Im ländlichen Bad Birnbach in Niederbayern fließt Europas längster Thermenbach

Mit Musik den Bach runter

Im warmen Wasser baden: Das bunte Farbenspiel im ersten und längsten Thermenbach Europas wird von inspirierender Musik begleitet. Foto: Lädtke

Ein Stück unentdecktes Altbayern: Überall freie Sicht über eine betonfreie Hügellandschaft, die am Horizont mit dem Himmel ein Rendezvous feiert. An Sommerabenden, wenn die Erde den glutroten Sonnenball wie in einem Heimatfilm scheinbar verschluckt, ist der „Sonnenhügel“ der aussichtsreichste Logenplatz. In Bad Birnbach ist das „Event“ genug. Der niederbayerische Kurort mit der Rottal Terme (ohne „h“) ist nicht so geschichtsträchtig oder so mondän wie Marienbad oder Karlsbad auf der anderen Seite der bayerisch-böhmischen Grenze. In dem ländlichen Bad sind die Nächte auch nicht heiß, dafür ist das Wasser warm und auf der weitläufigen Kuranlage fließt der längste Thermenbach Europas. Und da ist Musik drin.

Auf einer 105 Meter langen Wasserstraße gehen Gäste im 33 Grad warmen Nass unter freiem Himmel den Bach runter. Das senkt den Puls und killt den Stress. Bei Dunkelheit sieht der Thermenfluss aus, als wären Nordlichter in sein Wasser gefallen. Violett, rosa und gelb leuchtet der Bach. Das wohlige Dahintreiben beschleunigt zwar nicht die Heilung von Wehwehchen, dafür aber den Spaßfaktor beim Kuren ganz erheblich.

Unter dem Körper blubbert das Wasser

Also rein ins Wasser und her mit der Poolnudel – die blaue um den Hals, die grüne unter die Beine. Unterm Po blubbert und sprudelt es. Ein kribbeliger Strudel gibt dem Körper einen leichten Schubs. Los geht das kurvenreiche Gleiten auf dem Wasserkarussell. Hinter der ersten Kurve, erste Einfahrt rechts, lösen im Musikpavillon Dur und Moll das Plätschern der kleinen Wasserfälle, Schwanenhälse und Nackenduschen ab. Aus einer gläsernen Bodenplatte des spritzigen Musikzimmers suchen sich bunte Lichter ihren Weg durch das Wasser und tanzen an der Decke Ringelreihen. Smetanas „Moldau“ wäre für die Musikstation sicher eine Nummer zu gewaltig gewesen, und Schuberts „Forelle“ würde der Geschwindigkeit des Bachlauf stets voraus eilen.

Gegen den Strom

Meditative, entspannende Melodien lassen den Gast zur Ruhe kommen, wenn er auf einer Liege über und unter Wasser der Musik lauscht, um dann durch ein Obstgärtchen weiter zu treiben. Fünf Minuten, einmal rund herum. Wer lieber gegen den Strom schwimmt – bitteschön. Aber das ist eine harte Nuss, auch im beschaulichen Birnbacher Softströmungskanal.

Von Manfred Lädtke

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