Reise: Die Meinung der anderen

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Kritischer Gast: in bewertungsportalen im internet können Gäste ihre Unterkunft beurteilen und zukünftige besucher können sich vorab informieren.

Immer mehr Urlauber orientieren sich bei der Suche nach ihrer Ferienunterkunft an den Bewertungen im Internet. Aber wie nützlich und hilfreich sind diese Informationen?

Können Verbraucher auf ausgewogene Kritik und berechtigtes Lob hoffen? Sind die Angaben korrekt oder wird gar geschummelt?

„Die Betten waren sehr alt und abgenutzt, vom Kopfkissen bekam ich Hautausschlag“: Wer so eine Bewertung im Internet liest, wird sich zweimal überlegen, ob er das Hotel bucht.

Doch was taugen Bewertungen im Internet wirklich? Können Verbraucher dort auf ausgewogene Kritik und berechtigtes Lob hoffen, schreiben in der Mehrzahl doch nur die ewigen Nörgler – oder sind es gar Marketingstrategen, die ziemlich plumpe Positiv-PR streuen?

SO BEWERTEN SIE RICHTIG

Um Ärger zu vermeiden, sollten Urlauber auf Bewertungsportalen nur über Hotels urteilen, in denen sie wirklich übernachtet haben.

Kritik sollte dabei sachlich und begründet formuliert werden, auf jeden Fall sollte man persönliche Angriffe auf Personen vermeiden. Wichtig ist, den Unterschied zwischen Meinungsäußerung und Tatsachenbehauptung zu beachten.

Tatsachen müssen bewiesen werden können – andernfalls droht dem Autor im Extremfall eine Schadensersatzklage.

Urlauber sollten also beispielsweise schreiben „Das Essen hat mir nicht geschmeckt“, anstatt „Das Essen ist schlecht“.

Die Stiftung Warentest hat vor Kurzem Hotelbewertungsportale und Bewertungen auf Buchungsseiten vor allem in Bezug auf Manipulationsmöglichkeiten unter die Lupe genommen – und festgestellt, dass sich die meisten Anbieter von Falschbewertungen täuschen lassen. Einzig die Seite „hotelkritiken. de“, wo alle Einträge gegengelesen werden, erhielt die Note „gut“ für das Herausfiltern manipulierter Texte.

Dafür ist aber die Hotelauswahl mit knapp 7000 dort gering. Testsieger mit der Gesamtnote „gut“ wurde „holidaycheck.de“. Die Seite bietet Bewertungen von gut 82 000 Hotels und filtert fingierte Bewertungen mittels einer automatischen Vorprüfung und einem Team von Gegenlesern „befriedigend“ heraus. Dem Rezensenten können Leser Fragen schicken, der Hotelier kann jede Bewertung kommentieren. Das Portal „tripadvisor.de“ hat mit gut 450 000 Bewertungen zwar ein riesiges Portfolio von Hotels, tut den Testern zufolge aber „zu wenig, um Manipulationen auszusortieren“.

Auch deshalb sehen Verbraucherschützer Internet-Bewertungen eher kritisch. „Verbraucher sollten sich nicht primär darauf verlassen“, sagt Georg Tryba von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Unabhängig von etwaigen Fälschungen sollten Leser auch im Hinterkopf haben, dass die Einträge „sehr subjektiv“ seien. Hilfreich ist es in solchen Fällen, das persönliche Profil der Bewerter genauer anzuschauen, um festzustellen, ob man auch Gemeinsamkeiten bezüglich des Anspruchs an den Urlaub hat.

Bei der Lektüre der Bewertungen sollte man genau darauf achten, ob die negativ angemerkten Punkte nicht vielleicht nur auf einem individuellen Problem basieren. Stutzig machen sollten einen zu geschliffen wirkende Formulierungen – das könnten von Hoteliers bzw. Veranstaltern selbst verfasste oder in Auftrag gegebene Texte sein. Um einen guten Überblick zu bekommen, sollte man mehrere Portale aufrufen und jeweils positive und negative Kritiken lesen. Die Aktualität des Eintrags und die Anzahl der Aufrufe sowie die Angaben, wie viele sie für nützlich halten, sind zudem wichtige Kriterien, um hilfreiche Bewertungen zu finden.

