Die westfriesische Insel steht jetzt im Zeichen der Kunst, der menschenleeren Strände und der Schafe

November auf Ameland

Zutritt erlaubt: Einsame Strände laden zu ausgedehnten Spaziergängen ein. 2 Fotos: Traub 

Die 25 Kilometer lange und nur vier Kilometer breite Insel steht im November im Zeichen der Kunst. Vor allem niederländische Künstler zeigen Malerei, Fotografie und Skulpturen – mal gegenständlich, mal abstrakt. Viele Werke behandeln maritime Themen. Der Weg zur Kunst hat zahlreiche Stationen, die über die ganze Insel verstreut sind. So lernt man nicht nur Ameland kennen, sondern macht auch Bekanntschaft mit Einheimischen und Urlaubern, die die Kunst auf Trab bringt.

Eine kunstbeflissene Dame lobt die Ausstellung im Museum Sorgdrager in Hollum, das darüber hinaus mit der Inselhistorie vertraut macht. Ihr Mann hält es mehr mit der Natur und empfiehlt den Aufstieg auf einen der drei Blinkerts. Das sind die bis zu 24 Meter hohen Dünen, deren Name darauf verweist, dass ihr weißer Sand im Sonnenlicht blinkt. Einig ist man sich unter den Kunst-Ausflüglern, dass der Besuch der kleinen Kirchen, von denen jeder der vier Orte mindestens zwei besitzt, am lohnenswertesten ist.

Begehbarer Wal

Die Geschichte Amelands ist in den Dörfern sichtbar geblieben. Neben alten Höfen bestimmen vor allem die stattlichen Kommandeurshäuser aus dem 17. und 18. Jahrhundert das Bild. Hier lebten die Familien der Walfänger.

Heute ruft ein begehbarer Finnwal vor dem Naturkundemuseum diese Zeit in Erinnerung. Auch der alte Turm von Nes, um den sich die Häuser des Ortes gruppieren, ist ein Zeitzeuge. Früher fungierte er als Seebake.

Nach Einbruch der Dunkelheit werden die baumbestandenen Gassen in das gelbliche Licht der alten Laternen getaucht. Die letzten Radler holpern über das Riemchenpflaster. Aus den Cafés und Restaurants schimmert einladend Kerzenlicht: Gemütlichkeit allenthalben. Man kommt am Kamin zusammen, trinkt einen mit Bitter aufgerüsteten Ameländer Koffie und tauscht sich aus. Die einen wollen morgen durch das Naturschutzgebiet Het Oerd wandern. Andere möchten über den Deich am Wattenmeer radeln.

Man lebt sich schnell ein auf Ameland, wo es aufgrund des kühlen Nordseewassers weniger regnet als auf dem Festland. Dafür scheint häufiger die Sonne – auch im Herbst. Man genießt die Ruhe, die saubere Luft und die Naturimpressionen, beobachtet das beruhigende Spiel der Wellen, folgt den Wolkenbergen, die sich Richtung Festland verziehen, und lässt sich vom Wind, der durch den Strandhafer raschelt, treiben. Und die Schafe, die sich in Ruhe die Wiese des Picknick-Platzes vornehmen, wissen es auch: Die Urlaubermassen sind längst abgereist.

Von Ulrich Traub

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