Bei einer ausgedehnten Kanufahrt auf der Mosel zeigen sich die schönen Seiten des Flusses

Paddeln ohne Kapitänspatent

Spiegelt sich wunderschön im ruhigen Wasser der Mosel wieder: die fahnengeschmückte Burgruine der Ministadt Beilstein. Fotos: Seger

Udo Marx nimmt ein Pad-del – und zieht es 20 Zentimeter über dem Erdboden durch die Luft. „Wenn Sie bei Ihrer Kanufahrt nicht nass werden wollen“, sagt er „sollten Sie das Paddel ganz ruhig ins Wasser eintauchen, durchziehen und wieder herausnehmen.“

Udo Marx ist Bootsverleiher. Jeden Vormittag steht er am Moselufer, um einige Urlauber in die Kunst des Kanufahrens einzuweisen. Heute sind es drei Männer: Sie wollen vom Fachwerkstädtchen Ediger-Eller bis zum Winzerdorf Ernst paddeln. „17 Kilometer ist die Strecke lang“, sagt Udo Marx. „Dafür brauchen die meisten Kanuten rund viereinhalb Stunden.“

Sonnenverwöhnte Weinberge

Ganz gemächlich gleiten die Boote an den sonnenverwöhnten Weinbergen des Moselufers entlang. Erst sind die jahrhundertealten Fachwerkgiebel von Ediger zu sehen. Dann folgen kleine Yachthäfen, Uferwäldchen und Cam-pingplätze – und später zeigt sich die fahnengeschmückte Burgruine der Ministadt Beilstein: Wunderschön spiegelt sie sich im ruhigen Wasser der Mosel wider.

„Bei aller Idylle sollten Sie aber nicht vergessen, dass die Mosel eine Schifffahrtsstraße ist, die von großen Ausflugs- und Frachtschiffen benutzt wird“, warnt Udo Marx. Paddler dürfen die bojengesäumte Verkehrsrinne in der Flussmitte beliebig oft kreuzen. „Aber nicht dauerhaft befahren“, betont der Kanu-Experte.

Beliebt: Burgbesichtigungen

Elf Bootsverleiher gibt es an den deutschen Ufern der Mosel: Sie kümmern sich um die Kanu- und Gepäcktransporte, Lunchpakete und Landgänge der Paddler – denn eine Flussfahrt lässt sich nicht nur mit Weinbergswanderungen verbinden. „Beliebt sind auch Burgbesichtigungen in Co-chem und Beilstein“, weiß Udo Marx.

Für kanufahrende Bergwanderer gibt es sogar einen alpinen Klettersteig am Moselhang „Calmont“. Und Weinliebhaber können ihre Paddeltour jederzeit für ein Glas Riesling in kleinen Winzerorten wie Bruttig, Bremm, Eller oder Ernst unterbrechen.

Vorsicht an den Staustufen

„Aber an den Staustufen der Mosel müssen Sie aufpassen“, warnt der Bootsverleiher. „Dort gibt es ordentliche Wellen, wenn die Schiffe mit Voll-gas aus den Schleusen kommen.“

Zehn Sperrwerke machen den Mosellauf zwischen Trier und Koblenz für Frachtschiffe befahrbar – und eines müssen Wasserwanderer auf ihrem Weg von Ediger nach Ernst passieren.

„Es geht in der Schleusenkammer sieben Meter tief hinab“, schwärmt Udo Marx begeistert. „Aber Sie sollten dem Schwenkbereich der Tore nicht zu nahe kommen“, ergänzt er.

Manche Paddler haben Picknickkörbe im Boot. Andere nehmen Ferngläser mit, um bei ihrer Kanufahrt einige Fischreiher am Moselufer beobachten zu können.

„Und ein Kapitänspatent ist auch nicht erforderlich“, sagt Udo Marx.

Von Martin Seger

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.