Outdoor-Trends 2020: Genuss statt Hetze

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Aktiv sein und entspannen in der Natur

Gemütliches Wandern oder „Speed Hiking“? Gemeinsam aktiv sein oder Spitzenleistung im Alleingang? Nachhaltige Produkte oder Ultraleicht­gewichte mit kurzer Lebensdauer?

Die Experten (v. l.): Alpinistin Ines Papert, Messechef Klaus Wellmann, Firmenchef Peter Schöffel, Stefan Herzog von SportScheck

Bei der Messe Outdoor in Friedrichshafen haben Branchenexperten bis gestern versucht, die Entwicklungen der nächsten Jahre vorherzusehen. Zum Beispiel bei einem Podiumsgespräch von SportScheck zum Thema Outdoor-Trends 2020. Wie wir uns in neun Jahren draußen bewegen werden – das sind die Prognosen der Experten:

Outdoor wird Lebensstil

 „Seit den 2000er-Jahren werden die Aspekte Sport, Erholung und Wellness eins“, erklärt Carsten Schürg, Bereichsleiter Marketing bei SportScheck. „Eine Ursache ist die Work-Life-Balance: Die Menschen nutzen Outdoor-Aktivitäten, um sich nach einer anstrengenden Arbeitswoche positiv aufzuladen.“

Mit der Familie in die Natur

Gemeinsame Aktivitäten in der Natur sind ein guter Weg, die knapp bemessene Zeit mit der Familie intensiv zu nutzen. „Mein zehnjähriger Sohn begleitet mich bereits beim Klettern, auf Skitour oder mit dem Mountainbike“, ­erzählt die Spitzenbergsteigerin Ines Papert.

Frauen gehen raus

„Bergsport ist schon lange kein reiner Männersport mehr“, sagt Ines Papert. Und Stefan Herzog, Vorstandssprecher von SportScheck, bestätigt: „In unserem ­Geschäft wachsen die Frauenanteile massiv.“ Das komme auch durch das wachsende Angebot an Produkten, die speziell auf Damen zugeschnitten sind.

Urban Outdoor

Sportarten wie Slacklinen oder Hallenklettern liegen im Trend. „Es wächst der Wunsch, Outdoorsport auch in der Stadt zu treiben“, beobachtet Carsten Schürg. Urban Outdoor mache sich vor allem im Bekleidungsbereich bemerkbar, der besonders starken Zuwachs erfahre. Die Gore-Tex-Jacke überm Büroanzug – sie ist längst salonfähig.

Active-Ager

„Der Sportmarkt hat lange so getan, als gebe es nur 18-jährige Triathleten mit ’ner Million auf dem Konto“, sagt Peter Schöffel, Chef einer Schwabmünchener Bekleidungsfirma. Aus Schöffels Sicht geben aber gerade ältere Menschen, die sogenannten Active-Ager, die Outdoor-Trends vor: „Sie lassen sich nicht von Marken blenden, legen Wert auf Komfort und Qualität, lieben Sport ohne Pulsmesser.“

