Das Phaeno in Wolfsburg ist ein Spaß für die ganze Familie

Museum der Superlative

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Sieht aus wie ein Raumschiff, das in der niedersächsischen Steppe gelandet ist: Das von der irakisch-britischen Star-Architektin Zaha Hadid direkt neben dem Wolfsburger Bahnhof gebaute Phaeno.

Das Phaeno in Wolfsburg ist ein Spaß für die ganze Familie.

Am 3. Oktober wurde das Museum Phaeno in Wolfsburg spektakulär zerstört. Der Bau doubelte im RTL-Katastrophenfilm „Helden“ das Genfer Kernforschungszentrums Cern. Dafür wurde der Wissenschaftspark, den der „Guardian“ zu den „zwölf bedeutendsten modernen Bauwerken der Welt“ zählt, an den Genfersee verlegt, wo er einem schwarzen Loch zum Opfer fiel. Schon 2009 spielte das Phaeno in Tom Tykwers Thriller „The International“ die Zentrale einer italienischen Waffenfirma.

In Wirklichkeit steht der expressionistische Bau seit 2005 auf zehn Füßen wie ein gestrandetes Raumschiff in der niedersächsischen Steppe. Fast 80 Millionen Euro hat sich Wolfsburg das von der irakisch-britischen Star-Architektin Zaha Hadid gebaute Mitmachmuseum kosten lassen, mit dem nicht nur Kinder für Naturwissenschaften begeistert werden. Kritiker nennen es „Deutschlands teuersten Kinderspielplatz“.

Häme muss auch die junge Stadt Wolfsburg seit der Gründung 1938 über sich ergehen lassen, die bis 1945 noch den sensationellen Namen „Stadt des KdF-Wagens bei Fallersleben“ trug. Dabei können die 120 000 Einwohner nicht nur stolz auf das Volkswagen-Werk verweisen, die Zentrale von Europas größtem Autobauer, sondern auch auf Attraktionen wie die Autostadt, das Kunstmuseum und den Fußball-Club VfL. Das kurzweiligste Projekt in der Stadt der Superlative ist indes das filmreife Phaeno. Es ist eine lehrreiche Mischung aus Museum und Vergnügungspark für die ganze Familie.

Experimentieren und entdecken

An 350 Experimentierstationen auf mehr als 9000 Quadratmetern können Besucher verblüffende Erfahrungen machen. Sie erleben die Schwerkraft, zweifeln in einem schiefen Holzhaus an ihren Sinnen und bauen kleine Brücken, über die sie anschließend selbst gehen. Fast überall erlebt man einen Aha-Effekt.

Zum Umfallen: In einem schiefen Haus lernt man, seinen Sinnen zu misstrauen.

„Da staunst du“ lautet das Phaeno-Motto. „Uns geht es um ein Rückbesinnen auf reale Erlebnisse, mit denen man das Denken in Gang setzt“, sagt Geschäftsführer Michael Junge, der seit Oktober im Amt ist und ein funktionierendes Haus vorfand. 200 000 Besucher jährlich sind nötig, damit sich das Phaeno trägt. Zuletzt kamen 250 000.

Die erleben noch bis zum 23. Februar 2014 die Sonderausstellung „Mathe x anders“. Sie zeigt, dass Rechnen sehr viel mehr Spaß macht als die komplizierten Gleichungen früher im Unterricht. Dabei kommen kaum Zahlen vor, sondern fast nur Muster und Formen. Für die Kleinsten gibt es eine Kletterburg aus Oktaedern. Schattenmuster veranschaulichen geometrische Figuren. So spannend wie bei diesen Raumerfahrungen hat man Mathe selten erlebt. „Die Ausstellung kann den Unterricht nicht ersetzen, aber sie kann einen Kick geben“, sagt der Physiker Dominik Essing, der die Schau konzipiert hat.

Einen besonderen Kick gibt auch der Feuertornado, ebenfalls ein Superlativ. Fünf Meter hoch wirbelt die flammende Windhose. Anders als im RTL-Katastrophenfilm übersteht das Phaeno Europas größten Feuertornado jedoch ohne Schäden.

Service: Tag der offenen Tür am 23. November

Adresse: Willy-Brandt-Platz 1 (direkt neben dem Bahnhof)
Öffnungszeiten: dienstags bis freitags 9 bis 17 Uhr, samstags, sonntags und feiertags 10 bis 18 Uhr.
Eintritt: Erwachsene 12,50 Euro (ermäßigt 9,50 Euro), Kinder (ab sechs Jahren) 8 Euro. Für Familien gibt es Tageskarten zu 18 und 27,50 Euro.
Tag der offenen Tür: Am 23. November feiert das Phaeno seinen achten Geburtstag – Eintritt frei. Ab 22 Uhr mit House-Party. www.phaeno.de

Von Matthias Lohr

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