Der Südwesten Irlands ist von Touristen noch wenig entdeckt, hat aber viel Außergewöhnliches zu bieten

Mystisches auf Schritt und Tritt

3000 Jahre alt: Der Steinkreis Drombeg in der Nähe von Glandore ist der einzige Steinkreis , der nicht umgestürzt war, sondern in ursprünglicher Lage entdeckt wurde.

Ich habe eins gefunden!“ Die sechsjährige Clara hat in einer Baumwurzel ein kleines Holzhäuschen mit einer knallgrünen Tür entdeckt, das Häuschen einer Fee. Andere kleine Mädchen haben es auch schon gesehen und der Fee kleine Geschenke hinterlassen: Muscheln und Münzen, Federn und Blumen, Schleifen und Lametta schmücken die hölzernen Herbergen der Zauberwesen. Die sind übrigens zum Leidwesen der kleinen Besucher nicht zu Hause – ausgeflogen bis zur Dämmerung.

Der mystische Feenweg im Rineen Forest, dem „Wald für kleine Leute“, am Ufer einer Bucht ist eine kleine Attraktion nahe Union Hall in West-Cork. Hier, im von Touristen noch wenig entdeckten Südwesten Irlands, stößt man häufig auf Geheimnisvolles. Zum Beispiel auf Steinkreise: 300 gibt es im Umkreis von 20 Kilometern in West-Cork. Der bedeutendste ist der 3000 Jahre alte Drombeg-Steinkreis in der Nähe von Glandore, der einzige Steinkreis, der nicht umgestürzt war, sondern in ursprünglicher Lage entdeckt wurde.

Mystisches gibt es auch im Museum des herrschaftlichen Anwesens Drishane House in Castletownsend. Hausherr Thomas Somerville öffnet eine kleine Schachtel erst, nachdem er die Bewandtnis des Inhalts erzählt hat: Den winzigen, vermutlich ledernen Kobold-Schuh mit abgelaufenem Absatz fand einst ein Landarbeiter im Moor. Man soll, hält man ihn kurz auf der Hand, sich etwas wünschen können.

Ein Not-Domizil für die Schweizer Regierung

Noch etwas einst Geheimes: Weil die Gegend wenig bekannt ist, nutzte der Schweizer Geheimdienst bis vor zwei Jahrzehnten ein altes Herrenhaus nahe Skibbereen, um die Berner Regierung im Falle einer sowjetischen Invasion dorthin auszufliegen. Heute kann man in dem Refugium – mittlerweile das exklusive Familienhotel Liss Ard Estate – mit dem nötigen Kleingeld richtig entspannenden Urlaub machen.

Freiwillig steuern wir nicht allabendlich in einen Pub, oh nein. Der geheimnisvolle „Laternenmann“ ist es, der uns hineinzieht. Denn der, wie Fremdenführerin Barbara uns augenzwinkernd weis macht, trinke nicht gern allein. Doch Achtung: Wenn das letzte Glas Guiness geleert ist, leuchtet dir der Laternenmann vielleicht nicht heim, sondern führt dich in die Irre.

Pub-Besuche lohnen dennoch: In den Lokalen herrscht eine familiäre Atmosphäre, der sich der Fremde nicht entziehen kann. Schnell sind neue Freundschaften geschlossen und mancher wird gefragt, ob er nicht zu aller Erfreuung auch ein Lied anstimmen möchte. Die Einheimischen jedenfalls lassen sich nicht lange bitten und tanzen auch spontan und gern.

Schon tagsüber lohnt die Einkehr in einem der gemütlichen Pubs. Die mit Kartoffel und Milch angedickte Fisch-Muschel-Suppe („Chowder“) und Sandwiches mit verschiedenem Belag von Putenbraten und Käse bis zu Krabbenfleisch und Lachs gehören als Mittagessen einfach mal probiert. Aber auch Fisch und Chips können, wenn frisch aus der Küche, sehr schmackhaft sein.

Dem Meer nahe ist man in dem idyllischen Fischerdorf Baltimore, ein Dorado für Angler und Segler. Sogar zum Wale und Delfine beobachten wird hier abgelegt – oder auch nur auf eine der vorgelagerten Inseln übergesetzt, auf denen es ebenfalls immer einen Pub gibt, wo schon mittags der Laternenmann zu einem Hot Toddy, einem Grog auf irische Art, verführen kann.

Von Stefan Forbert

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