Auf der griechischen Insel Tinos gibt es die schönsten Vogelhäuser der Welt

Paläste für Tauben

Weiß verputzt und prachtvoll verziert: Die Taubentürme von Tinos sind kleine Kunstwerke. Rund 800 dieser Schmuckstücke gibt es auf dem griechischen Eiland. „Und mancher Turm wird bis heute von Vögeln bewohnt“, sagt unser Reiseleiter bei der Inselrundfahrt.

Wie Paläste aus 1001 Nacht wirken die zweistöckigen Gebäude mit ihren zierlichen Ecktürmchen und kunstvoll „gewebten“ Fassaden: Denn Hunderte von Schieferplatten fügen sich an den oberen Hauswänden zu hohlraumreichen Zickzackmustern, Rauten, Dreieck- und Speichenradmotiven zusammen – um bis zu 500 Vögeln Nistplätze und Einfluglöcher in den Taubenschlag zu bieten. „Es sind die schönsten Taubenhäuser der Welt“, schwärmen viele Urlauber.

Die Vogelpaläste finden sich überall auf der Mittelmeerinsel: An den terrassierten Berghängen, aber auch am Rande schneeweißer Dörfer und schroffer Steilküsten. Manche wirken, als seien sie gerade erst von topmodernen Architekten entworfen worden.

Viele sind schon mehr als 200 Jahre alt, denn die Taubenzucht kam mit den Venezianern nach Tinos. Ein Söldnerheer hatte im Jahr 1207 die Insel erobert und ein venezianisches Kastell am 540 Meter hohen Exombourgo-Felsen errichtet, das 1714 bei einem türkischen Angriff aufgegeben und kurz darauf zerstört wurde.

„Dort befindet sich der älteste Taubenturm von Tinos“, erzählt der Tourguide. Die Vögel waren als Briefträger bei den Adligen gefragt. Einfache Bauern durften erst im 18. Jahrhundert Taubenschläge errichten, um das zarte Fleisch, Eier und den gut düngenden Vogelkot zu erhalten. „Aber in den 1930er-Jahren kam die Vogelzucht aus der Mode“, erklärt der Reiseleiter an den Taubentürmen von Tarambados.

Wunderschön stehen die Gebäude an einem terrassierten Hang – doch die meisten Inselgäste zieht es nach Tinos-Stadt: zur Wallfahrtskirche Panagia Evangelistria. Das „griechische Lourdes“ wurde im Jahr 1830 am Fundort einer wundertätigen Marienikone eingeweiht, die für zahlreiche Heilungen und das Ende einer Pestepedemie verantwortlich sein soll. Tausende von Pilgern kommen pro Jahr dorthin – manchmal nur für einen einzigen Tag. Da bleibt wenig Zeit für Taubentürme.

Ein schneeweißes Dorf

„Einige Gebäude wurden bereits renoviert und zu Wohnhäusern umgebaut“, erzählt der Fremdenführer bei der Weiterfahrt nach Pirgos. Das schneeweiße Künstlerdorf gehört zu den malerischsten Orten der Ägäis. Dort gibt es Ateliers, Bildhauerwerkstätten und einem Marmormuseum. Die Bildhauerei hat in Pirgos übrigens eine lange Tradition: Grüngefleckter Marmor von der Insel Tinos sei bereits im Louvre und im Buckingham Palace verbaut worden. „Aber noch nie in den Taubentürmen von Tinos“, erzählt der Reiseführer.

Von Martin Seger

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