Der Rotweinwanderweg im Tal der Ahr durchquert das nördlichste Rotwein-Anbaugebiet in Deutschland

Im Paradies der roten Trauben

Durch die besten Weinlagen: Der Rotweinwanderweg beginnt in den Weinbergen oberhalb von Altenahr (oben links) und führt durch die Weinberge des Ahrtals, wo nicht nur hervorragende Rotweine gekeltert werden, sondern auch Rieslingtrauben wachsen (rechts). Zur Rast bietet sich Altenahr an (unten links). Fotos: Steimle

Dort, wo sich das kleine Eifelflüsschen Ahr in vielen Windungen durch den rheinischen Schiefer gefressen hat, liegt das nördlichste Rotwein-Anbaugebiet in Deutschland. Ein kleines feines wohlgemerkt, denn mit seinen rund 520 Hektar Rebfläche belegt es flächenmäßig nur Rang zehn der 13 deutschen Weinregionen. Doch in Sachen Qualität spielen die Winzer von der Ahr in der ersten Liga mit. Und so weit entfernt vom Durchschnitt wie der Blaue Spätburgunder, dem das Ahrtal seinen Spitzenruf verdankt, präsentiert sich auch die Landschaft auf 35 Kilometern aussichtsreicher Wanderstrecke, dem Rotweinwanderweg.

Seit über 100 Jahren kommen Urlauber und Weinliebhaber – vornehmlich im Herbst – zum Wandern, Feiern und Genießen in die kleinen Winzerorte an der mittleren Ahr.

So wie nach Altenahr zum Beispiel. Das Tal so eng zugestellt, als hätte ein Modellbahnbauer auf kleinstem Raum seiner Fantasie den Lauf gelassen: Da ist der Fels mit den aberwitzig steilen Wänden, der Burgruine und zwei Tunnelröhren; ein Brückchen steht bereit für die roten Triebwagen der Ahrtalbahn, eine Seilbahn und ein Aussichtspunkt mit Gipfelkreuz dürfen auch nicht fehlen. Ein Weinfest ist natürlich auch vorhanden, mit Festzelt und Tamtam an jedem Wochenende im Oktober – und in den vielen Gasthäusern eigentlich das ganze Jahr hindurch.

Für das Herzstück des Rotweinwanderwegs, die 21 Kilometer von Altenahr nach Bad Neuenahr-Ahrweiler, sollte man einen ganzen Tag einplanen. Steil windet sich der Rotweinwanderweg auf seinen ersten Metern hinauf zur Burgruine Are, und so mancher, der beim Weinfest noch vor Kräften strotzte, freut sich über eine Sitzbank unterwegs. Doch die Aussicht lohnt nach allen Seiten.

Zeitreise durch die Geschichte des Weinbaus

Mit der Burg im Rücken geht es durch die ersten Rotweinlagen Richtung Mayschoß. Hier bleibt der Weg auf halber Höhe, umkreist den Winzerort mit der markanten Pfarrkirche in einem weiten Bogen. 1868 wurde in Mayschoß die erste Winzergenossenschaft der Welt gegründet. Wer in die Gewölbe der Kellerei hinabsteigt, kann sich in einer Ausstellung auf eine Zeitreise durch die Jahrhunderte des Weinbaus an der Ahr begeben.

Doch vielleicht ist man eben erst in Tritt gekommen, freut sich an der Welt aus Trockenmauern und steilen Wingerten hoch über dem schluchtartigen Tal. Nur einmal, in Rech, berührt der Rotweinwanderweg die Talsohle. Die Steinbrücke von 1765 mit dem Standbild des heiligen Nepomuk ist der älteste Übergang im 89 Kilometer langen Lauf des Flüsschens, das bei Blankenheim in der Eifel entspringt. Dernau, der größte Winzerort des mittleren Ahrtals, kann wieder von den Reb-lagen herab bewundert werden. Zahlreiche Keller laden zur Weinprobe und Winzervesper ein.

Von der Bunten Kuh ins Tal

Den Blick von der Bunten Kuh herab muss man genießen. Der markante Fels ist die letzte Bastion des engen Talabschnitts, gleichsam die Loreley des Rotweinlandes. Kurz darauf weitet sich die Welt für Bad Neuenahr-Ahrweiler, das nach den Dörfern dieses Tages fast wie eine Großstadt wirkt. Doch der Mauergürtel, der die Altstadt von Ahrweiler noch komplett umschließt, hat die Schätze der Vergangenheit bewahrt. Die mächtige Stadtkirche, das Rokoko-Rathaus am Markt und die vielen Fachwerkhäuser laden zum Bummel ein.

Und ganz sicher wird sich dabei auch ein Gasthaus mit Ambiente finden – für müde Beine, ein gutes Gläschen Rotwein und hinterher die rechte Bettschwere.

Von Lothar Steimle

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