Wie in Hongkong der Übergang vom Jahr des Drachen zum Jahr der Schlange gefeiert wird

Neujahrsfest: China häutet sich

G Symbol für Glück: Das chinesische Neujahrsfest ist der wichtigste Feiertag im Jahr. Die überall hängenden roten Laternen sollen Glück bringen. H Jahr der Schlange: Sogar eine Sonderbriefmarke wird zum Beginn des neuen Jahres herausgegeben. Fotos: dpa

Familie Lo Kong hat zum Ausklang des alten Jahres Nachbarn, Freunde und Verwandte eingeladen. Sogar Langnasen – Touristen aus dem Westen – sind neuerdings zum Jahreswechsel willkommen.

Lo Kong Yin Ho, die uns vergangenes Jahr um diese Zeit zum Neujahrsfest eingeladen hatte, arbeitet als Krankenschwester in einer Ambulanz, ihr Mann pflegt als Gärtner den Hongkong-Park. Sie wohnen mit ihren drei Kindern und ihren alten Eltern in einer 80 Quadratmeter großen Hochhauswohnung in Hongkong.

Mehr als 15 Jahre nach der Übergabe der britischen Kronkolonie an die Volksrepublik China liegt die aufregendste Metropole des Fernen Ostens wieder voll im Trend. Einige Jahre lang hatten ganz unterschiedliche „Taifune“ das Tourismusgeschäft durchgerüttelt: Auf die Skepsis, die mit dem britischen Abzug im Sommer 1997 verbunden war, folgten ökonomische Rückschläge und die Sars-Krise.

Aber Hongkong-Chinesen sind noch pragmatischer als ihre chinesischen Landsleute. Sie versuchten gar nicht erst Shanghai zu kopieren. Die Mega-City hat ihrer Meinung nach viel Glanz, aber wenig Herz. Stattdessen setzten sie auf neue Attraktionen: Ein Disneyland der Superlative; eine Gondelbahn, die stündlich 3500 Passagiere nach Lantau bringen kann, die größte der vorgelagerten Inseln; eine Laser- und Lichtershow, die jeden Abend drei Dutzend Wolkenkratzer verzaubert.

Sauber ins neue Jahr

Andererseits werden in Hongkong die alten Traditionen hochgehalten. So wird Frau Lo Kong bald beginnen, die Wohnung intensiv zu putzen. Und sie wird dabei glücksbringende Bambuszweige ans Rohr des Staubsaugers binden. Herr Lo Kong hingegen wird seine Schulden im Wettbüro und beim Zigarettenhändler begleichen – so geht jeder auf seine Art „sauber“ ins neue Jahr. Und vorsichtshalber werden sie demnächst tagelang, wie fast alle Hongkong-Einwohner, Melonenkerne kauen – weil der chinesische Name dafür wie der Begriff für Silber klingt.

Die Neujahrstage sind für das Geschäftsleben der Stadt eine Zeit des Innehaltens. Auf der Nathan Road, der Goldenen Meile von Kowloon, wie auch im Finanzdistrikt von Hongkong Island hält sich drei Tage lang das sonst übliche Gedrängel in Grenzen.

Für Touristen gibt es dennoch viel zu sehen: im rauchgeschwängerten Man Mo Tempel zum Beispiel, wo der Gott des Krieges und der Gott der Literatur unter einem Dach verehrt werden oder im Teehaus Luk Yu an der Stanley Street, wo es die besten Dim Sums der Stadt gibt und die alten Herren noch immer ihre Singvögel mitbringen.

Auch Hongkong-Besucher, die weder Zeit noch Gelegenheit für ein Neujahrsfest im chinesischen Familienkreis finden, können den Einstieg in den neuen Mondkalender auf andere Weise spannend miterleben. Höhepunkte für Hunderttausende sind die Paraden, bei denen Tausende von Tänzern und Trommlern durch die Straßen der City ziehen, sowie das teuerste Feuerwerk der Welt. Fast eine Stunde lang wird dabei der Hafen von Victoria hell erleuchtet sein.

Von Bernd Schiller

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