Die Costa Vicentina an der Westküste ist unter Portugalreisenden ein Geheimtipp

Zu Ostern süße Mandeln

Ein Nest in den Klippen: Das Kap Sardão – 130 Kilometer südlich von Lissabon – ist weltweit vermutlich die einzige Stelle, an der Weißstörche direkt am Meer brüten.

Am Kap Sardão hat der Osterhase verschlafen! Die Eier im Nest sind schon ausgebrütet. Flaumweiche Küken recken ihre Hälse in die Höhe. Sie stammen nicht vom Huhn, sondern von einer Störchin, die die Kleinen nun mit frischen Würmern füttert. Vielleicht hat es Meister Lampe einfach nicht gewusst: An der Westküste Portugals legen die Störche ihre Eier schon vor Ostern. Auf den Klippen hoch über dem Meer am Kap Sardão haben sie ihre Nester gebaut. Unter ihnen donnert die Gischt des Atlantischen Ozeans an die Steilküste und übertönt das Fiepen der Frischgeschlüpften.

Menschenleere Strände

In der Kleinstadt Vila Nova de Milfontes geht es beschaulich zu. Die weiß gekalkten Häuser blitzen in der Sonne. Im Hafen schaukeln kleine Fischerboote. Auf der anderen Seite der Landzunge fließt der breite Rio Mira schäumend in den Atlantik. Er zählt zu den saubersten Gewässern Europas. An seinem Ufer thront eine efeubewachsene Festung, die früher als Schutz vor den Mauren diente. Unter Portugalreisenden gilt Milfontes besonders im Frühjahr als Geheimtipp. Überall blühen Mittagsblumen und man hat eine große Auswahl an Traumstränden für sich allein. Im Fluss kann man angeln, im Hinterland wandern, reiten oder mountainbiken.

Gebäude mit Geschichte

„Der Name Milfontes stammt von Mel e fontes – Honig und Quellen“, vermutet Senhor Antonio. Dem 70-jährigen Portugiesen gehört das Restaurant Paparoca nicht weit vom Castell entfernt. Das Gebäude aus dem 17. Jahrhundert war früher ein Gefängnis und später eine Schule. „Hier habe ich gelernt“ sagt Senhor Antonio, klopft auf den Holztisch vor ihm und lacht, weil er gerade auf seinem früheren Schulplatz sitzt.

Zu Ostern backt Senhor Antonios Ehefrau Donna Idália den traditionellen Osterkuchen „Folar“. Dafür knetet sie einen Hefeteig würzt ihn mit Anis, steckt ein rohes Ei mit Schale hinein und backt ihn im Ofen. Die Eischale pult man während des Essens wieder heraus. Im Casa do Adro direkt neben der Kirche beherbergt das Ehepaar Feriengäste und verwöhnt sie morgens mit einem opulentem Frühstück und nachmittags mit selbstgebackenem Kuchen.

An diesem Tag ist Jana Winkel zu Besuch im Casa do Adro. Sie stammt aus Thüringen und lebt seit 13 Jahren in Milfontes. Schließlich rückt sie mit der Wahrheit raus: Der Osterhase hat nicht verschlafen – man kennt ihn hier gar nicht! „Meine Nachbarn lachen immer, wenn meine Kinder zu Ostern im Garten ihre Überraschungen suchen“, sagt sie. Statt Eier zu verstecken, schenkt man sich bunte mit Zuckerguss überzogene Mandeln, die wie die Ostereier ein Symbol der Fruchtbarkeit darstellen.

Lagerfeuer und Gesänge

An Ostern ist auf der Promenade viel los. An Ständen werden Stockfischpasteten und Folar verkauft. Auf einer Bühne führt eine Theatergruppe ihr bestes Stück auf und der Chor singt alte Volksweisen. Abends lodern am Strand die Flammen eines Lagerfeuers und Musikbands rocken die Nacht herbei. Drei Tage lang dauert die Veranstaltung – von den Einheimischen „Fest des Tourismus“ genannt. Dass die meisten Urlauber erst im Juli und August kommen, spielt dabei keine Rolle. Im Sommer gibt es wieder andere Gründe zum Feiern. Nur die jungen Störche wird man im Hochsommer nicht mehr sehen, sie haben dann längst ihre Nester verlassen.

Von Monika Hippe

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