Paris, mon amour

Wiedersehen mit einer alten Liebe – bummeln im Quartier Latin und im Marais

Paris, mon amour: Fotos aus der Stadt der Liebe

Wir steigen am Rathaus, dem Hotel de Ville, aus dem Labyrinth der U-Bahn ans Tageslicht. An dieser Station, einer von über 300, hängt noch das Metro-Symbol in alter Schrift. Diese Jugendstil-Lettern sind für uns ein Stück von dem Paris, das wir seit Jahrzehnten lieben. Diesmal wollen wir das Wiedersehen ganz ohne Programm feiern: Drei Tage ohne Eiffelturm und Champs Elysées, drei Tage ohne Louvre und Versailles.

Treiben lassen wollen wir uns, flanieren durch jene Viertel, die uns einerseits seit langem vertraut sind, denen wir andererseits ein paar Jahre lang untreu waren. Im Marais durch die Gassen bummeln, uns im Jüdischen Viertel verlieren, die Gewürze der Levante in die Nase bekommen und mit Bäcker Moscovic plaudern.

Und wir wollen mit der Metro fahren, immer wieder. Kein Bistro, kein Café ist weiter als 500 Meter von der nächsten Metro-Station entfernt. Manchmal wird aus der U-Bahn für ein paar Minuten eine Hochbahn. Dann ist plötzlich, zwischen Passy und Bir Hakeim, ein kurzer Postkartenblick auf Seine und Eiffelturm möglich.

Am Rive Gauche, dem linken Seine-Ufer, entwickelte sich vor gut hundert Jahren das Paris der Dichter und Philosophen. Heute hat hier das Paris der Mode und der teuren Lebensart Besitz ergriffen vom ehemaligen Reich des Geistes. Auch im Quartier Latin, mindestens so legendär wie Saint-Germain, haben traditionsreiche Läden vor den rapide gestiegenen Mieten kapitulieren müssen. Und doch hat sich vieles erhalten, was die Paris-Liebhaber hier immer gesucht und gefunden haben.

In der „Mouff“ blüht das echte Leben

Zum Beispiel in der Rue Mouffetard: Armenier und Perser haben neue Bistros eröffnet, direkt neben alten Fischläden und den kleinen Tante-Emma-Läden. Am oberen Ende der „Mouff“, auf der Place de la Contrescarpe, ruht man sich so stilecht aus wie eh und je, bei gutem Käse und einem trockenen Merlot unter der Markise.

Und dann wieder ab in die Metro, ins Marais. Unter den Arkaden an der Place des Vosges zeigen immer mehr moderne Galerien, was heute als Kunst gilt. Aber selbst an diesem noblen Platz, der als schönster von Paris gilt, ist die Atmosphäre in den Cafés gemütlich, wenn auch nicht so romantisch wie in den vielen Bistros auf dem Weg zur Rue des Rosiers, ins Herz des alten Judenviertels von Paris.

Dort sind die meisten Geschäfte und Imbiss-Stationen geblieben, was sie immer waren: „Sacha Finkelsztajn“ mit koscheren Köstlichkeiten oder „L´ As“ mit den besten Falafel westlich von Tel Aviv. „Goldenberg“ allerdings, das legendäre Feinschmecker-Restaurant am Pletzl, hat sich von dem palästinensischen Terroranschlag im Sommer 1982 nicht mehr erholt. Dort wird jetzt Mode verkauft, nur das alte Namensschild ist geblieben.

Mazze und Bagels

Geblieben sind auch Joseph Moscovic und seine Bäckerei in der Rue des Rosiers, im Jahr 1909 von den Großeltern gegründet. Noch immer deckt sich die Nachbarschaft hier zum Pessachfest mit Mazze, dem ungesäuerten Brot, ein und das ganze Jahr über mit Strudel und Bagels. Jo hat nichts dagegen, dass das Viertel touristischer geworden ist, wie manche sagen: „Sollen doch alle kommen und sehen, wie wir hier leben, traditionell und friedlich, so soll es bleiben.“

Reisetipps

• Beste Reisezeit: September und Oktober sind ideale Monate für ein Wiedersehen mit Paris. Reiseführer: Aktuell und individuell:“Paris“, Michael Müller Verlag, 16,90 Euro.

• Metro: Der Einzelfahrschein kostet 1,70 Euro, günstiger ist ein Zehnerblock (Carnet) für 12,50 Euro.

• Auskunft: Atout France, www.rendezvousenfrance.com www.paris.fr und www.parisinfo.com

Von Bernd Schiller

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