Der weitgehend unentdeckte Norden Südwestafrikas lockt mit atemberaubender Natur

In Namibia das Weite suchen

Auto mit Aussicht: Der Nordwesten Namibias lässt sich am besten mit einer Safari ium Geländewagen erkunden. Fotos: Dieter Salzmann

Gaan vorby – geh weiter! Wir waren zuerst da. Das ist das Gesetz der Wüste.“ Der, den Safari-Guide Douw Steyn gerade auf Afrikaans anspricht, ist ein ausgewachsener Elefant, der sich dem Zeltlager am ausgetrockneten Hoanib-Fluss in der namibischen Wüste nahe der Skelettküste bis auf ein paar Meter genähert hat. Der graue Riese stellt seine Ohren nach außen und schwenkt seinen Kopf, geht ein Stück weiter, dreht sich wieder um. Sehr behaglich wirkt das nicht. Die Safaristen aus Europa bleiben hinter dem Landrover in Deckung, unsicher, ob der Dickhäuter verstanden hat, was Douw ihm zugerufen hat. Schließlich dreht er ab und trottet gemächlich weiter.

Begegnungen wie diese gehören im fast unbesiedelten Nordwesten Namibias, dem Kunene-Gebiet, zum Alltag. Gegen Abend trotten Elefanten meist friedlich und im Grunde genommen uninteressiert durchs Lager. Wer nachts mal raus muss, dem kann es passieren, dass er im Schein der Taschenlampe in gar nicht so ferne grüne Augenpaare blickt, die in der Dunkelheit funkeln.

Endlose Weiten

Etwa eine Million Touristen besuchen Namibia jedes Jahr, davon rund 90 000 aus Deutschland. Sie zieht es vor allem zum Etosha-Nationalpark 400 Kilometer nördlich der Hauptstadt Windhuk oder den Sossusvlei-Dünen in der südlichen Namib-Wüste, die als die höchsten der Welt gelten. Ins Kunene-Gebiet verschlägt es nur Wenige. Orte gibt es kaum. Die Bewohner gehören meist dem Stamm der Himba an, eines der letzten Nomadenvölker Afrikas.

Im Norwesten Nambias ist die Wildnis noch besonders wild. Mondlandschaften aus bizarren Sandhügeln wechseln in Ebenen, die von schwarzen und roten Steinen übersät sind. Der Landrover holpert durch schroffe Canyons und schaukelt um Gesteinbrocken herum. Dann wieder endlose Sandwüste, an deren Horizont die rötlichen Tafelberge durch Luftspiegelungen zu schweben scheinen. Wer das Weite sucht, der ist in dieser Ecke der Welt richtig. Dazu kommt die Stille. Sie ist so eindringlich, dass man seinen Ohren nicht traut.

Immer wieder wird die Wüste von ausgetrockneten Flussbetten durchzogen, in denen eine erstaunliche Zahl von Pflanzen wächst. Überall, wo auch nur eine Spur von Wasser vorhanden ist – und sei es ein paar Meter unter dem Boden – tummeln sich die Wüstentiere: Zebras, Giraffen, Elefanten, Erdmännchen – und allgegenwärtig die zierlichen Springböcke und die behäbig wirkenden Oryxantilopen. Schwerer zu finden sind die Spitzmaulnashörner, die sich im Busch verstecken.

Für die Touristen spüren Wildhüter die Rhinos auf. Die Touristen folgen mit einigem Abstand. „Es ist Blacky-Blacky“, sagt Ranger Matthias, der das Tier durchs Fernglas erpäht und anhand einer Markierung auf dem Schulterblatt idetifiziert hat.

Blacky-Blacky guckt zurück. Erkennen kann es nichts, denn Nashörner sehen nur 30 Meter weit scharf. Riechen und hören können sie umso besser. Also: Die Windrichtung muss stimmen, und keiner darf reden. Beobachtet werden die Tiere nicht aus dem Auto heraus sondern zu Fuß. Fünf Minuten klicken die Fotoapparate, dann ist Abmarsch. Das Tier soll nicht beunruhigt werden.

Am Abend werden die Wüstenabenteuer am Lagerfeuer zur Anekdote. Der Elefant wird größer, und er kam noch näher. Und die grünen Augen in der Nacht: Das muss ein Löwe gewesen sein. Mindestens.

Von Dieter Salzmann

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