-Veteranen im Alter zwischen 56 und 66 Jahren wieder ihre Harleys und setzten ihre Tour in Richtung Gardasee fort.

Für den Verfasser war dies der letzte Urlaubstag am Idrosee. Eines ist für ihn jedoch auf jeden Fall klar. Eine Rückkehr in diese beeindruckende Lombardei-Region wird es schnellstmöglich geben. Weil hier das Leben immer noch sehr beschaulich und ohne unnötige Hektik verläuft. Weil man hier viele interessante Menschen kennenlernen kann und weil – bisher noch unerwähnt – die großartige norditalienische Küche den Tüpfelchen auf das berühmte „i“ setzt.

Von Siggi Görk

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