Im thüringischen Altenburg wurde vor fast 200 Jahren das Skatspiel erfunden

Null Ouvert in Altenburg

GReizvolle Altstadt: Altenburg ist nicht nur für Skatspieler interessant. In der Altstadt – hier der Hauptmarkt mit Rathaus und Brüderkirche – lässt es sich herrlich bummeln. Fotos:  Krappe

Jeder Skatspieler bekommt glänzende Augen, wenn er diese Begriffe hört: 18, 20, Kontra, Re, Grand, Null Ouvert. Erfunden wurde das packende Kartenspiel vor fast 200 Jahren im thüringischen Altenburg. „Es entstand aus dem bayerischen Schafkopf, dem italienischen Tarock, dem spanischen L’Hombre und dem in Süddeutschland beheimateten Solo“, berichtet Gästeführerin Margot Perez.

Wer auf dem Spielkarten-Erlebnispfad durch Altenburg schlendert, der taucht ein in eine 1000-jährige Altstadt und – im 1923 gegründeten Spielkartenmuseum im Residenzschloss – in 500 Jahre Spielkartengeschichte.

Vom Residenzschloss folgt man aufs Pflaster gesprühten Spielkartenzeichen und kommt so zum Skatbrunnen, aus dem seit 1903 das Wasser sprudelt. „Wer hier seine Spielkarten tauft, dem wird allzeit "Gut Blatt" beschert“, meint Margot Perez. Bisweilen lugt auch das Wahrzeichen Altenburgs, die Roten Spitzen, durchs Häusermeer. Es sind die erhalten gebliebenen romanischen Türme der Marienkirche des ehemaligen Bergerklosters. Über den Weibermarkt gelangt man zum Hauptmarkt mit dem Renaissance-Rathaus aus dem 16. Jahrhundert und der Brüderkirche im neogotischen Backsteinstil.

Die älteste in Altenburg hergestellte Spielkarte soll aus dem Jahre 1509 stammen. Die industrielle Kartenproduktion begann in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Damals entstand die „Herzogliche Sächsische Altenburgische Concessionierte Spielkartenfabrik der Gebrüder Bechstein“. Ab 1931 firmierte sie als „Vereinige Altenburger und Stralsunder Spielkartenfabriken“. 1946 wurde die Fabrik von russischen Soldaten demontiert und als Reparationsleistung in die damalige UdSSR geliefert. Auch die 6000 Kartenspiele und weitere Dokumente des Museums verschwanden in Transportkisten und blieben für immer verschollen. Aus übersehenen Resten, durch Zukäufe auf Auktionen und Schenkungen konnte das Museum in den Folgejahren langsam wieder aufgebaut werden.

Neben Skat finden sich auch andere Kartenspiele wie Rommé, Bridge, Quartett, Schwarzer Peter oder Zauberkarten aus vielen Ländern in den Museumsvitrinen. Ein Spielkartenschränkchen mit Kartenpresse aus dem 19. Jahrhundert, Spieltische und eine ehemalige Kartenmacherwerkstadt sind ebenso zu bestaunen wie kuriose Dinge: Schnapsgläser, Aschenbecher oder ein Kaffeeservice – versehen mit Kreuz-, Pik-, Herz- und Karo-Enblemen.

Bereits 1948 konnte die Spielkartenfertigung in Altenburg wieder aufgenommen werden. Nach mehreren Inhaberwechseln ist die heutige Fabrik Marktführer in Deutschland. Es darf also weiterhin gereizt werden – nicht nur in Altenburg.

Von Dagmar Krappe

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