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Die bessere Verbindung

Das Gewicht unbemerkter Fälschungen oder unsachlicher Kommentare vergrößert sich, wenn insgesamt nur wenige Bewertungen vorliegen. Um die Basis für ihre Beurteilung zu vergrößern, sollten Reisende deshalb die Bewertungen auf unterschiedlichen Portalen vergleichen. Auch wer Bewertungen nur als einen Baustein seiner Planung betrachtet, kann aus ihnen Nutzen ziehen: „Ich kann bestimmte Dinge entdecken, die mir wichtig sind, die aber in den Hotelbeschreibungen nicht erwähnt werden“, erklärt Tryba. Als hilfreich können sich Fotos oder Videos entpuppen, die Urlauber auf Portalen eingestellt haben. Unter anderem Holidaycheck, Tripadvisor, Trivago und Zoover erlauben dies. Viele Portale bieten gleichzeitig einen Preisvergleich an.

So fies schummeln Reiseanbieter auf ihren Fotos

Hotel Korfu
Fotos im Reisekatalog versprechen einen Traumurlaub. Doch es ist oft eine Frage der Perspektive oder des Blickwinkels: Das Foto im Katalog zeigt ein schönes Hotel in einer malerischen Landschaft. © Holidaycheck
Hotel Korfu
Das (Katalog-) Foto zeigt einen halbwegs akzeptablen Strand auf der griechischen Insel Korfu. © Holidaycheck
Hotel Korfu
Doch, sieht man auf einer größeren Ansicht auf dem Strand, merkt man, dass hier vermutlich nur das sprichwörtliche Handtuch Platz hat und dass es obendrein mit der Sauberkeit auch nicht zum Besten bestellt ist. © Holidaycheck
Hotel Pool Katalog
Perfekter Pool auf Lanzarote. Im Reisekatalog präsentiert sich das Hotel Las Costas von seiner besten Seite. © Holidaycheck
Hotel Lanzarote
Der natürliche Look vor Ort ist dann doch etwas enttäuschend. © Holidaycheck
Hotel Dubai
Diese Hotel steht ganz allein am Strand in Dubai. Ein schöner Traum... © Holidaycheck
Hotel Dubai
Vor Ort hat das Hotel Le Meridien Mina Seyahi eine eindrucksvolle Nachbarschaft. © Holidaycheck
Hotel Dubai
Auch das Hotel Metropolitan Deira steht dank Retusche in Dubai ganz allein. © Holidaycheck
Hotel Dubai
Der Trick hat leicht funktioniert, die angrenzenden Häuser stehen sehr nah an dem Hotel. © Holidaycheck
Hotel
Im Reisekatalog zeigt das Hotel Metropolitan Deira auch dieses ansprechende Zimmer.   © Holidaycheck
Hotel
Vor Ort entpuppt sich auch das Zimmer als Schwindel.  © Holidaycheck
Hotel
Ein Traums am Goldstrand von Bulgarien: Extrem breiter Strand und stilvolle Sonnenschirme verspricht das Hotel PrimaSol Magnolia & Spa in Bulgarien im Katalog. © Holidaycheck
Hotel
Wer darauf vertraut hat, findet vor Ort einen geschrumpften Strand, mit zahllosen Sonnenschirmen in einer Bucht mit zahllosen Bauruinen. © Holidaycheck
Hotel
Natürlich, wer auf Meer guckt, sieht die unfertigen Bauten am Strand von Bulgarien nicht. © Holidaycheck
Hotel
Weiß, sauber und stylisch - zeigt sich das Hotel Rotana Coral Beach Resort im Reisekatalog. Im Hotel dominiert eine Pool-Landschaft. © Holidaycheck
Hotel
Der Pool vom Hotel ist zwar da, aber leider nicht ganz so groß, wie es vorher den Eindruck machte. © Holidaycheck
Hotel
Palmen und Pool in den Vereinigten Emiraten in Dubai. © Holidaycheck
Hotel
Das Hotel Sheraton Jumeirah Dubai ist aber umgeben von Wolkenkratzern. © Hol idaycheck
Hotel Eden Roc Resort
Ein Zimmer im Hotel Eden Roc Resort auf Griechenland auf Rhodos sieht im Katalog sehr einladend aus. © Holidaycheck
Hotel
Das wahre Desgin der Hotelzimmer. © Holidaycheck

Auch viele Buchungsportale haben längst eine Bewertungsfunktion in ihr Angebot integriert. Wer glaubt, dass Bewertungen bei Hotelbrokern vielleicht weniger manipulationsanfällig sind, irrt aber: Der Stiftung Warentest gelang es, bei allen getesteten Seiten, eine Bewertung abzugeben, ohne das Hotel besucht zu haben. Inzwischen gibt es auch Metasuchmaschinen wie „trustyou.com“, die versuchen, die Ergebnisse mehrerer Bewertungs- und Buchungsportale zusammenzufassen.

