Vom urigen Quartier direkt auf die Bretter – in der Südsteiermark erfüllt sich dieser Skifahrertraum

Ordentlich Schnee vor der Hütte

Wenn man keine Lust zum Kochen hat: In der Tonnerhütte bringt Hüttenwirtin Ludmilla Ferner steierische Spezialitäten auf den Tisch.

Zähneklappern nutzt nichts. Einer muss raus, Feuer machen. Wolfram wagt es, springt beherzt aus den Federn. Doch es vergehen noch einige bitterkalte Minuten, bevor die Temperaturen in der Hütte langsam steigen.

Wir haben es so gewollt: Urig sollte sie sein, unsere Hütte für den Winterurlaub. Und wir haben sie bekommen, die kleine Selbstversorgerhütte auf rund 1600 Metern Höhe am Zirbitzkogel oberhalb von Mühlen in der südlichen Steiermark.

Spät am Abend kommen wir an. Treffpunkt mit dem Hüttenbesitzer ist der Hirschenwirt, Nachrichtenbörse und gemütlicher Dorfgasthof für Einheimische und die wenigen Fremden. Brot, Butter, Wurst, Käse, Saft und Konserven – ein ganzes Lebensmittellager, Koffer und Taschen, Skier und Schuhe werden in den kleinen Transporter umgeladen, der uns zu nächtlicher Stunde „nauf auf´n Berg“ bringt. Sechs Kilometer steil bergan. Unten im Tal legt sich eine dichte Nebeldecke über das Dorf. Oben an der Hütte ist sternenklare Nacht.

Ideale Bedingungen für Tourengeher

Der Zirbitzkogel ist mit 2396 Metern der höchste Gipfel der Seetaler Alpen, nahe der Grenze zum Bundesland Kärnten. Vor allem Tourengeher und Tiefschneefahrer finden dort ideale Bedingungen. Nur wenige Schritte sind es von der Hütte bis zum rund 800 Meter langen Lift, mit dem ein winziges Skigebiet von vier Abfahrten erschlossen wird. Die Pisten bieten dank sanftem Gefälle und guter Überschaubarkeit ideale Bedingungen für Anfänger. Nur wenige Meter abseits von Liftspur und Abfahrtspiste beginnen unberührte Tiefschneehänge – ideale Voraussetzungen für Skitouren und Schneeschuhwanderungen. Auch wir suchen die Abwechslung zur Piste. Die Sache hat nur einen Haken: Alles, was wir locker mit den Skiern hin-unter schwingen, müssen wir auch wieder nach oben stapfen.

Die Gaststube in der Tonnerhütte steht allen offen. Grund genug, die Hüttenküche auch mal kalt zu lassen und am Kachelofen Backerbsensuppe zu schlürfen und Germknödel zu genießen. Seit mehr als dreißig Jahren leben die Ferners oben am Berg. Die Tonnerhütte hat sich in dieser Zeit zu einem rustikalen und gemütlichen Drei-Sterne-Hotel gemausert. Gäste werden mit steirischen Köstlichkeiten aus Küche und Weinkeller verwöhnt.

Nach einem Tag im Schnee genießen müde Gästemuskeln „Almwellness“ im holzbeheizten Schaffelbad, bei Massagen oder einer alpinen Spezialität genannt „Brechlbad“: eine Schwitzkur bei moderaten sechzig Grad, bei dem ätherische Öle durch den Dampf aus Zirbenzweigen gelöst werden.

Am Ofen trocknen feuchte Socken

Manchen Abend verbringen wir aber auch gemütlich in den eigenen vier Wänden. Am Ofen trocknen feuchte Socken, Pullover und Mützen, eine ganze Armada von Skischuhen und Moonboots bildet kleine Seen unter dem Waschbecken. Kerzen brennen, eine Flasche Wein kommt auf den Tisch. Mit Büchern, Strickzeug, Karten- und Würfelspielen vertreiben wir uns die Zeit. Zu vorgerückter Stunde unterbrechen Juchzen und Gelächter mitunter das traute Beisammensein.

Ein abendliches Vergnügen für Gäste und Dorfbewohner ist die Wanderung mit Fackeln und Schlitten von der Tonnerhütte hinauf zum Hüttendorf. Nach einer gehaltvollen Stärkung mit Glühwein geht die mitternächtliche Rodelpartie über den mondbeschienenen Schnee zurück. In der Hütte wartet dann die Ofenbank am Kachelofen und ein heißer Jagatee.

Von Petra S. Hardt

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