Essen in der Veggie-Hauptstadt Europas: Im belgischen Gent gibt es für jeden Geschmack Restaurants

Ohne Stigma vegan genießen

Im Sommer ein beliebter Treffpunkt: Vor den alten Gildehäusern in der Genter Innenstadt legen Boote an. Mit den Booten kann man romantische und informative Grachtenfahrten über die Schelde und Leie buchen. An milden Abenden sind die Restaurants und Cafés ein Anziehungspunkt.

Warum vegetarisch? Warum auch nicht!“, geht Kevin Storms offensiv mit seiner Einstellung um, während er geräucherten Tofu in dünne Scheiben schneidet und zusammenrollt. Die Gäste in der Schulungsküche seines Restaurants „Avalon“ in der Innenstadt von Gent schauen ihm dabei genau auf die Finger, sind skeptisch, was die vegane Küche wohl zu bieten hat.

Storms selbst geht äußerlich ganz locker mit der Skepsis um. „Wir stigmatisieren hier niemanden“, erzählt der Koch. „Man ist nicht entweder Vegetarier oder nicht. Hier geht es darum, dass das Essen überzeugt.“ Da stört es auch nicht, dass nur einige Straßen weiter im Fleischhaus, in dem früher Wurstwaren in großen Mengen den Besitzer wechselten, noch immer dutzende Schinken zum Trocknen von der Decke hängen.

Essen worauf man Lust hat

Storms selbst ist sogenannter Flexitarier und isst, worauf er gerade Lust hat – mal mehrere Wochen vegan und dann wieder einige Tage Fleisch und Fisch. Nur in seinem Restaurant ist alles streng vegan.

Ein Grund für ein rein veganes Restaurant ist die starke vegetarische Bewegung in Gent. Die Stadt hat als erste weltweit im Jahr 2009 einen wöchentlichen Vegetariertag ausgerufen. Jeden Donnerstag wird in allen öffentlichen Einrichtungen fleischfrei gegessen. Zudem gibt es mittlerweile im Verhältnis zur Einwohnerzahl die meisten vegetarischen Restaurants in Europa. Das alles verleiht Gent den inoffiziellen Titel europäische Veggie-Hauptstadt.

Die Ethisch-vegetarische Alternative (EVA) hat dafür extra einen vegetarischen Stadtplan herausgegeben – mit knapp 100 vegetarischen Restaurants. Zusätzlich vegetarische Pommesbuden – Belgiens Nationalgericht – Supermärkte und Übernachtungsmöglichkeiten.

„Warum vegetarisch? Warum auch nicht!“

Kevin Storms

Für Kevin Storms hat das vegane Kochen auch im Alltag seine Reize. Er verwendet viele saisonale und regionale Produkte. „Da weiß man morgens nie, was man genau geliefert bekommt“, schmunzelt der Koch. Dabei sei viel Inspiration nötig, um täglich die Karte zu füllen. „Viele Anregungen entnehme ich dabei aus der französischen Küche – die haben einfach unglaublich viele Arten, Gemüse zuzubereiten“, sagt Storms und macht sich daran, Erbsen in einem starken Mixer zu pürieren. Für ihn zählt das Ergebnis, dass das Essen schmeckt, die Gäste zufrieden sind. Storms: „Essen ist Genuss – und das geht auch vegan.“

Von Reemt Bernert

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