So dick macht der Urlaub

So dick macht der Urlaub
Pizza, Pasta und andere landestypische Kalorienbomben: Wie dick macht Urlaub eigentlich? Eine länderspezifische ­Betrachtung. © dpa
So dick macht der Urlaub
Griechenland: Tsatsiki, Schafskäse, Oliven – alles fettig, alles schwer. Bis zu 1000 Kalorien kann eine Portion vom Auberginen-Auflauf Moussaka haben. © dpa
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Schweiz: Berge und frische Luft machen hungrig, doch vorsicht, ein „Fondue“ hat cirka 800 Kalorien.   © dpa
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Frankreich: Mit 460 Kalorien pro 100 Gramm ist die Foie Gras eine wahre Kalorienbombe: Die umstrittene Stopfleber wurde unlängst sogar zum französischem Kulturerbe erklärt. © dpa
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Irland: So gewöhnungsbedürftig wie das irische Wetter ist der Irish Stew. Der Eintopf mit nur 360 Kalorien pro Portion ist gut für die Linie. © dpa
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Spanien: Paella ist die spanische Antwort auf Eintopf. Mit durchschnittlich 480 Kalorien pro Portion gehört sie beileibe nicht zu den größten Urlaubs-Dickmachern. © dpa
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Italien: Belag und Käse hauen rein in der Brennwert-Bilanz, mit 800 Kalorien mindestens. © dpa
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Österreich: Wiener Schnitzel mit Bratkartoffeln schlagen mit 840 Kalorien zu Buche, © dpa
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Japan: Sushi hat nur 130 Kalorien pro 100 Gramm. © dpa
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Thailand: Kaum Fett, viel Fisch und jede Menge gesunde, weil verdauungsfördernde Gewürze. Eine scharf-saure Tom-Yam-Suppe mit Garnelen hat gerade einmal 170 Kalorien, ein Thai-Curry mit Huhn 250. © dpa
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Australien: Im Land von Crocodile Dundee ist der Alligator inzwischen sogar auf dem Teller gelandet: Viele Proteine, aber gerade einmal 130 fettarme Kalorien pro 100 Gramm © dpa
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Karibik: Ananas pur mit 60 Kalorien pro 100 Gramm © dpa
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Spanien: Der alkoholisierte Traubensaft nämlich schlägt mit 65 Kalorien pro 0,1 Liter zu Buche. © dpa
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Österreich: Die berühmte Torte aus dem Hause Sacher mit 600 Kalorien (plus Sahne: 750 Kalorien) © dpa
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Eine Kugel Wassereis (100 Gramm) – und man ist schon mit 85 Kalorien dabei. Fruchtsorbet (Saft und Zucker) schlägt mit zirka 90 Kalorien zu Buche, Fruchteis (20 Prozent Fruchtgehalt) mit 130. © dpa
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Die wahren Dickmacher aber sind Milcheis (150 Kalorien) und Rahmeis (250 Kalorien). © dpa
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Teufel im Glas: Ein Caipirinha mit 350 Kalorien pro Glas kann leicht mal eine Hauptmahlzeit ersetzen. © dpa

Hoteliers und Reiseveranstalter schauen sich regelmäßig auf den Portalen um. Denn: Bei guten Noten können die Buchungszahlen für ein Hotel nach oben gehen, während bei schlechten Urteilen Verluste drohen. Mängel werden im besten Fall abgearbeitet, im schlimmsten Fall wechseln Hotels ihren Namen. Dass nur Frustrierte in die Tastatur greifen, um ein Hotel „an den Pranger zu stellen“, stimmt aber offenbar nicht. Laut Stiftung Warentest liegt die Weiterempfehlungsquote oft bei 80 Prozent und höher.

Dirk Averesch/vp

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