Nordwales

Im Paradies der Pufferküsser

Entlang grüner Weiden und dem Fluss Gwyrfai zuckelt die Bahn langsam vorüber: Die Garratt 87, die einst in Südafrika Zuckerrohr und Holz beförderte, wird heute vom Chef des Unternehmens, Paul Lewin, selbst gesteuert.

Um vier Uhr klart der Himmel immer auf“, meint Zugbegleiter Wayne auf dem Weg zum Gipfel des Mount Snowdon. Nur heute ist es bereits halb fünf, und der weiße Mantel, den sich der 1085 Meter hohe Berg umgelegt hat, rollt sich immer tiefer hinab ins Tal.

Der Snowdon ist die höchste Erhebung in Wales. Bis Ende des 19. Jahrhunderts konnten Ausflügler ihn nur zu Fuß oder mit Pferden erklimmen. Doch seit 1896 gibt es die Snowdon Mountain Railway. Die Zugeinheit besteht nur aus einem Waggon, der bergauf von einer Schweizer Zahnradlok geschoben und bergab gezogen wird.

Seit 2011 sind die Welsh Highland und Ffestiniog Railway im Herzen des Snowdonia Nationalparks über den Bahnhof Porthmadog zu einer knapp 65 Kilometer langen Strecke miteinander verbunden. „Beide Schmalspurbahnen wurden im 19. Jahrhundert zu Zeiten Königin Viktorias gebaut, um Schiefer aus den Bergen an die Küste zu transportieren“, erzählt Andrew Thomas, einer der etwa 60 Festangestellten des Unternehmens.

Im Paradies der Pufferküsser

Die Reise nach Porthmadog beginnt hinter dem Schloss Caernaforn an der Irischen See. Die blaue Garratt 87, die einst in Südafrika Zuckerrohr und Holz beförderte, wird heute vom Chef des Unternehmens, Paul Lewin, selbst gesteuert. Er ist Bahnenthusiast von Kindesbeinen an und gab dafür sogar seinen Job bei einer Ölfirma auf.

Die kleine Bahn zuckelt durch saftige, grüne Weiden, auf denen es sich jede Menge Schafe gut gehen lassen. Später rattert sie entlang des Flusses Gwyrfai und schließlich am Nordufer des Sees Llyn Cwellyn vorbei. Wer mit der Ffestiniog Railway noch weiter bis Blaenau Ffestiniog fahren möchte, der steigt in Porthmadog um und lässt sich von einer „Double-Fairlie-Lokomotive“ ziehen. Ihr charakteristisches Kennzeichen sind zwei Schornsteine, zwei Rauchkammern und ein Doppelkessel, der mitten durch das Führerhaus verläuft.

Mit Dampf durch das Land

350 ehrenamtliche „Pufferküsser“ haben sich der seit 1951 wieder verkehrenden Talyllyn Railway verschrieben. Die rot-schwarze Lok „Sir Handel“ wird von einem echten Lokführer gefahren. Wenn Andy Young bei Cross Country Trains durch die Lande braust, hat er allerdings nicht nur 25 Kilometer pro Stunde auf dem Tacho. Auch Rachel Palfreyman verbindet wahre Liebe mit den Stahlrössern. Mit 14 Jahren wurde sie vom Dampflokvirus infiziert. Bei Sturm, Regen und Kälte schippt Rachel Kohle, putzt das Feuer und schläft während der zwei Wochen ihres Urlaubs im Zelt.

Die kleine Lokomotive

Im Talyllyn Museum erfährt der Besucher vieles über Schmalspurbahnen in Großbritannien, aber auch einiges über den Erfinder von „Thomas the Tank Engine“. In Deutschland sind die Kinderbücher unter dem Titel „Thomas, die kleine Lokomotive“ bekannt. Pfarrer Wilbert Awdry erdachte die Geschichten für seinen Sohn Christopher. „Ab 1951 war er ehrenamtlicher Helfer bei der Talyllyn Railway. Vorkommnisse und Personen auf unserer Bahnlinie inspirierten ihn zur Erfindung der Skarloey Railway“, berichtet Rachel Palfreyman.

Begegnen kann der Wales-Besucher dem fiktiven „Thomas the Tank“ tatsächlich: In Llangollen dampft die hellblaue Lok mit dem freundlichen Gesicht sechs Mal im Jahr auf der Normalspur-Trasse der Llangollen Railway durchs Flusstal des Dee.

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