Trend: 2019 reisen wir in die Arktis

Reisetrends 2019
Eine Studie zeigt: Abenteuerlust ist weiblich. Nach ihren Reisezielen für das Jahr 2019 gefragt, antworteten 7,2 Prozent der deutschen Frauen, sie wollten Ziele außerhalb der Erde besuchen. Das wollen nur 5,9 Prozent der Männer. Das Bild zeigt den Nordpol des Planeten Mars. © dpa
Reisetrends 2019
Noch deutlicher ist der Unterschied zwischen den 1001 befragten Männern und Frauen bei außergewöhnlichen Zielen auf der Erde. Insgesamt will jeder sechste Deutsche in die Arktis oder auf unentdeckte Inseln reisen. 18 Prozent der Frauen, aber nur 11 Prozent der Männer wollen das. © dpa
Reisetrends 2019
Nordeuropa zieht ebenfalls jeden sechsten Befragten an. Hier: Helsinki in Finnland. © dpa
Reisetrends 2019
Nach Westeuropa, hier sehen wir Lissabon in Portugal, wünschen sich 15,7 Prozent zu reisen. Hier gibt es keine nennenswerten Meinungsverschiedenheiten zwischen den Geschlechtern. © dpa
Reisetrends 2019
Kaum wird es etwas exotischer, überwiegen wieder die Frauen: Nach Afrika will fast jede fünfte Frau (19,5 Prozent), aber nur 15,8 Prozent der Männer haben Lust auf Safari und roten Sand. Hier ein Bild aus dem Norden Äthiopiens. © dpa
Reisetrends 2019
Das Kräfteverhältnis kehrt sich um, wenn es um Osteuropa geht. 22,1 Prozent der Männer, aber nur 15,3 Prozent der Frauen sind interessiert an unseren östlichen Nachbarländern. Hier ist die Landschaft rund um das tschechische Prag zu sehen. Besonderes Highlight sind hier die Burgen. © dpa
Reisetrends 2019
Nord- und Südamerika ziehen jede dritte Befragte, aber nur jeden vierten Befragten an. 27,7 Prozent wollen insgesamt den amerikanischen Kontinent bereisen. Hier eine Landschaft in New Mexico, USA. © dpa
Reisetrends 2019
Asien ist schwer im Kommen: 37,4 Prozent der Befragten wollen 2019 Fernreisen nach Asien und Australien machen. Hier dürften allerdings einmal mehr die Damen die treibende Kraft in Sachen Urlaubsplanung sein: 41,8 Prozent wollen nach Fernost, aber nur 32,8 Prozent der Männer. Hier das "Hawaii Asiens", die chinesische Insel Hainan. © dpa
Reisetrends 2019
Wer kennt sie nicht, die romantischen Gondolliere in Venedig? 40,8 Prozent der Reisenden wollen auch 2019 noch nach Venedig und auf dem Markusplatz Tauben füttern. © dpa
Reisetrends 2019
Platz 1 der Studie belegt aber Deutschland selbst. Auch 2019, so die Experten des Reiseportals Expedia, will immer noch jeder zweite Deutsche im eigenen Land Urlaub machen. Da sind sich Frauen und Männer einig. © dpa

Genuss statt Hetze

Für Klaus Wellmann, den Chef der Messe Friedrichshafen, ist Outdoor nicht mit Sport gleichzusetzen: „Das macht vielleicht drei Prozent aus“, sagt er und betont: „Outdoor ist Genuss!“ Zwar bestimmen spektakuläre Geschwindigkeitsrekorde derzeit den Spitzenalpinismus, wenn etwa der Schweizer Daniel Arnold die Eiger Nordwand in nicht einmal zweieinhalb Stunden durchsteigt. Von einer Massenbewegung sind Sportarten wie Speed Hiking aber weit entfernt. Viel bedeutender aus Peter Schöffels Sicht: „Outdoor als Gegenmodell zum getakteten und getriebenen Alltag.“ Beliebteste Aktivität ist und bleibt folglich das Wandern: Mehr als die Hälfte der Deutschen wandert zumindest gelegentlich.

Leichtgewicht

Ein wichtiges Thema der vergangenen Jahre ist die leichter werdende Ausrüstung. Für Peter Schöffel geht es dabei weniger um höhere Geschwindigkeit als um mehr Komfort: „Wenn ich die Ausrüstung und Bekleidung dank des geringen Gewichts sowie funktioneller und dehnbarer ­Materialien kaum mehr spüre, dann kommen Natur und Körper zusammen.“

Nachhaltigkeit

Die Outdoor-Branche achtet zunehmend auf die Umweltverträglichkeit ihrer Produkte. SportScheck etwa verfolgt das Ziel, 50 Prozent seiner Eigenmarke OCK mit dem Umweltschutz­label Bluesign zertifizieren zu lassen. „Nachhaltigkeit wird mittel- bis langfristig ein Standard“, prognostiziert Marketingchef Carsten Schürg.

Ingo Wilhelm

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