Ohne Hysterie durchs Land

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Sonnenschein in Oslo: Das Hafengebiet ist eines der beliebtesten – und teuersten – Viertel der norwegischen Hauptstadt. Fotos:  Plikat

Der Bergenser an sich ist ein Sonnen-Hysteriker.“ Unsere blonde Reiseleiterin lächelt und öffnet ihren Regenschirm. Wir besichtigen das historische Hafenviertel. Zum gefühlten zehnten Mal an diesem Tag werden wir nass. Es regnet in Bergen, der zweitgrößten Stadt Norwegens. Und das nicht erst seit heute. Sondern seit ein paar Wochen. Ununterbrochen.

Und was hat das jetzt mit Hysterie zu tun? Ganz einfach: Scheint in Bergen mal die Sonne, dann strömen die Menschen auf die Straße und sind einfach nur glücklich. Arbeitnehmer bekommen frei, die Kinder können früher aus der Schule nach Hause. Sonnenschein wird hier richtig gefeiert. Sagt zumindest unsere Reiseleiterin. Die muss es wissen, schließlich lebt sie hier.

Aber egal, wir sind nicht zum Klagen hier. Wir wollen die Schönheiten Norwegens erkunden. Und die findet man in Bergen und Umgebung reichlich.

Wir starteten unsere Reise aber in der Hauptstadt Oslo. Mit Sonne. Viel Sonne. Mit blauem Himmel, dem Meer direkt vor der Haustür und einem quirligen neuen Stadtviertel Tjuvholmen, das auf einer Halbinsel im Oslo-Fjord liegt.

Wie ein Eisberg im Meer

Hier reihen sich gemütliche Kneipen, Restaurants und Boutiquen aneinander. Nach einem gemütlichen Spaziergang durch die Stadt ist die neue Oper direkt am Hafen das Ziel.

Mit ihrer Architektur ist sie einem treibenden Eisberg nachempfunden – statt Eis wurde hier aber tonnenweise weißer Marmor verbaut. Baukosten: rund 520 Millionen Euro. Trotzdem, das Gebäude lässt nicht nur die Herzen von Architektur-Fans höher schlagen. Denn wer den steilen Weg bis auf das Dach der Oper bewältigt hat, muss erstmal durchschnaufen – wird dann aber mit einem fantastischen Blick auf den Hafen belohnt. Wenn die Sonne hinter dem Hafen untergeht, die weiße Oper in diffuses Licht taucht und sich die Schiffe und Häuser in den riesigen Glasfronten spiegeln, kommt echte Romantik auf.

Doch jetzt geht es raus in die Natur – dafür ist Norwegen schließlich bekannt. Mit der Bergenbahn fahren wir am nächsten Morgen nach Gol im Hallingdal, wo wir schon von Knut erwartet werden. Der eingefleischte Naturfan wird uns die Schönheit des Gebirges Storefjell bei einer mehrstündigen Wanderung zeigen. Alle tragen regenfeste Kleidung, doch es bleibt trocken, ab und zu blitzt sogar die Sonne durch die grauen Wolken.

Am nächsten Morgen steigen wir wieder in die Bergenbahn und fahren nach Myrdal. Unterwegs regnet es, je höher wir ins Gebirge kommen, desto schneller verwandeln sich die Regentropfen in Schneeflocken. Es ist September – also nichts besonderes in Norwegen. In Myrdal steigen wir in die berühmte Flåmbahn um. Holprig geht es wieder bergab, durch enge Schluchten, tiefe Täler, vorbei an Wasserfällen und bunten Holzhäuschen in Richtung Aurlandsfjord und Nærøyfjord, der zum Unesco Welterbe zählt. Mit einem Schiff kreuzen wir wenig später durch die wunderschöne Fjordlandschaft – wenn jetzt noch die Sonne scheinen würde, wäre das kaum noch zu toppen. Nach einigen Stunden legen wir in Gudvangen an, von dort geht es am nächsten Morgen weiter mit Linienbus und Zug nach Bergen. Es regnet in Strömen. Stadtbesichtigung. Wir werden nass. Trotz Regenschirms. Wir sehen Bryggen, das berühmte Hafenviertel mit den alten Hansehäusern. Das Viertel gehört zum Unesco Weltkulturerbe. Wunderschön.

Wir hätten gern Bergen in der Sonne und somit einen sonnenhysterischen Bergenser kennengelernt. Vielleicht beim nächsten Mal.

Informationen:

Innovation Norway, Caffamacherreihe 5, 20355 Hamburg, Tel.: 01 80 / 5 00 15 48 (0,14 Euro/Min.) Internet: www.visitnorway.de www.visitoslo.com www.visitbergen.com www.eventyrveien.com

Von Kathrin Plikat

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